15:51:00 | Montag, 30. August 2010
Vor über zehn Jahren wagte er noch Kritik an den unhaltbaren Zuständen in der Schweiz. Heute dreht und wendet er sich: „Man tut, als ob ich immer noch der Mann von 1997 wäre.“

Generalvikar Martin Grichting im Gespräch mit der Zeitung ‘Südostschweiz’
(kreuz.net, Chur) Der vierte Generalvikar der Diözese Chur, Kanonikus Martin Grichting (43), hat sich
bei der
Suche nach einem zweiten Weihbischof im Bistum Chur in Stellung gebracht.
Kanonikus Grichting
äußerte sich gestern vor der in Chur erscheinenden Tageszeitung ‘Südostschweiz’.
Das Abschwörungs-Interview
steht unter dem Titel „Ich bin nicht der Grichting von 1997“.
Er wäre am liebsten in einer leitenden
PositionAngesprochen auf seine „steile Karriere“ beteuerte der Karrierist, daß es in der Kirche das
Wort „Karriere“ angeblich nicht gebe:
„Es gibt aber die scherzhafte Redensart: In der Kirche wollen alle
dienen, am liebsten in leitender Position. Nein, im Ernst: Ich wurde Priester mit der Absicht, im Bistum
Chur zu arbeiten.“
Weitere Gedanken habe er sich angeblich nicht gemacht.
In der Vergangenheit habe
er die angetragenen Ämter „im Gehorsam“ angenommen.
Zu einer anstehenden Weihbischofsernennung in Chur
erinnerte Kanonikus Grichting daran, daß Bischof Vitus Huonder von Chur kürzlich mit dem mittlerweile
emeritierten altliberalen Präfekten der Bischofskongregation, Giovanni Battista Kardinal Re, gesprochen
hat:
Wegen dem Amtswechsel in der Kurie hänge die Personalie angeblich „vollkommen in der Luft“.
Alle
sind begeistertDie altliberale Kritik der Kirchensteuer-Bonzen gegen seine mögliche Ernennung will
der Kanonikus kleinreden:
„Wenn ich die Leserbriefspalten in den verschiedenen Publikationen der Bistumskantone
anschaue, erkenne ich keine große Protestwelle. Auch per Post bekommen wir kaum empörte Zusendungen.“
Der Kanonikus bekommt im Gegenteil freundliche Zuschriften:
„Es gibt viele, die ihren Unmut darüber
äußern, daß Landeskirchen und gewisse Geistliche in jüngster Zeit so auf mich eingedroschen haben.“
Nur übervorsichtige Kritik an der Schweizer StaatskircheKanonikus Grichting bezeichnet sich – wegen
seiner „weltkirchlichen Verankerung“ – in der Schweiz als bunten Hund.
In Italien oder in den USA würde
kein Hahn nach ihm krähen:
„Wenn ich mit meinen Positionen in der Schweiz auffalle, dann sagt das weniger
über mich aus als über die Position der Schweiz in der Weltkirche.“
Die Kirche in der Schweiz müsse
aufpassen, „daß sie weltkirchlich betrachtet nicht aus der Kurve fliegt“ – zitiert der Kanonikus eine
Stellungnahme der Schweizer Bischofskonferenz.
Die Medien berichten den Gesinnungswandel zuwenigIm
Jahr 1997 kritisierte Kanonikus Grichting in seiner Dissertation die Schweizer Kirchensteuer-Bonzen mit
Schärfe.
Jetzt bekennt er sich auf einmal „zu unserem staatskirchenrechtlichen System“.
Er sei Demokrat
und stehe zum Rechtsstaat.
Trotzdem: „Was man von mir nicht verlangen kann, ist eine gesinnungsmäßige
Zustimmung zum bestehenden staatskirchenrechtlichen System.“
Der Staat verlange eine solche Zustimmung
auch nicht zu seinen Gesetzen:
„Meine Kritiker tun so, als würde ich seit 1997 das Gleiche erzählen.
Ich habe mich damals akademisch und ohne Führungsverantwortung und dadurch naturgemäß auch pointiert
geäußert.“
Jetzt als Generalvikar besitze er „eine ganz andere Verantwortung“:
„Das ändert nicht
die Grundüberzeugung, aber doch die Perspektive“ – dreht und wendet er sich.
Heute wage er „kaum noch“,
sich öffentlich zu staatskirchlichen Fragen zu äußern: „Doch das wird einfach nicht zur Kenntnis genommen“ –
beklagt sich der Generalvikar:
„Man tut, als ob ich immer noch der Grichting von 1997 wäre!“
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#20
Rudolfus 22:56:28 | Dienstag, 31. August 2010
#18
Erni.J 18:18:15 | Dienstag, 31. August 2010
#13
Rudolfus 13:40:07 | Dienstag, 31. August 2010
#11
Rudolfus 09:16:27 | Dienstag, 31. August 2010
#6
Gotthard 18:26:39 | Montag, 30. August 2010
#5
Guiseppe 17:47:25 | Montag, 30. August 2010