Benedikt XVI.
Was ist die wahre Bedrohung der Einheit des Römischen Ritus?
Im Jahr 1999 antwortete der damalige Kardinal Joseph Ratzinger auf die Einwände eines altliberalen römischen Liturgikers. Jetzt wurde der Brief im Internet publiziert.
Brief von Kardinal Ratzinger vom November 1998 auf der Webseite 'liturgia-opus-trinitatis.over-blog.it'
Brief von Kardinal Ratzinger vom November 1998 auf der Webseite ‘liturgia-opus-trinitatis.over-blog.it’
(kreuz.net) Am 16. November 1998 schrieb der altliberale Liturgiker und Claretiner, Pater Matias Augé (74), einen Brief an den damaligen Präfekten der Glaubens- kongregation, Joseph Kardinal Ratzinger.

Pater Augé stammt aus Spanien. In den späten 90er Jahren war er Professor am Liturgischen Institut der Benediktiner ‘Sant’Anselmo’ in Rom, an der theologischen Fakultät der Päpstlichen Lateranuniversität und Berater der vatikanischen Liturgie-Kongregation.

In seinem Schreiben kritisierte er einen Vortrag, den Kardinal Ratzinger am 24. Oktober 1998 anläßlich des zehnjährigen Jubiläums des Motu Proprio ‘Ecclesia Dei’ gehalten hatte.

Er könne nicht verstehen, wie man den Alten Ritus wieder zulassen könne, ohne den Anordnungen des Konzils zu widersprechen – erklärte der Pater dem Kardinal.

Denn der tridentinische und der aktuelle Ritus seien ein einziger Ritus – nämlich „der römische Ritus in zwei verschiedenen Phasen seiner Geschichte“.

Pater Augé wandte in seinem Brief auch ein, daß eine Rückkehr zum Alten Ritus die Gefahr mit sich bringe, die kirchliche Einheit zu zerstören und die Entscheidungen von Papst Paul VI. († 1978) in Frage zu stellen.

Brutale Liturgiereform

Der damalige Kardinal Ratzinger antwortete dem Pater am 18. Februar 1999 in einem persönlichen Schreiben.

Der Briefverkehr wurde kürzlich von Pater Augé auf seinem Weblog ‘liturgia-opus-trinitatis.over-blog.it’ publiziert.

In seiner Antwort erinnerte Kardinal Ratzinger daran, daß ein „nicht kleiner Teil der katholischen Gläubigen, vor allem französischer, englischer und deutscher Sprache der alten Liturgie sehr stark verbunden bleiben.“

Johannes Paul II. habe nicht die Absicht, ihnen gegenüber das zu wiederholen, was im Jahr 1970 geschehen sei – „als man die Neue Liturgie auf eine äußerst schroffe Weise mit einer Übergangszeit von nur sechs Monaten auferlegte.“

Der damalige Kardinal erwähnt, daß das „angesehene“ Liturgische Institut von Trier für einen solchen Übergang, einen Zeitraum von zehn Jahren anvisiert habe.

Darum müßten bei der Frage die Autorität des herrschenden Papstes und seine respektvolle pastorale Haltung den Traditionalisten gegenüber, in Betracht gezogen werden.

Der Alte Ritus muß der Neuen Messe helfen

Kardinal Ratzinger stellt klar, daß die Einheit des Römischen Ritus heute nicht „von den kleinen Gemeinschaften bedroht wird, die das Indult [zur Feier der Alten Messe] benützen und häufig wie Pestkranke behandelt werden, als Menschen die etwas Unanständiges, wenn nicht sogar etwas Unmoralisches tun.“

„Nein“ – insistiert Kardinal Ratzinger: „Die Einheit des Römischen Ritus ist bedroht von einer wilden Kreativität, die oft von den Liturgikern ermutigt wird.“

Er verweist auf Deutschland, wo das Projekt „Missale 2000“ mit dem Argument propagiert wurde, daß das Meßbuch von Paul VI. bereits überholt sei:

„Ich wiederhole, was ich bereits in meinem Vortrag gesagt habe, daß der Unterschied zwischen dem Meßbuch von 1962 und der Messe, die getreu nach dem Meßbuch von Paul VI. zelebriert wird, viel kleiner ist, als die Unterschiede zwischen den verschiedenen sogenannt „kreativen“ Anwendungen des Meßbuchs von Paul VI.“

Darum bringt der Kardinal seine Hoffnung zum Ausdruck, daß die Präsenz des alten Meßbuches zu einem Damm gegen die leider häufigen Verirrungen der Liturgie und so zu einem Beitrag für eine „authentische Reform“ werden könne.

Scharf wandte sich der heutige Papst gegen die Behauptung, daß die Alte Messe die Einheit des Römischen Ritus gefährde:

„Sich der Verwendung des Indults von 1984 (1988) im Namen der Einheit des Römischen Ritus entgegenzustellen, ist nach meiner Erfahrung eine Haltung, die von der Realität sehr weit entfernt ist.“

Abschließend drückt er sein Bedauern darüber aus, daß der Pater in dem Vortrag nicht die „Einladung an die »Traditionalisten«“ bemerkt hat.

Er habe diese auch aufgefordert, „sich dem Konzil zu öffnen, der Versöhnung entgegenzugehen, in der Hoffnung, mit der Zeit den Bruch zwischen den beiden Meßbüchern zu überwinden.“
      
19 Lesermeinungen
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#19   Thomasius   10:29:56 | Samstag, 2. Oktober 2010
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#18   klausvonjaus   02:08:36 | Dienstag, 28. September 2010
NEAPOLITANER ESSEN AUCH NUR NUDELN
:-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-! :-!
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#17   Lisibald Poier †   21:20:02 | Montag, 27. September 2010
Spielt denn der Schach Papst oder umgekehrt?
Hahaha… :-D
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#16   Leo Miles   21:18:10 | Montag, 27. September 2010
Geschickter Schachzug
von Kardinal Ratzinger. Er weiß, wie man nahezu perfekt auf allen Hochzeiten tanzt.
Man sieht hier auch die Sinnlosigkeit, mit extremistischen V2lern bzw Liberalisten zu diskutieren. Denn wie kann etwas die Einheit der katholischen Kirche gefährden, was selbst die Grundlage dieser Einheit ist?
Wie dumm und vom Satan verseucht muß man denn sein, um den ewigen Ritus der römisch-katholischen Kirche als einheitsgefährdend zu bezeichnen? Mit „Einheit“ müssen sie wohl ihrer Einheit mit dem Teufel meinen. Denn sonst müßte ja Jesus Christus und Sein Erlösungswerk selbst einheitsgefährdend sein, denn der tridentinische Ritus hat eben genau das als Zentrum der katholischen Religion vor Augen, während der satanische V2-Ritus ein Theaterspiel, eine Gruppentherapie und die Vergötzung des eigenen Ich vor Augen hat.
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#15   Mighty Counsellor †   20:46:25 | Montag, 27. September 2010
Wilde Kreaturen
„Nein“ – insistiert Kardinal Ratzinger: „Die Einheit des Römischen Ritus ist bedroht von einer wilden Kreativität, die oft von den Liturgikern ermutigt wird.“
Ein Bravo an den ehemaligen Kardinal! :(3
Die Kreativität ist nicht nur wild, sondern auch individualistisch. Warum muss ich mir die liturgischen Fehl-„Ideen“ genau in meiner Kirche antun lassen? Dies grenzt an liturgische Vergewaltigung!
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#14   r.ruhrgebietler   20:43:59 | Montag, 27. September 2010
Entscheidungen von Papst Paul VI. († 1978) in Frage zu stellen.
die primäre Frage ist, WARUM ALLE KONZILSGLÄUBIGEN DIE ENTSCHEIDUNGEN PAPST PIUS V. IN FRAGE STELLEN!!
das ist doch alles unglaubwürdig, was die konzilsgläubigen hier zum besten geben!
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#13   Rudolfus   20:13:45 | Montag, 27. September 2010
@Sinah: Der Römische Ritus St. Pius’ V ist der Hauptritus der Kirche,
der allen Priestern immer offenstehen muß –
er war aber nie der einzige Ritus der Kirche, nicht einmal in der lateinischen Rituskirche.
Alle Riten, die älter als 200 Jahre waren, also im 16. Jahrhundert NRZ, blieben bzw. bleiben erlaubt.
Pp. Paul VI durfte also gerne einen weiteren Ritus hinzufügen – aber nicht als Ersatz des Römischen Ritus, dessen Ausrottung er widerrechtlich anordnete!
Der Neue Römische Ritus ist erlaubt und gültig.
Aber nur zusätzlich, so wie die alten Riten Mailands oder des OP.
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#12   OH-HAPPY-DAY   18:36:31 | Montag, 27. September 2010
Card. Ratzinger, der heutige P. Benedikt XVI.
hat in seinem Leben schon so machen Wandel hinter sich.
Seine ersten Schriften und Bücher sind getragen von so einem weisen Verständnis des christlichen Glaubens, dass man ehrfürchtig werden kann. In frühen Tagen war er mit der den sehr seltenen angeblichen Katholiken unangenehmen Theologin befreundet die „Eunuchen für das Himmelreich“ geschrieben hat.
In den späteren Jahren setzte ein gewisser Wandel bei Herrn Ratzinger ein. Als Glaubenswächter stellte er entweder seine persönlichen Überzeugungen in vielen Fällen hinter den eilenden vermeintlichen Gehorsam gegenüber dem Amt an oder er revidierte so manche Überzeugung.
Heute hat er die lächelnde Unschuld bei seiner Wahl etwas verloren.
Vergessen wir nicht, dass er Berater des beliebten Zweiten Vatikanischen Konzils war.
LONG LIVE OUR GRACIOUS POPE!
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#11   ErnstSchneider   18:09:58 | Montag, 27. September 2010
@Sinah
Von dem Zorn Gottes in deinem Beitrag war aber bis jetzt nichts zu sehen.
Oder doch :-O o.O
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#10   Tsunami   18:08:04 | Montag, 27. September 2010
@Sinah
Lustich :-D :-D :-D
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#9   Sinah   16:23:23 | Montag, 27. September 2010
„Der wird den Zorn Gottes und der Apostelfürsten auf sich ziehen“(hl.Pius V.)
Am 14. Juli 1570 legte Pius V. die Bulle „QUO PRIMUM“ fest – für alle Zeiten!
Deswegen gibt es keine Wiedereinführung und keine Wiedererlaubnis des für alle Zeiten festgelegten Ritus.
Der Neue Ritus ist deswegen noch niemals rechtskräftig geworden.
„Von nun an soll in allen kommenden Zeiten auf dem christlichen Erdkreis in allen Pfarreien, Kathedralen…nicht anders als nach dem von Uns herausgegebenen Missale gesungen oder gelesen werden…
Streng befehlen Wir… in der Tugend des hl. Gehorsams:
…Sie sollen nicht wagen, bei der Meßfeier andere Zeremonien und Gebete als die in diesem Missale enthaltenen hinzuzufügen oder vorzulesen…
Wir setzen fest und erklären: Kein Weltpriester, kein Mönch darf angehalten werden, die Messe anders zu lesen als wie von Uns festgesetzt wurde. Er darf auch nicht gezwungen werden, dieses Missale zu verändern.
Auch kann das vorliegende Schreiben niemals widerrufen oder modifiziert werden. Es bleibt vielmehr im vollen Umfang und für immer rechtskräftig bestehen…
Wenn aber jemand es wagen sollte, dies anzutasten, so soll er wissen, daß er den Zorn des Allmächtigen Gottes und Seiner Hl. Apostel Petrus und Paulus auf sich ziehen wird.
Gegeben zu Rom bei Sankt Peter, im 1570 Jahre der Geburt des Herrn, am 1. Juli im fünften Jahre Unseres Pontifikates.“
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#8   monens   15:41:03 | Montag, 27. September 2010
Die hl. Messe im tridentinischen Ritus ist nicht „alt“
Sie ist die hl. Messe von gestern, von heute und von morgen, weil es ( wie es ein Priester sehr schön bemerkt hat ) ohne sie kein Morgen geben wird
www.razyboard.com/…07690-5825348-0.html
Die „Angst“ vor der hl. Tradition ist unverkennbar
www.razyboard.com/…07690-5862114-0.html
Oft sind aber viele Gläubige selbst Opfer einer jahrelangen „Zurechtformung“ in nach dem Vaticanum II. vom Ungehorsam geprägten „Neurungsmaschinen“; daher muss ihnen auch mit Nachsicht begegnet werden
der damalige Kardinal Ratzinger hat es richtig erkannt
www.razyboard.com/…07699-5821707-0.html
Die hl. Tradition wird die Kirche wieder gesunden lassen !
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#7   Hacki   15:25:02 | Montag, 27. September 2010
Steinpilz und Gallenröhrling
Die Sache mit den zwei verschiedenen Formen des einen Ritus bleibt nach wie vor uns altgläubigen Katholiken ein Rätsel.
Hätte Papst B.16 Steinpilz und Gallenröhrling zu zwei verschiedenen Varianten desselben leckeren Speisepilzes erklärkt, die sich gegenseitig befruchten mögen, dann hätte man es als Faschingschwank akzeptieren können.
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#6   Alois Bischof   15:22:42 | Montag, 27. September 2010
Ratzinger’sche Terminologie
Soll man sich als traditionstreuer römisch-katholischer Gläubiger freuen, wenn Kardinal Ratzinger eigentlich zugibt, daß die „Alte Messe“ (also der historisch gewachsene und von heiligen Päpsten kodifizierte römische Ritus) als Vorwand dazu dient, die „Traditionalisten“ zu helfen sich „dem Konzil zu öffnen“.
Die heutige Krise ist jedoch im Grunde nur eine Krise der Glaubenslehre, der Dogmatik, des Glaubens – eine Krise ausgelöst vom „Pastoralkonzil“.
Die Liturgiefrage ist nur eine Symptombekämpfung. Die „Neue Messe“ und ihre Auswüchse sind Symptome der Krankheit namens Neo-Modernismus (bzw. Neo-Protestantismus).
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#5   fhernhachenzwerg   15:16:31 | Montag, 27. September 2010
Es müssen
sich aber Bekehrungswillige finden oder? Gezwungen werden kann ja niemand.
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#4   UltraDroog   15:13:04 | Montag, 27. September 2010
Immerhin
In Ansätzen ist ein Bekehrungswille bei Ratzinger durchaus erkennbar.
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#3   karljosef   14:29:40 | Montag, 27. September 2010
Also ich empfinde
das Institut Christ Köning als nicht besonders gleichgeschaltet
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#2   Prof Rempremmerding   14:21:40 | Montag, 27. September 2010
Gebt mir 10 Jahre Zeit,
und die Piusbruderschaft wird gleichgeschaltet sein! Könnte nicht auch das der Grund der derzeitigen päpstlichen Sorge für die renitenten Traditionalisten sein?
Auch nach HUNDERT Jahren: NOM – nein danke, wir verzichten auf die apostatische Messe der vereinigten Weltreligionen!
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#1   Melchisedek   14:12:45 | Montag, 27. September 2010
Salvete- seid gegrüßt
Hallo, ist da wer ?? :-] :-D :-D
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