Benedikt XVI.
„Mit ruhiger und gefaßter Stimme“
Der Erzbischof von München äußerte sich in einem Interview über den altbayrischen Benedikt XVI: „ Und nun steht er plötzlich vor uns als der Nachfolger Petri.“
(kreuz.net, München) Seine erste Begegnung mit seinem frischgewählten Landsmann in päpstlicher Kleidung bezeichnete Kardinal Friedrich Wetter (77) von München als bewegenden Augenblick. Er habe den früheren Kardinal schon lange gekannt: „Er war bisher einer von uns Kardinälen. Und nun steht er plötzlich vor uns als der Nachfolger Petri.“

Kardinal Ratzinger habe auf die Frage von Angelo Kardinal Sodano, ob er die Wahl annehme, mit ruhiger und gefaßter Stimme geantwortet.

Zur Frage, wie sich die Wahl eines deutschen Papstes auf Deutschland auswirken werde, meinte Kardinal Wetter, daß er den Ausdruck ‘deutscher Papst’ nicht so gerne höre: „Er ist der Papst der gesamten Kirche, der aus unserem Land kommt.“

Die Deutschen müßten ein halbes Jahrtausend zurückgehen, um auf Hadrian VI. – den letzten Papst aus Deutschland – zu stoßen: „Die Holländer freilich wollen uns Hadrian VI. nicht gern abtreten. Er war Flame. Aber Utrecht gehörte zum heiligen römischen Reich deutscher Nation.“

Ein unbestritten deutscher Papst liege ein ganzes Jahrtausend zurück: Leo IX. Er war Elsäßer.

Kardinal Wetter verwies darauf, daß Benedikt XVI. am Festtag dieses heiligen Papstes gewählt wurde.

Zur Bedeutung der Wahl meinte der Kardinal: „Ich glaube, daß viele ein neues Bild von der Kirche bekommen haben, auch viele wieder neu Freude an der Kirche gewonnen haben, wobei es Ausnahmen gibt.“

Die Wertschätzung von Kirche und Papst habe zugenommen, auch bei Nicht-Katholiken.

Er hoffe, daß der Glaube im Sinn der Neu-Evangelisierung eine Stärkung erfahre. Außerdem hoffe er, daß die Ökumene wieder ein Stück voranschreite: „Der neue Papst kommt ja aus dem Land der Reformation.“

Der Münchner Erzbischof wünscht sich auch, daß der Weltjugendtag in Köln die Jugend neu und mit Langzeitwirkung zur Kirche führt.

Stolz und froh sei er – so Kardinal Wetter – daß der neue Papst aus Deutschland und speziell aus seinem Erzbistum komme:

„Die Wurzeln seines Lebensbaumes liegen hier. Das hat sich auch in den 23 Jahren in Rom immer wieder gezeigt. Er war in Bayern regelmäßig zu Gast, hat hier Urlaub gemacht, seinen Bruder und das Grab seiner Eltern und seiner Schwester besucht.“

Die Jubiläen von Kardinal Ratzinger wurden in der Münchner Frauenkirche gefeiert: sein 25-jähriges Bischofsjubiläum im Jahr 2002, sein goldenes Priesterjubiläum ein Jahr zuvor und sein 70. Geburtstag vor acht Jahren:

„In seinem Wappen hat er sich zu seinen Wurzeln bekannt, einmal durch den Freisinger Mohren und dann durch den Bären des heiligen Korbinian.“

Die Beziehung des Papstes zu Bayern dürfe aber nicht einseitig sein. Die Bayern müßten das Ihrige beitragen: durch ihr Gebet und ihre Verbundenheit: „Wir sollten auf den Papst hören und treu zur Kirche stehen, die er leitet.“

„Ich habe den Heiligen Vater offiziell eingeladen“, erklärte Kardinal Wetter: „Wir freuen uns auf seinen Besuch. Aber selbstverständlich fügen wir uns ein in den päpstlichen Terminkalender.“

Auf das Konklave angesprochen meinte der Münchner Erzbischof, daß die innere Anspannung groß gewesen sei:

„Äußerlich läuft alles in größter Ruhe und Objektivität ab. Aber für den Einzelnen ist das schon gewaltig. Jeder tritt mit dem Wahlzettel in der Hand vor den Altar und sagt: ‘Ich rufe Christus, der mich einmal richten wird, als Zeugen an, daß ich nur den wähle, von dem ich glaube, daß er vor Gott zu wählen ist.’ Jeder muß seine Stimme so abgeben, als ob die Wahl nur von ihm abhinge.“

Kardinal Wetter erwarte, daß der neue Papst in den Spuren seines Vorgängers weitergehe – aber mit einem eigenen Profil und seiner Persönlichkeit.

Papst Benedikt XVI. habe bereits Akzente angedeutet: das Konzil, die Mitbestimmung der Bischöfe, die Ökumene, Zuwendung zur Jugend und Stärkung des Friedens, Dialog mit den Weltreligionen.

Der von ihm gewählte Name ‘Benedictus – der Gesegnete’ solle sich an ihm verwirklichen, damit er zum Segen für Kirche und Welt werde.
      
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