Der ehemalige Franziskanerpater und Befreiungstheologe Leonardo Boff erinnert sich an seine Begegnungen und Auseinandersetzungen mit dem ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation.
(kreuz.net) Kürzlich unterhielt sich die Tageszeitung ‘Los Angeles Times’ mit dem Brasilianer Leonardo
Boff (67). Boff profilierte sich in den 80er Jahren als bekanntester Vertreter der Befreiungstheologie.
Die Befreiungstheologie war der Versuch einer neomarxistischen Uminterpretierung der katholischen Glaubenslehre.
Sie ging vor allem von Theologen aus, die aus Westeuropa stammten oder dort studiert hatten.
Doch mit
dem Ende des kommunistischen Ostblocks lief die Zeit der Befreiungstheologie ab. Boff quittierte Priestertum
und Ordensleben und zog mit einer Frau zusammen.
Er wurde Professor für Ethik und Philosophie der Religion
an der staatlichen Universität von Río de Janeiro.
Seine theologische Laufbahn begann Leonardo Boff
in den 60er Jahren in München mit einer Promotion bei dem späteren Kardinal Leo Scheffczyk.
Der zweite
Gutachter der Arbeit war Professor Joseph Ratzinger: „Ratzinger war ein Theologe, der den römischen Zentralismus
kritisiert hatte. Er forderte mehr Freiheit für die Theologie und einen furchtlosen Dialog mit den Strömungen
der zeitgenössischen Kultur“, erinnert sich Boff im Interview.
Hw. Ratzinger half ihm auch sehr bei
der Veröffentlichung seiner Doktorarbeit:
„Er nahm Kontakt mit einem Verlag auf und unterstützte die
Publikation meiner Arbeit mit einem ansehnlichen Betrag.“ Ratzinger sei eine sehr zugängliche und höfliche
Persönlichkeit gewesen.
Nach seiner Promotion wurde Boff zum Professor ernannt. Sehr schnell bekam er
Schwierigkeiten mit dem Lehramt.
Der große Ärger begann im Jahre 1982 nach der Publikation des Buches
„Kirche: Charisma und Macht“. Darin wandte Boff die Kriterien des Klassenkampfes auf die Kirche an.
In
seinem Buch beklagte Boff die „Unterdrückung der Frau“, den „Angriff auf die Menschenrechte“, die „Machtkonzentration
in den Händen des Klerus“ und die „strenge Kontrolle der Glaubenslehre“.
Der Vatikan war mit dieser
Kritik nicht einverstanden. Die „Ex-Inquisition“ habe ihm unter Leitung von Kardinal Joseph Ratzinger
den Prozeß gemacht:
„1984 befand ich mich im Stuhl, wo früher Galileo Galilei und Giordano Bruno gesessen
hatten. Während dreier Stunden wurde ich vom Kardinal verhört“ – dramatisiert Boff.
Boff wurde mit
einem einjährigen Bußschweigen bestraft. Sein Lehrstuhl für systematische und ökumenische Theologie
wurde ihm vorübergehend entzogen.
Er erhielt für diese Zeit ein Schreib- und Publikationsverbot.
Er
habe kein Gefallen, den gegen ihn durchgeführten Prozeß zu beschreiben, erklärt Boff im Interview.
Diese Dinge seien „psychologisch höchst traumatisierend“ gewesen: „Ich wurde in den Palast des Heiligen
Offiziums hineingeführt, wo früher gefoltert wurde“ – mystifiziert Boff weiter.
In Wirklichkeit war
der Franziskaner nicht alleine nach Rom gereist, sondern wurde gleich von zwei brasilianischen Kardinälen
begleitet, die beide – wie Kardinal Ratzinger – deutschstämmig waren: Evaristo Kardinal Arns von Sao
Paolo und Aloiso Kardinal Lorscheider von Aparecida.
Kardinal Ratzinger sei während der Verhöre immer
freundlich und elegant gewesen. Niemals habe er die Stimme gehoben: „Es war für ihn nicht schwer, wohlwollend
zu sein, da er alle Macht in seinen Händen hielt“, kommentiert Boff die Haltung des Kardinals.
Es sei
eindeutig, daß Ratzinger eine brillante Intelligenz besitzt und über klare und unterschiedene Konzepte
verfügt, wie sie der französische Philosoph René Descartes fordere.
Aber er habe nicht die „Herzlichkeit
des Denkens“ besessen, die dem anderen entgegengeht, um ihn zu verstehen:
„Kardinal Ratzinger fühlt
sich als der Träger der Wahrheit“, urteilt Boff.
Darum sei er zur Erkenntnis gekommen, daß die Logik
der Glaubenskongregation die gleiche sei wie jene der alten Inquisition. Man foltere nicht mehr den Leib,
sondern die Seele durch Marginalisierung, Demoralisierung und Diffamierung: „Die Kongregation vergibt
nichts, vergißt nichts und weiß alles.“
Nach elf Monaten war die einjährige Strafe vorbei und Leonardo
Boff nahm seine alte Tätigkeit als Professor und Leiter von Basisgemeinden wieder auf.
Warum er im Jahre
1992 den Franziskanerorden und das Priestertum verlassen habe, wurde der laisierte Priester gefragt.
1992 habe er den damaligen Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, Sebastiano Kardinal
Baggio († 1993) getroffen.
Dieser habe ihm vorgeworfen, von den Strafen nichts gelernt zu haben, und
ihn aufgefordert, Lateinamerika zu verlassen und in die Philippinen oder nach Korea zu ziehen. Der Kardinal
erklärte dem Theologen auch, daß er in diesen Ländern weder schreiben noch Vorträge halten könne.
Zwei Tage später schrieb Boff seinen kirchlichen Oberen einen Brief und informierte sie über den Austritt
aus dem Orden und das Verlassen des Priestertums: „Ich habe mich selber zum Laien befördert.“
Am Schluß
des Interviews erklärt Boff, an Wunder zu glauben: Es könne sein, daß Benedikt XVI. – befreit vom Schatten
von Johannes Paul II. – wieder das sein werde, was er als junger Professor war: offen, ein Erzeuger von
Hoffnung und nicht von Furcht.
Er denke – so Boff – an eine Kirche, welche die katholische Reform wiederaufnehme,
die durch das Zweite Vatikanische Konzil begonnen worden sei und die durch den Beitrag aus den Randgebieten
dieser Welt bereichert werde:
„Dann besteht die Hoffnung, daß sich für die Menschen ein neues Zeitalter
eröffnet, eine planetarische Phase, die den Schrei der Milliarden Unterdrückten dieser Welt und den
Schrei der Erde, der Wasser, der Böden und der zerstörten Wälder wahrnimmt und aus der Kirche eine
neue Form der Verkündigung der Gerechtigkeit und Solidarität aller macht.“
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Boff und andere Bei Akteuren wie Boff, Küng, Drewermann und Imbach kann gezeigt werden, dass immer narzisstische
Kränkungen eine wesentliche Rolle spielen, die diese frustrierten Theologen dazu bewegen, nur noch um
sich selber kreisend, sich als gebeutelte Opfer darzustellen und ihre Auseinadersetzungen mit Rom öffentlich
bis zum Überdruss zu zelebrieren. medicus
Boff: Trieffend vor Selbstmitleid Da ergießt sich einer in Selbstmitleid, daß man die Gänsehaut kriegt!
Boff kann es noch heute nicht verkraften, daß Kardinal Ratzinger und die Glaubenskongregation seinerzeit
nicht bereit waren, sich und damit auch die Katholische Kirche dem abstrusen Denken von Leonardo Boff
und weiterer „Befreiungstheologen“ unterzuordnen., und stattdessen Boffs Selbstgerechtigkeit die Grenzen
aufgezeigt haben.