12:20:57 | Samstag, 21. August 2010
Der Frankfurter Stadtdekan hat keine Lust, Bischof zu werden: „Höhere Ämter sind mit dermaßen vielen Erwartungen und Zwängen verbunden, daß man schnell Gefahr läuft, zu einer von sich selber entfremdeten Kunstfigur zu werden.“

Hw. zu Eltz (links) bei einer ökumenischen Veranstaltung 2008 auf der Webseite ‘kirchen-wiesbaden.de’
(kreuz.net) Morgen wird Hw. Johannes zu Eltz (52) als katholischer Stadtdekan von Frankfurt eingesetzt.
Heute publizierte die ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ ein Interview mit ihm.
Hw. zu Eltz hofft, daß
der Frankfurter Dom, das Haus am Dom und das Dompfarrhaus ein geistliches Kraftzentrum werden.
Der Wahlspruch
des Geistlichen ist: „Honor tribus unus“ – Eine Ehre sei den Dreien.
Es handelt sich um ein Zitat aus
dem berühmten Marienhymnus „Ave maris stella“.
Werte sind DerivateHw. zu Eltz möchte möglichst „wenig
über Gott reden, aber viel von ihm sprechen“.
Die Politiker will er nicht in ihre „relativen Autonomie“
belehren.
Aber: „Werte sind Derivate des Glaubens, der schon deshalb politisch relevant ist, weil er
ein Interesse an der Gestaltung der Welt hat.“
Im übrigen ist ihm der Sozialkatholizismus im Laufe der
Jahre „immer sympathischer“ geworden: „Die Caritas ist tatsächlich eine wesentliche Ausdrucksform der
Kirche“.
Viel Kreide essenHw. zu Eltz wird auf seine Aussage angesprochen, wonach der Kirchenaustritt
ein „spiritueller Selbstmordanschlag“ sei.
Es folgt ein Dementi: „Dieses Wort habe ich öffentlich korrigiert,
es war mißlungen.“
Der Stadtdekan bereut auch, einen Gotteslästerer hart angepackt zu haben, der die
Handkommunion in die Tasche steckte:
„Ich habe das vielfach öffentlich bedauert, denn es muß klar sein,
daß ein Priester nicht gewaltsam handelt“ – kriecht er:
„Das ist drei Jahre her, der Streit wurde beigelegt.
Ich habe dazugelernt, mein Schwert an den Nagel gehängt.“
Immerhin fügt er hinzu: „Der Gottesdienstbesucher
hatte einen Frevel am Heiligen begangen, der einen Priester nicht kaltlassen kann.“
Dann nochmals eine
Kriechübung: „Allerdings hätte ich nicht auf diese Weise einschreiten dürfen.“
Der Stadtdekan beteuert,
daß es nicht seine Sache sei, stets „politisch korrekt“ zu reden.
Ich habe Lust an Zuspitzungen und
Auseinandersetzungen, „ohne dabei Menschen kränken zu wollen“ – federt er die Aussage dialektisch ab:
„Ich habe einen Horror vor einer langweiligen Kirche.“
Staublecken ohne EndeDie Kriechpartie ist für
den Geistlichen noch nicht zu Ende. Denn es naht der Mißbrauchs-Hoax:
„Die katholische Kirche hat durch
die Fälle sexuellen Mißbrauchs von Kindern und die Verschleierung der Taten massiv an Vertrauen verloren“ –
wird dem Stadtdekan vorgeworfen.
Der fällt wie auf Kommando erneut in Schutt und Asche. Er finde „die
Mißbrauchsfälle“ schrecklich und den verharmlosenden Umgang mit ihnen schlichtweg indiskutabel – beteuert
er tränenreich.
Die Kirche habe nicht gemerkt, „was die Stunde geschlagen hat“. Hw. zu Eltz läßt offen,
ob er sich selber in dieser Aussage miteinschließt.
Die Zahl der Kirchenaustritte in Wiesbaden sei besonders
im März und April „fürchterlich hoch“ gewesen:
„Viele der Ausgetretenen sind zwischen 1975 und 1985
geboren, also jene Menschen, die wir dringendst brauchten.“
Was unerwähnt bleibt: Diese Kirchensteuer-Sparer
haben sich schon lange vor der antikirchlichen Goebbels-Propaganda von der Kirche verabschiedet – ohne
daß ihnen die altliberale Allerlösungs-Fraktion eine Träne nachgeweint hätte.
Herrschaft ausüben?
In Frankfurt will Hw. zu Eltz weder ein Sachwalter der Frankfurter Interessen vor der Limburger Kurie
noch ein Statthalter des Bischofs in Frankfurt – sondern beides – sein.
Die bissige Gegenfrage: „Ich
dachte immer, Priester müßten Christus gegenwärtig setzen, nicht den Bischof“.
Der Geistliche korrigiert,
daß „nach katholischer Auffassung“ auch gelte, daß im Wort des Bischofs das Wort Christi zu hören ist:
„Das bedeutet nicht, Herrschaft ausüben zu wollen“, entschuldigt er sich schon wieder.
In Wahrheit
sind die angeblichen Herrschaftsstrukturen der Kirche schon seit vierzig Jahren zusammengebrochen. Nur
hat dasHw. zu Eltz offenbar nicht bemerkt.
Darum möchte nicht durch „neofeudales Getue“ auffallen –
meint er treuherzig.
Noch ein DementiDer Geistliche wird darauf angesprochen, daß er „gelegentlich“
die Soutane trägt:
„Ja, sie ist mein Festtagskleid“ – gesteht er mutig: „Morgen, bei meiner Einführung,
trage ich sie sowieso.“
Dann entschuldigt er sich wieder: „Wer mich deswegen für konservativ hält,
soll es tun.“
Er kenne das: „Ich verstehe das Kleid jedenfalls nicht als ein kirchenpolitisches Statement.“
Bischof werden? Nein dankeDie bevorstehende Zusammenlegung der Frankfurter Pfarreien sieht Hw. zu Eltz
als Gewinn:
„Kleine oder mittelgroße Gemeinden drohen zu verknöchern und fangen an, wie Vereine zu
agieren.“
Das lasse sich in einem größeren Verbund aufsprengen: „Ein weiterer Vorzug ist, daß größere
Teams von Seelsorgern sich nicht so blockieren wie kleine.“
Die Frage nach dem Zölibat beantwortet Hw.
zu Eltz mit seiner bekannten Einerseits-Andererseits-Methode.
Er könne sich verheiratete Priester „gut“
vorstellen. Gleichzeitig möchte er den Zölibat nicht abgeschafft wissen.
Angesprochen auf den Ökumenismus
flüchtet er sich in Floskeln: „Es verbindet uns mehr, als uns trennt“.
Damit wischt er die drei Säulen
der Kirche – Liturgie, Glaubenslehrer und Hierarchie, die von den Protestanten geleugnet werden – einfach
unter den Tisch.
Die Lust am Bischof-Werden ist dem Stadtdekan vergangen:
„Höhere Ämter sind mit dermaßen
vielen Erwartungen und Zwängen verbunden, daß man schnell Gefahr läuft, zu einer von sich selbst entfremdeten
Kunstfigur zu werden.“
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