14:26:34 | Samstag, 14. Mai 2005
Benedikt XVI.
Der Erzbischof von München äußerte sich in einem Interview über den altbayrischen Benedikt XVI: „ Und nun steht er plötzlich vor uns als der Nachfolger Petri.“
(kreuz.net, München) Seine erste Begegnung mit seinem frischgewählten Landsmann in päpstlicher Kleidung
bezeichnete Kardinal Friedrich Wetter (77) von München als bewegenden Augenblick. Er habe den früheren
Kardinal schon lange gekannt: „Er war bisher einer von uns Kardinälen. Und nun steht er plötzlich vor
uns als der Nachfolger Petri.“
Kardinal Ratzinger habe auf die Frage von Angelo Kardinal Sodano, ob er
die Wahl annehme, mit ruhiger und gefaßter Stimme geantwortet.
Zur Frage, wie sich die Wahl eines deutschen
Papstes auf Deutschland auswirken werde, meinte Kardinal Wetter, daß er den Ausdruck ‘deutscher Papst’
nicht so gerne höre: „Er ist der Papst der gesamten Kirche, der aus unserem Land kommt.“
Die Deutschen
müßten ein halbes Jahrtausend zurückgehen, um auf Hadrian VI. – den letzten Papst aus Deutschland –
zu stoßen: „Die Holländer freilich wollen uns Hadrian VI. nicht gern abtreten. Er war Flame. Aber Utrecht
gehörte zum heiligen römischen Reich deutscher Nation.“
Ein unbestritten deutscher Papst liege ein
ganzes Jahrtausend zurück: Leo IX. Er war Elsäßer.
Kardinal Wetter verwies darauf, daß Benedikt XVI.
am Festtag dieses heiligen Papstes gewählt wurde.
Zur Bedeutung der Wahl meinte der Kardinal: „Ich glaube,
daß viele ein neues Bild von der Kirche bekommen haben, auch viele wieder neu Freude an der Kirche gewonnen
haben, wobei es Ausnahmen gibt.“
Die Wertschätzung von Kirche und Papst habe zugenommen, auch bei Nicht-Katholiken.
Er hoffe, daß der Glaube im Sinn der Neu-Evangelisierung eine Stärkung erfahre. Außerdem hoffe er,
daß die Ökumene wieder ein Stück voranschreite: „Der neue Papst kommt ja aus dem Land der Reformation.“
Der Münchner Erzbischof wünscht sich auch, daß der Weltjugendtag in Köln die Jugend neu und mit Langzeitwirkung
zur Kirche führt.
Stolz und froh sei er – so Kardinal Wetter – daß der neue Papst aus Deutschland und
speziell aus seinem Erzbistum komme:
„Die Wurzeln seines Lebensbaumes liegen hier. Das hat sich auch
in den 23 Jahren in Rom immer wieder gezeigt. Er war in Bayern regelmäßig zu Gast, hat hier Urlaub gemacht,
seinen Bruder und das Grab seiner Eltern und seiner Schwester besucht.“
Die Jubiläen von Kardinal Ratzinger
wurden in der Münchner Frauenkirche gefeiert: sein 25-jähriges Bischofsjubiläum im Jahr 2002, sein
goldenes Priesterjubiläum ein Jahr zuvor und sein 70. Geburtstag vor acht Jahren:
„In seinem Wappen
hat er sich zu seinen Wurzeln bekannt, einmal durch den
Freisinger Mohren und dann durch den Bären des
heiligen Korbinian.“
Die Beziehung des Papstes zu Bayern dürfe aber nicht einseitig sein. Die Bayern
müßten das Ihrige beitragen: durch ihr Gebet und ihre Verbundenheit: „Wir sollten auf den Papst hören
und treu zur Kirche stehen, die er leitet.“
„Ich habe den Heiligen Vater offiziell eingeladen“, erklärte
Kardinal Wetter: „Wir freuen uns auf seinen Besuch. Aber selbstverständlich fügen wir uns ein in den
päpstlichen Terminkalender.“
Auf das Konklave angesprochen meinte der Münchner Erzbischof, daß die
innere Anspannung groß gewesen sei:
„Äußerlich läuft alles in größter Ruhe und Objektivität ab.
Aber für den Einzelnen ist das schon gewaltig. Jeder tritt mit dem Wahlzettel in der Hand vor den Altar
und sagt: ‘Ich rufe Christus, der mich einmal richten wird, als Zeugen an, daß ich nur den wähle, von
dem ich glaube, daß er vor Gott zu wählen ist.’ Jeder muß seine Stimme so abgeben, als ob die Wahl
nur von ihm abhinge.“
Kardinal Wetter erwarte, daß der neue Papst in den Spuren seines Vorgängers weitergehe –
aber mit einem eigenen Profil und seiner Persönlichkeit.
Papst Benedikt XVI. habe bereits Akzente angedeutet:
das Konzil, die Mitbestimmung der Bischöfe, die Ökumene, Zuwendung zur Jugend und Stärkung des Friedens,
Dialog mit den Weltreligionen.
Der von ihm gewählte Name ‘Benedictus – der Gesegnete’ solle sich an
ihm verwirklichen, damit er zum Segen für Kirche und Welt werde.
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