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Freitag, 12. November 2004 08:45
Arafat und die Katholische Kirche: Wer hat das Türschloß geklaut?
Hat sich seit der Unterzeichnung der Grundsatzvereinbarung zwischen Palästina und dem Heiligen Stuhl für die Christen im Heiligen Land etwas geändert? Und wenn ja, was?
(kreuz.net, Jerusalem) Auch nach Jassir Arafats Tod bleiben für Christen im Heiligen Land viele Fragen ungeklärt. Trotz der Grundsatzvereinbarung zwischen dem am Donnerstag Morgen verstorbenen Palästinenserführer Jassir Arafat und dem Heiligen Stuhl zur engeren Zusammenarbeit des Vatikans mit den Palästinensischen Autonomen Gebieten, werden Christen im Heiligen Land fortlaufend diskriminiert.

Beispiele gibt es leider viele. Tausende Hektar Land aus christlichem Besitz wurden von moslemischen Palästinensern besetzt, oft mit dem Mitwissen oder sogar der Mittäterschaft der zuständigen palästinensischen Autoritäten. In den einst blühenden christlichen Gebieten von Bethlehem, Bet Sahour, Bet Jala und Gaza sind Christen körperlicher Gewalt ausgesetzt. Fälle von Vergewaltigungen, Belästigungen und Glaubensverspottungen liegen vor. Gläubige werden nicht nur gezwungen, den Islam anzuerkennen, sondern auch dazu, den Koran zu küssen und sich selbst als Moslems zu bezeichnen.

Die sogenannte Grundsatzvereinbarung, die am 15. Februar 2000 von Papst Johannes Paul II. und Jassir Arafat unterzeichnet wurde, entspricht einem Konkordat zwischen dem Vatikan und den Palästinensischen Gebieten. Der Traktat, der mit sofortiger Wirkung in Kraft trat, regelt die wichtigsten Punkte in der Beziehungen zwischen Palästina und der Katholischen Kirche.

Die Vereinbarung verlangt von den Palästinensern die Beachtung aller erworbenen Rechte von Seiten der Katholiken, die Anerkennung der Religions- und Meinungsfreiheit sowie der Gleichheit aller Bürger unabhängig ihrer religiösen Zugehörigkeit. Mit der Unterzeichnung anerkannte der Heilige Stuhl Palästina de facto als eigenen Staat.

Artikel 4 der Grundsatzvereinbarung beinhaltet die Erhaltung international anerkannter Heiliger Stätten, von denen sich viele in den Palästinensischen Gebieten befinden. Er regelt auch den Respekt, der diesen Orten entgegenzubringen ist. Die wichtigste palästinensische Heilige Stätte ist die von Kaiser Konstantin († 337) erbaute Geburtskirche in Bethlehem, die unlängst Schauplatz von schweren Auseinandersetzungen zwischen den Palästinensern und der Israelischen Armee geworden ist.

Inwieweit die Grundsatzregelung und speziell Artikel 4 von palästinensischer Seite bis dato tatsächlich eingehalten wurden und in Zukunft werden, zeigt das folgende Beispiel vom Herbst 2002:

Damals stahlen griechisch-orthodoxe Mönche das Türschloß der Geburtskirche und tauschten es gegen ein eigenes Schloß aus, sodaß Katholiken und die Armenier keinen Zugang zu ihrem wichtigsten Heiligtum mehr besaßen. Einen solchen Vorfall hätte es nach Artikel 4 niemals geben dürfte. Nachdem Verhandlungen mit den widerspenstigen orthodoxen Mönchen fehlschlugen, wandten sich die Katholiken an Arafat, der eine Kommission mit dem Problem beauftragte. Doch bis zum heutigen Tage befindet sich das Schloß nicht an seinem Platz.

An der Übergabe des Schlüssels für die Geburtskirche in Betlehem wird sich weisen, ob die Autoritäten der Palästinensischen Autonomen Gebiete bereit sind, den Buchstaben der Vereinbarung mit dem Heiligen Stuhl in die Praxis umzusetzen. Für die Katholische Kirche wäre die Klärung des Streites in Betlehem ein Schlüsselerlebnis. Es würde beweisen, daß die getroffene Grundsatzvereinbarung von beiden Seiten respektiert wird und die Katholiken im Heiligen Land in einem Rechtsstaat leben.
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1 Lesermeinung:
Dienstag, 30. November 2004 21:09
Pelagius: Pelagius meint:
Zitat: „Gläubige werden nicht nur gezwungen, den Islam anzuerkennen, sondern auch dazu, den Koran zu küssen“. – Unvorstellbar: Ein Christ küßt den Koran…
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