Deutschland
Nein, der Kirchenaustritt ist doch kein spiritueller Selbstmordanschlag
Der Frankfurter Stadtdekan hat keine Lust, Bischof zu werden: „Höhere Ämter sind mit dermaßen vielen Erwartungen und Zwängen verbunden, daß man schnell Gefahr läuft, zu einer von sich selber entfremdeten Kunstfigur zu werden.“
Hw. zu Eltz (links) bei einer ökumenischen Veranstaltung 2008 auf der Webseite 'kirchen-wiesbaden.de'
Hw. zu Eltz (links) bei einer ökumenischen Veranstaltung 2008 auf der Webseite ‘kirchen-wiesbaden.de’
(kreuz.net) Morgen wird Hw. Johannes zu Eltz (52) als katholischer Stadtdekan von Frankfurt eingesetzt.

Heute publizierte die ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ ein Interview mit ihm.

Hw. zu Eltz hofft, daß der Frankfurter Dom, das Haus am Dom und das Dompfarrhaus ein geistliches Kraftzentrum werden.

Der Wahlspruch des Geistlichen ist: „Honor tribus unus“ – Eine Ehre sei den Dreien.

Es handelt sich um ein Zitat aus dem berühmten Marienhymnus „Ave maris stella“.

Werte sind Derivate

Hw. zu Eltz möchte möglichst „wenig über Gott reden, aber viel von ihm sprechen“.

Die Politiker will er nicht in ihre „relativen Autonomie“ belehren.

Aber: „Werte sind Derivate des Glaubens, der schon deshalb politisch relevant ist, weil er ein Interesse an der Gestaltung der Welt hat.“

Im übrigen ist ihm der Sozialkatholizismus im Laufe der Jahre „immer sympathischer“ geworden: „Die Caritas ist tatsächlich eine wesentliche Ausdrucksform der Kirche“.

Viel Kreide essen

Hw. zu Eltz wird auf seine Aussage angesprochen, wonach der Kirchenaustritt ein „spiritueller Selbstmordanschlag“ sei.

Es folgt ein Dementi: „Dieses Wort habe ich öffentlich korrigiert, es war mißlungen.“

Der Stadtdekan bereut auch, einen Gotteslästerer hart angepackt zu haben, der die Handkommunion in die Tasche steckte:

„Ich habe das vielfach öffentlich bedauert, denn es muß klar sein, daß ein Priester nicht gewaltsam handelt“ – kriecht er:

„Das ist drei Jahre her, der Streit wurde beigelegt. Ich habe dazugelernt, mein Schwert an den Nagel gehängt.“

Immerhin fügt er hinzu: „Der Gottesdienstbesucher hatte einen Frevel am Heiligen begangen, der einen Priester nicht kaltlassen kann.“

Dann nochmals eine Kriechübung: „Allerdings hätte ich nicht auf diese Weise einschreiten dürfen.“

Der Stadtdekan beteuert, daß es nicht seine Sache sei, stets „politisch korrekt“ zu reden.

Ich habe Lust an Zuspitzungen und Auseinandersetzungen, „ohne dabei Menschen kränken zu wollen“ – federt er die Aussage dialektisch ab:

„Ich habe einen Horror vor einer langweiligen Kirche.“

Staublecken ohne Ende

Die Kriechpartie ist für den Geistlichen noch nicht zu Ende. Denn es naht der Mißbrauchs-Hoax:

„Die katholische Kirche hat durch die Fälle sexuellen Mißbrauchs von Kindern und die Verschleierung der Taten massiv an Vertrauen verloren“ – wird dem Stadtdekan vorgeworfen.

Der fällt wie auf Kommando erneut in Schutt und Asche. Er finde „die Mißbrauchsfälle“ schrecklich und den verharmlosenden Umgang mit ihnen schlichtweg indiskutabel – beteuert er tränenreich.

Die Kirche habe nicht gemerkt, „was die Stunde geschlagen hat“. Hw. zu Eltz läßt offen, ob er sich selber in dieser Aussage miteinschließt.

Die Zahl der Kirchenaustritte in Wiesbaden sei besonders im März und April „fürchterlich hoch“ gewesen:

„Viele der Ausgetretenen sind zwischen 1975 und 1985 geboren, also jene Menschen, die wir dringendst brauchten.“

Was unerwähnt bleibt: Diese Kirchensteuer-Sparer haben sich schon lange vor der antikirchlichen Goebbels-Propaganda von der Kirche verabschiedet – ohne daß ihnen die altliberale Allerlösungs-Fraktion eine Träne nachgeweint hätte.

Herrschaft ausüben?

In Frankfurt will Hw. zu Eltz weder ein Sachwalter der Frankfurter Interessen vor der Limburger Kurie noch ein Statthalter des Bischofs in Frankfurt – sondern beides – sein.

Die bissige Gegenfrage: „Ich dachte immer, Priester müßten Christus gegenwärtig setzen, nicht den Bischof“.

Der Geistliche korrigiert, daß „nach katholischer Auffassung“ auch gelte, daß im Wort des Bischofs das Wort Christi zu hören ist:

„Das bedeutet nicht, Herrschaft ausüben zu wollen“, entschuldigt er sich schon wieder.

In Wahrheit sind die angeblichen Herrschaftsstrukturen der Kirche schon seit vierzig Jahren zusammengebrochen. Nur hat dasHw. zu Eltz offenbar nicht bemerkt.

Darum möchte nicht durch „neofeudales Getue“ auffallen – meint er treuherzig.

Noch ein Dementi

Der Geistliche wird darauf angesprochen, daß er „gelegentlich“ die Soutane trägt:

„Ja, sie ist mein Festtagskleid“ – gesteht er mutig: „Morgen, bei meiner Einführung, trage ich sie sowieso.“

Dann entschuldigt er sich wieder: „Wer mich deswegen für konservativ hält, soll es tun.“

Er kenne das: „Ich verstehe das Kleid jedenfalls nicht als ein kirchenpolitisches Statement.“

Bischof werden? Nein danke

Die bevorstehende Zusammenlegung der Frankfurter Pfarreien sieht Hw. zu Eltz als Gewinn:

„Kleine oder mittelgroße Gemeinden drohen zu verknöchern und fangen an, wie Vereine zu agieren.“

Das lasse sich in einem größeren Verbund aufsprengen: „Ein weiterer Vorzug ist, daß größere Teams von Seelsorgern sich nicht so blockieren wie kleine.“

Die Frage nach dem Zölibat beantwortet Hw. zu Eltz mit seiner bekannten Einerseits-Andererseits-Methode.

Er könne sich verheiratete Priester „gut“ vorstellen. Gleichzeitig möchte er den Zölibat nicht abgeschafft wissen.

Angesprochen auf den Ökumenismus flüchtet er sich in Floskeln: „Es verbindet uns mehr, als uns trennt“.

Damit wischt er die drei Säulen der Kirche – Liturgie, Glaubenslehrer und Hierarchie, die von den Protestanten geleugnet werden – einfach unter den Tisch.

Die Lust am Bischof-Werden ist dem Stadtdekan vergangen:

„Höhere Ämter sind mit dermaßen vielen Erwartungen und Zwängen verbunden, daß man schnell Gefahr läuft, zu einer von sich selbst entfremdeten Kunstfigur zu werden.“
      
15 Lesermeinungen
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#18   fhernhachenzwerg   15:13:24 | Sonntag, 22. August 2010
samurai
Antwort ist unterwegs. :)3 :)3
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#17   Samurai   15:08:04 | Sonntag, 22. August 2010
…und lasst uns die Kirche schützen gegen Angriffe,Verleumdungen und Hassparolen…
seitens der „katholischen“ Internetseite kreuz.net!
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#16   RosiLuxemburg †   04:02:51 | Sonntag, 22. August 2010
Genossen, lasst uns unsere Kirche schützen
Gegen die bürgerlichen Angriffe, gegen den bürgerlichen Hass, gegen die bürgerliche Dekadenz, gegen den bürgerlichen Hochmut. Wir Sozialisten halten zur Kirche unseres Herrn.
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#15   alpha   02:55:52 | Sonntag, 22. August 2010
@Junker Jörg
Ein intelligenter Bürger und guter Christ, der diese Seiten
liest, kann gar nicht so viel kotzen, wie er möchte.
Irrtum! Ein intelligenter Bürger und guter Christ würde keine Seiten besuchen, die in ihm einen Brechreiz wecken!
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#14   Junker Jörg   02:08:49 | Sonntag, 22. August 2010
Da hilft auch kein Rosenkranz
Ein intelligenter Bürger und guter Christ, der diese Seiten
liest, kann gar nicht so viel kotzen, wie er möchte.
Ich merke nur, dass die nette Redaktion nicht mehr
so schnell hinterherkommt, aufmüpfiger Schreiberlinge zu
liquidieren.
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#12   prometheus141   22:35:56 | Samstag, 21. August 2010
Johannes zu Eltz
Wer die Aussagen Johannes zu Eltz genauer untersucht, weiß da ist ein Wissender, der nicht nach Höhrem strebt und die Abhängigkeit der Politiker sieht. Und er versucht nicht nach der Methode die hier herrscht Steine auf „Schuldige“ zu werfen. was fehlt ist ein klares ja ja nein nein und damit wird das thema schulden nicht angesprochen, jesus hat die geldwechsler aus dem tempel vertrieben, doch das traut er sich in frankfurt nicht, was hat er also mit christus zu tun? wer für die schuld und die schulden ist, schädigt die unschuld und damit die stella maris, das muss erst mal innerkirchlich begriffen werden.
www.youtube.com/watch?v=03wZ8ue12N4
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#11   r.ruhrgebietler   19:14:08 | Samstag, 21. August 2010
kris.tall bald nicht mehr da!…
stimmt… hoffenlich sperrt die Redaktion sie bald!
dieses unqualifizierte und antikirchliche geschreibsel ist unerträglich – entgottet und satanisch!
Beten Sie lieber den Rosenkranz – „der uns den heiligen Geist gesandt hat“
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#9   Österreicher30 †   16:41:46 | Samstag, 21. August 2010
im endefekt ein Patriachat
Nun es hat ja in unseren beiden ländern schon mal sowas gegeben wo alle das machten was einer von obern herab befohlen hat.
Wo niemand hinterfragt, sonder gehorcht
Ist ja auch icht der Stil des Katholischen die eigenen Regeln jemand anderen kompromisslos aufzudrängen, der Erfolg selbiger hing ja davon ab andere Kulturen zu assimilieren.
Wie Keltische, Germanische, römische Gottheiten…Feiertage…Kulte
(so ist die Heiligenfamilie nichts anderes als die altrömische Götterfamilie, Allerheiligen ist germanischen Ursprungs usw.)
Sich der Bevölkerung anzupassen hat diese aber verlernt und somit ihren Niedergang selbst verursacht.
Man könnte sie auch oportunistisch oder populistisch bezeichnen.
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#8   monens   16:33:47 | Samstag, 21. August 2010
Warum immer diese „Zurückhaltung“ ?
Warum müssen heute Priester die unmissvertändliche und nicht frei interpretierbare Lehre der Kirche immer „entschuldigend“ kommentieren? Hier etwas „zurechtrücken“; da etwas „entkräften“; hier Zutreffendes „von sich weisen“; da „Verständnis“ für nicht Zutreffendes zeigen; Hirten müssen die Herde im wahren Glauben stärken und die Herde muss den Hirten mit ihrem Gebet und ihrem Wohlwollen dabei unterstützen
www.razyboard.com/…07887-5896399-0.html
Nicht immer „allen alles Recht machen wollen“ sondern den wahren Glauben der Kirche verkünden
www.razyboard.com/…07888-5929066-0.html
Nur so lässt sich das Leiden der Wahrheit Jesus Christus nach Seelen lindern
www.razyboard.com/…07905-5955905-0.html
Die Kirche als das Ebenbild der ewigen Weisheit; sie lebt im Herzen Gottes
www.razyboard.com/…07887-5876739-0.html
und ist nicht menschlicher „Vorstellung“ unterstellt
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#7   Ruptschik   16:21:03 | Samstag, 21. August 2010
Der Autor…
hat offensichtlich ein massives psychisches Problem, weil er das Zugeben von Fehlern dauernd als „kriechen“ bezeichnet. Das Gegenteil ist richtig: aufrechte Menschen mir Rückgrat können einen Fehler zugeben und sich sogar entschuldigen. Nur Kriecher fürchten sich davor.
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#6   alpha   15:34:42 | Samstag, 21. August 2010
Na, dann sind ja alle zufrieden!
Der Artikelschreiber, dass der Herr Dekan nicht Bischof wird, der Herr Dekan, dass er nicht Bischof werden muss und das bleiben kann, was er meint zu sein.
Eine schöne Story!
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#5   bassman   15:32:30 | Samstag, 21. August 2010
Lieber Johannes,
auch wenn du dich hier sicher nicht rumtreibst: Bleib wie du bist und störe dich nicht an dem Artikel. Was juckts die deutsche Eiche…!!
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#4   jolie   13:40:30 | Samstag, 21. August 2010
mit diesem Zickzackkurs
Kann man doch
Noch einiges
Werden
Grübelt
Der
Freche
Jolie O:)
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#3   Samurai   13:01:35 | Samstag, 21. August 2010
Lieber Sefirot,
der Mann hat wirklich eine gute Einstellung, denn mir ist ein guter Priester an der Basis lieber als ein Bischof, der in seinem Amt untergeht.
Übrigens gab es einst einen Geistlichen, der erst nach langer Überzeugungsarbeit eher widerwillig Bischof wurde –- es war der Heilige Augustinus.
Gruß,Samurai
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#1   Sefirot   12:26:16 | Samstag, 21. August 2010
Lieber gutes Bodenpersonal…
„Höhere Ämter sind mit dermaßen vielen Erwartungen und Zwängen verbunden, daß man schnell Gefahr läuft, zu einer von sich selber entfremdeten Kunstfigur zu werden.“
Der Stadtdechant hat gute Ansichten.
Lieber gutes Bodenpersonal sein,
als eine Karikatur seiner selbst sein…!
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