13:34:40 | Montag, 27. September 2010
Benedikt XVI.
Im Jahr 1999 antwortete der damalige Kardinal Joseph Ratzinger auf die Einwände eines altliberalen römischen Liturgikers. Jetzt wurde der Brief im Internet publiziert.

Brief von Kardinal Ratzinger vom November 1998 auf der Webseite ‘liturgia-opus-trinitatis.over-blog.it’
(kreuz.net) Am 16. November 1998 schrieb der altliberale Liturgiker und Claretiner, Pater Matias Augé
(74), einen Brief an den damaligen Präfekten der Glaubens- kongregation, Joseph Kardinal Ratzinger.
Pater Augé stammt aus Spanien. In den späten 90er Jahren war er Professor am Liturgischen Institut der
Benediktiner ‘Sant’Anselmo’ in Rom, an der theologischen Fakultät der Päpstlichen Lateranuniversität
und Berater der vatikanischen Liturgie-Kongregation.
In seinem Schreiben kritisierte er einen Vortrag,
den Kardinal Ratzinger am 24. Oktober 1998 anläßlich des zehnjährigen Jubiläums des Motu Proprio ‘Ecclesia
Dei’ gehalten hatte.
Er könne nicht verstehen, wie man den Alten Ritus wieder zulassen könne, ohne
den Anordnungen des Konzils zu widersprechen – erklärte der Pater dem Kardinal.
Denn der tridentinische
und der aktuelle Ritus seien ein einziger Ritus – nämlich „der römische Ritus in zwei verschiedenen
Phasen seiner Geschichte“.
Pater Augé wandte in seinem Brief auch ein, daß eine Rückkehr zum Alten
Ritus die Gefahr mit sich bringe, die kirchliche Einheit zu zerstören und die Entscheidungen von Papst
Paul VI. († 1978) in Frage zu stellen.
Brutale LiturgiereformDer damalige Kardinal Ratzinger antwortete
dem Pater am 18. Februar 1999 in einem persönlichen Schreiben.
Der Briefverkehr wurde kürzlich von
Pater Augé auf seinem Weblog ‘liturgia-opus-trinitatis.over-blog.it’ publiziert.
In seiner Antwort erinnerte
Kardinal Ratzinger daran, daß ein „nicht kleiner Teil der katholischen Gläubigen, vor allem französischer,
englischer und deutscher Sprache der alten Liturgie sehr stark verbunden bleiben.“
Johannes Paul II.
habe nicht die Absicht, ihnen gegenüber das zu wiederholen, was im Jahr 1970 geschehen sei – „als man
die Neue Liturgie auf eine äußerst schroffe Weise mit einer Übergangszeit von nur sechs Monaten auferlegte.“
Der damalige Kardinal erwähnt, daß das „angesehene“ Liturgische Institut von Trier für einen solchen
Übergang, einen Zeitraum von zehn Jahren anvisiert habe.
Darum müßten bei der Frage die Autorität
des herrschenden Papstes und seine respektvolle pastorale Haltung den Traditionalisten gegenüber, in
Betracht gezogen werden.
Der Alte Ritus muß der Neuen Messe helfenKardinal Ratzinger stellt klar,
daß die Einheit des Römischen Ritus heute nicht „von den kleinen Gemeinschaften bedroht wird, die das
Indult [zur Feier der Alten Messe] benützen und häufig wie Pestkranke behandelt werden, als Menschen
die etwas Unanständiges, wenn nicht sogar etwas Unmoralisches tun.“
„Nein“ – insistiert Kardinal Ratzinger:
„Die Einheit des Römischen Ritus ist bedroht von einer wilden Kreativität, die oft von den Liturgikern
ermutigt wird.“
Er verweist auf Deutschland, wo das Projekt „Missale 2000“ mit dem Argument propagiert
wurde, daß das Meßbuch von Paul VI. bereits überholt sei:
„Ich wiederhole, was ich bereits in meinem
Vortrag gesagt habe, daß der Unterschied zwischen dem Meßbuch von 1962 und der Messe, die getreu nach
dem Meßbuch von Paul VI. zelebriert wird, viel kleiner ist, als die Unterschiede zwischen den verschiedenen
sogenannt „kreativen“ Anwendungen des Meßbuchs von Paul VI.“
Darum bringt der Kardinal seine Hoffnung
zum Ausdruck, daß die Präsenz des alten Meßbuches zu einem Damm gegen die leider häufigen Verirrungen
der Liturgie und so zu einem Beitrag für eine „authentische Reform“ werden könne.
Scharf wandte sich
der heutige Papst gegen die Behauptung, daß die Alte Messe die Einheit des Römischen Ritus gefährde:
„Sich der Verwendung des Indults von 1984 (1988) im Namen der Einheit des Römischen Ritus entgegenzustellen,
ist nach meiner Erfahrung eine Haltung, die von der Realität sehr weit entfernt ist.“
Abschließend
drückt er sein Bedauern darüber aus, daß der Pater in dem Vortrag nicht die „Einladung an die »Traditionalisten«“
bemerkt hat.
Er habe diese auch aufgefordert, „sich dem Konzil zu öffnen, der Versöhnung entgegenzugehen,
in der Hoffnung, mit der Zeit den Bruch zwischen den beiden Meßbüchern zu überwinden.“
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