14:33:20 | Montag, 6. September 2010
Viel Dreck am Stecken: Mitte August hat der rechtsextreme israelische Premierminister beschlossen, die Öffnung der Staatsarchive von fünfzig auf siebzig Jahre zu verlängern. Von Gilad Atzmon.

Die Palästinenser sind im Heiligen Land hinter Zäunen und Mauern eingesperrt.
© Rusty Stewart, CC(kreuz.net) Die ersten Dokumente aus dem israelischen Staatsarchiv werden nach Angaben derTel Aviver Tageszeitung
‘Haaretz’ erst im Jahr 2018 veröffentlicht.
Viele der Dokumente sind für die Geschichte der ersten
zwanzig Jahre des jüdischen Staates von Bedeutung. Es geht dabei um:
• die massive Vertreibung des
palästinensischen Volkes
• das Massaker von Deir Yassin, Tantura und viele andere
• den Suezkonflikt
im Jahr 1956
• das israelische Atomprogramm etc.
Kriegsverbrecher müssen gedeckt werdenDie Veröffentlichung
der Dokumente würde über zahlreiche Tatsachen informieren, die einen „Mythos untergehen lassen sowie
manche Personen in eine peinliche Situation bringen“ würden – berichtete die israelische Zeitung.
Es
ist anzunehmen, daß der gegenwärtige israelische Präsident Shimon Peres einer dieser „zahlreichen Personen“
ist.
In meiner letzten Arbeit befasse ich mich ausführlich mit der besorgniserregenden Tatsache, daß
Geschichte für die jüdische Religion, Ideologie und Politik etwas Fremdes ist.
Denn die jüdische und
israelische Geschichte wird als fantastisches Märchen präsentiert.
Tatsachen und historische Dokumente
werden entweder zur Seite gelegt, unter den Teppich gekehrt, ausgelöscht oder einfach zerstört.
Wie
wir alle wissen, wird die Suche nach der Wahrheit durch die Israelis und Zionisten als Antisemitismus
und Holocaustleugnung interpretiert.
Israel funktioniert auf der Basis rassistischer GesetzeOffensichtlich
sind fünfzig Jahre für Israel nicht ausreichend gewesen, um seine Erbsünde zu bewältigen.
Der Grund
ist einfach: Die Verbrechen, die mit der Gründung des jüdischen Staates in Zusammenhang stehen, wurden
nie aufgeklärt.
Millionen von palästinensischen Flüchtlingen warten immer noch auf die Rückkehr in
ihre Heimat.
Israel funktioniert noch immer auf der Basis rassistischer Gesetze.
Der jüdische Staat
ist aus seiner tödlichen Philosophie der ewigen physischen Einschüchterung nicht herausgereift.
Als
Konsequenz haben das israelische Militär, der Mossad und die Sicherheitskräfte die Regierung unter Druck
gesetzt, um die Zeitperiode der Öffnung dieser Dokumente, die bereits fünfzig Jahre alt sind, zu verlängern.
Oh, welch Überraschung, Netanjahu hat die geforderte Verlängerung genehmigt.
Die Erwartungen der Nationalisten
werden bedient‘Haaretz’ verwies darauf, daß Premierminister Benjamin Netanjahu (60) – Sohn des zionistischen
Historikers Benzion Netanjahu – eigenartigerweise seinen Beitrag zu dem plumpen Versuch geleistet hat,
die historischen Nachforschungen und Suche nach Wahrheit zu verhindern.
Ich habe die Arbeiten von Benzion
Netanyahu (100) gelesen und wahrlich viel von ihm gelernt.
Benzion war kein gewöhnlicher sondern ein
zionistischer Historiker. Seine Aufgabe war es, den nationaljüdischen Erwartungen eine pseudo-kontextuelle
akademische Bedeutung zu geben.
Die Entscheidung von Premierminister Netanjahu, die Tatsachen weitere
zwanzig Jahre geheim zu halten, ist konsistent mit der Philosophie seines Vaters.
Ein Mörderunternehmen
von Anfang anWenn die Wahrheit über die frühen Tage des Staates Israel erscheinen würde, könnte
man feststellen, daß der jüdische Staat von allem Anfang an ein großes Mörderunternehmen war.
Auch
wenn die zionistischen und israelischen Führer öffentlich noch so sehr versprachen, daß sie die Juden
zu einem „Volk wie alle anderen Völker“ machen würden, befahlen sie doch hinter verschlossenen Türen
ihrer Armee und den Geheimdiensten zu töten, wie es ihre imaginären biblischen Vorfahren taten.
Von
der historischen Perspektive aus würde ich sagen, daß Israel auf seinen Geheimarchiven sitzen bleiben
kann, solange es will.
Denn wir brauchen diese israelischen Archive nicht, um die wahre Bedeutung des
jüdischen Mörderstaates und des jüdischen Nationalprojektes zu überprüfen.
Immerhin bedeutet der
Umstand, daß Israel darauf besteht seine Vergangenheit zu verbergen, daß imdortigen kollektiven Gedächtnis
immer noch ein Rest Schamgefühl und Gewissenhaftigkeit übrig geblieben ist.
Das ist ein positives Zeichen.
Der Verfasser (47) ist ein in Israel geborener britischer Jazz-Saxophonist und israelischer Regimekritiker.
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