Deutschland
Deutsche Bischöfe: Eine aufbrechende Rückkehr ins Vorgestrige
Wer die Sprache beherrscht, beherrscht die Gedanken. Das wußte die Kirche früher. Doch heute kriechen die Bischöfe der Sprache der Mächtigen nach.
Mons. Robert Zollitsch von Freiburg auf einem Pressebild seiner Erzdiözese
Mons. Robert Zollitsch von Freiburg auf einem Pressebild seiner Erzdiözese
(kreuz.net) „Das Christentum war bisher stets auch Sprachereignis“.

Daran erinnerte der deutsche Journalist Alexander Kissler am 28. September in einem Beitrag für die Webseite ‘The European’.

Kissler erwähnt Beispiele – den Heiligen Paulus, den Heiligen Bernhard von Clairvaux, den Heiligen Johannes vom Kreuz, den Wiener Kapuzinerprediger Abraham a Sancta Clara, die Kirchenspalter Martin Luther, Ulrich Zwingli, Philip Melanchthon, den protestantischen Theologen Karl Barth sowie Kardinal Hans Urs von Balthasar und Pater Hugo Rahner: „Sie alle formten eine ganz eigene Sprache“.

Er vergleicht sie mit dem Schlußreferat, das der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg, vor seinen Mitbrüdern hielt und fragt: „Soll mit dem Christentum als Sprachereignis Schluß sein?“

Verwechselbare Botschaft

In dem Vortrag warb Mons. Zollitsch für eine Kirche, die „eine konsequente Option für die Menschen“ wahrnehme.

Kissler nennt das „ehrenwert, tadellos, verwechselbar“.

Denn: „Haben sich eine solche Option nicht alle politischen Parteien auf die Fahnen geschrieben?“

Schlimmer: „Meinen nicht auch Drogeriemärkte, Baustoffhandlungen und Heilpraktiker, sie nähmen die »Option für die Menschen« sehr ernst?“

Der Journalist zweifelt auch an der Verwendung des Wortes „Optionen“: Sind Optionen nicht Handlungsmöglichkeiten für die man stets nur vorläufig, nie „vom Anfang der Welt bis zu ihrem Untergang“ optieren kann?

Zauberwort „heute“

Mons. Zollitsch erklärte in dem Vortrag, „die Nähe zum Leben der Menschen von heute“ zu suchen.

Mehr noch: Er will „zu den Menschen von heute wirklich und verständlich finden“.

Kissler schält die Implikationen dieser Aussage heraus – „als lebten heute allüberall »Menschen von gestern«, die bisher den Blick auf eine offenbar sehr kostbare, sehr umworbene Spezies – die »Menschen von heute« – verstellt hätten.“

Er würdigt auch den von Mons. Zollitsch dann gebrauchten Ausdruck „tatsächliche Lebenssituation“.

Ihr wolle der Erzbischof – so Kisslers Vermutung – die „offenbar bisher irrealen Situationen“ gegenüberstellen.

Der Erzbischof betrinkt sich an der „Welt von heute“

Kissler zitiert die nächste Stilblüte von Erzbischof Zollitsch, der „die eigene Sensibilität für die Welt von heute stärken und sprach- sowie auskunftsfähig bleiben“ will.

Zu Ende gedacht heißt das nach Kissler: „Ergo müssen wir uns denken, die »Welt von heute« sei ein neues Phänomen, das nun erst ins Bewußtsein trete – dabei findet doch jedes Leben in der »Welt von heute« statt.“

Und: Die Rede des Erzbischofs von der Sprachfähigkeit impliziert, „es gäbe eine Sprache, die keine Auskunft gibt, und eine Auskunft jenseits der Sprache.“

Doch für Kisslers ist beides „Unfug oder Dadaismus“.

Die Bischöfe straucheln den Volksparteien hinterher

Von der in dem Vortrag angekündigten „Dialoginitiative“ vermutet Kissler, daß es sich um ein Verfahren handelt, „das man sich von den Regionalkonferenzen strauchelnder Volksparteien abgeschaut hat“.

Mons. Zollitsch spricht von einem „strukturierten Dialog auf der Ebene der Bistümer über das Bezeugen, Weitergeben und praktische Bekräftigen des Glaubens“.

Das ist für Kissler „wenn das Programm hält, was der Name androht, ein sehr hauptwortlastiges Vergnügen.“

Er entlarvt auch den Pleonasmus in der Überschrift des Programms: „Umkehr und neuer Aufbruch“.„Gibt es einen alten Aufbruch?“ – fragt er.

Der Journalist stellt dann fest, daß die bischöfliche Dialoginitiative auch „nostalgische Inhalte“ einschließt.

Denn: „Knapp fünfzig Jahre alte »Konzilsdokumente« sollen eine »Neuaneignung« erfahren, besonders die gut abgehangene Paragraphenschrift »Freude und Hoffnung« zur »Kirche in der Welt von heute« – also von 1965.“

Der Journalist kann es sich nicht verkneifen: „Demnach eher eine aufbrechende Rückkehr ins Vorgestrige?“

Die Konvention wird zur leitenden Instanz

In diesem Zusammenhang bedenkt Kissler die Weigerung der Bischöfe, die Übersetzung des deutschen Meßbuches zu verbessern.

Die Oberhirten erklären dazu, daß die alte Fassung den Priestern und Gläubigen „vertraut“ sei. Diese Gewöhnung sei ein „hoher Wert“.

„Damit erübrigen sich sämtliche Debatten über Aufbrüche, Neuanfänge, Bekehrung“ – kommentiert Kissler: „Die Konvention wird zur leitenden Instanz.“

Der Journalist faßt zusammen: „Die bischöfliche Losung 2010 scheint eher zu lauten, das Gewohnte zu bewahren, das Heutige zu verstetigen, das Diesseits zu verdoppeln.“

Seine besorgte Frage: „Ist das nur eine Phase oder macht das jetzt Epoche?“
      
20 Lesermeinungen
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#22   Lisibald Poier †   07:55:08 | Donnerstag, 30. September 2010
Wischi-Waschi Kreuz.net
Wer die Sprache beherrscht, beherrscht die Gedanken. Das wußte die Kirche früher.
„Denn wir alle verfehlen uns in vielen Dingen. Wer sich in seinen Worten nicht verfehlt, ist ein vollkommener Mann und kann auch seinen Körper völlig im Zaum halten.“ [Jak 3,2 www.uibk.ac.at/…raum/bibel/jak3.html]
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#21   Chris   22:49:51 | Mittwoch, 29. September 2010
neuer Aufbruch
„Umkehr und neuer Aufbruch“.„Gibt es einen alten Aufbruch?“
Ja, 1965!
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#19   Jubärens   16:26:28 | Mittwoch, 29. September 2010
soziologische Blendsprache
Krüsostomus meint:
„Völliger Unfug: Der Artikel impliziert ja, dass man als Bischof nicht von der „Option für den Menschen“ darf, sofern das auch außerkirchliche Institutionen tun.“
Könnte es sein, dass der Unfug auf einem Missverstehen Ihrerseits besteht?
„In jeder Sportzeitung steht „Auferstehung des FC Bayern“ oder „Erlösung durch Michael Ballack“ oder „Messi rettet Argentinien“.“
Interessante Beobachtung: Weltliche Institutionen beginnen, mit der Sprache religiöser Heilsversprechen zu werben.
Die Bischöfe dagegen reden die sozialogische Blendsprache der politisch korrekten Weltideologen nach: ‘Option für die Menschen in der Welt von heute…“
Heißt das dann, dass die Piussekte in ihren Predigten nicht mehr die Wörter Auferstehung, Erlösung und Rettung verwenden darf?
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#18   Das Kind   13:55:25 | Mittwoch, 29. September 2010
Der Theologe Boris Becker
www.welt.de/…se-Benedikt-XVI.html
Welchen Nick „Bonking Boris“ wohl bei kreuz.net hat?
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#17   Jozef Tiso †   13:28:22 | Mittwoch, 29. September 2010
Wer die Sprache beherrscht, beherrscht die Gedanken. Das wußte die Kirche früher.
Das weiß sie auch heute. Nur wissen das alle anderen auch und lassen sich nimmer manipulieren und unterjochen (wie früher).
Da kann sich Hw. Christian Sieberer alias Pfaffenheini www.pfaffenheini.net/ noch so sprachbeherrschend geben!
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#16   ErnstSchneider   13:18:47 | Mittwoch, 29. September 2010
@Ultradroog
Nur mal zu deiner Information.Einder der von dir aufgeführten Autoren heisst Eugen Drewermann.
Wir wollen dich ja nicht dumm sterben lassen ;-) ^-^
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#15   kairos_03   13:16:03 | Mittwoch, 29. September 2010
@ Ultradroog
Wenn Sie noch nicht einmal wissen, wie die von Ihnen angeführten AUtoren richtig heißen, dann sollten Sie doch bitte lieber schweigen.
Ihre Beiträge sind unsäglich dumm.
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#14   kaylet   13:06:05 | Mittwoch, 29. September 2010
Desaster
Die Verkündigungen aus dem offiziellen Kirchenraum in Deutschland ist ein stilistisches Desaster.
Man möchte allen Nichtchristen zurufen: NEIN, so sprechen wirkliche Christen nicht. Man muss sich schämen. :-!
@ Ernst Schneider
Zitat:Zumindest regen diese Texte zum Nachdenken an.Damit solltet ihr auchmal mal anfangen.
Hat noch niemandem geschadet.
Zum Nachdenken anregen ist genau eine solch dümmliche Phrase, wenn man über Texte spricht. Der Erkenntniswert dieser Aussage ist gleich null, da diese Phrase auf fast alle Texte anwendbar ist. 2 Euro ins Phrasenschwein bitte! (Zollitsch wäre schon pleite)
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#13   Mighty Counsellor †   12:26:38 | Mittwoch, 29. September 2010
Kissler:
„Das Christentum war bisher stets auch Sprachereignis.“
Gibt es eine hohlere Aussage? :-P
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#12   ErnstSchneider   12:10:25 | Mittwoch, 29. September 2010
@Ultradroog
Stattdessen werden die Seelen der Jugendlichen mit Texten von Feuerbach, Nietzsche, Dorothee Sölle, Hans Küng, Jürgen Drewermann und Konsorten vergiftet.
Zumindest regen diese Texte zum Nachdenken an.Damit solltet ihr auchmal mal anfangen.
Hat noch niemandem geschadet.
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#11   UltraDroog   12:08:25 | Mittwoch, 29. September 2010
Zollitsch verstellt den Menschen den Weg ins Himmelreich
Solche Staatsbischöfe wie Zollitsch tun alles dafür, um durch einen Wust an Sprachmüll die Verkündigung des Evangeliums zu ersticken. Diese Nichtsnutze ergötzen sich an ihren eigenen unnützen Sprachkonstruktionen und verachten die schlichte Wahrheit des Heiligen Evangeliums.
Man betrachte nur einmal, wie wenig Raum der Verkündigung des katholischen Glaubens im „katholischen“ Religionsunterricht der Staatskirche eingeräumt wird!
Stattdessen werden die Seelen der Jugendlichen mit Texten von Feuerbach, Nietzsche, Dorothee Sölle, Hans Küng, Jürgen Drewermann und Konsorten vergiftet.
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#10   Tsunami   11:49:34 | Mittwoch, 29. September 2010
@Izaak
„Da spricht nicht der Geist dieser Welt, es spricht der Heilige Geist!“
Dem Inhalt nach spricht jedoch ein Geist aus der Flasche! :-[ :-[
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#9   kairos_03   11:34:11 | Mittwoch, 29. September 2010
@ izzac
bei diesem Helden- oder Märtyrerbischof spricht nicht der Geist Gottes, sondern der braune Geist, des Geist des Geschichts-Revisionismus.
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#8   Ehrenmann   11:27:36 | Mittwoch, 29. September 2010
Zum Sprachproblem in der Kirche
Pater Henri Boulad, 75 jähriger ägyptisch-libanesischer Jesuit des melkitischen Ritus, sieht auch ein Sprachproblem in der Kirche.
Er schreibt:
„Die Sprache der Kirche ist überholt, anachronistisch, langweilig, sich ständig wiederholend, moralisierend und völlig unzeitgemäß.
Es geht keineswegs darum, mit dem Strom zu schwimmen und in Demagogie zu machen, denn die Botschaft des Evangeliums muss in seiner ganzen herausfordernden Anstößigkeit vorgestellt werden. Was vielmehr nötig ist, ist jene „neue Evangelisierung“, zu der uns Johannes Paul II. eingeladen hat. Diese besteht jedoch im Gegensatz zu dem, was viele denken, keineswegs in der Wiederholung der alten, die nicht mehr zieht, sondern in der Erneuerung, in einer neuen Sprache, die den Glauben treffend und bedeutsam für die Menschen von heute ausspricht.“
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#7   Gockeline   11:21:24 | Mittwoch, 29. September 2010
Was Sprache anrichten kann ,
das kann man an euren Artikel sehen.
Blind im Kopf und in den Gedanken.
Leer im Herzen.
Wer hat die Kirche gespalten?
Dazu gehören immer zwei!
Was ist, wenn man es nicht mehr aushält in dieser Kirche?
Die Kirche entfremdet sich von den Menschen.
Die Kirchen entfremden sich weit von Gott und Jesus.
Sie brauchen dann die Personen wie oben aufgezählt
um einen Schuldigen vorführen zu können.
Was ist wenn Gott selber die Spaltung so wollte?
Wer dem nicht folgen kann ,der denkt Gott ist weit entfernt?
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#6   IZAAC   11:19:27 | Mittwoch, 29. September 2010
Zollitsch & Co. können nicht anders!
Denn sie haben den Geist dieser Welt, genau wie ihre Kollegen aus der Politik! Daher können sie gar nicht anders!
Erst wenn katholische Bischöfe zu Wort kommen, wird anders gesprochen! (s. z. B. Fellay oder de Mallerais) Da spricht nicht der Geist dieser Welt, es spricht der Heilige Geist!
Jetzt kann jeder sehen, was ihm persönlich näher ist – und zu diesem Geist gehört er dann auch!
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#4   Ehrenmann   11:02:42 | Mittwoch, 29. September 2010
Mons. Zollitsch erklärte in dem Vortrag, „die Nähe zum Leben der Menschen von heute“ zu suchen
Damit geht er konform mit der Konzilskonstitution „Gaudium et spes“.
Dort heißt es bekanntlich in der Einleitung:
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“
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#3   Krüsostomus †   10:25:52 | Mittwoch, 29. September 2010
Schwachsinn
Der Artikel impliziert ja, dass man als Bischof nicht von der „Option für den Menschen“ darf, sofern das auch außerkirchliche Institutionen tun.
Völliger Unfug.
In jeder Sportzeitung steht „Auferstehung des FC Bayern“ oder „Erlösung durch Michael Ballack“ oder „Messi rettet Argentinien“.
Heißt das dann, dass die Piussekte in ihren Predigten nicht mehr die Wörter Auferstehung, Erlösung und Rettung verwenden darf?
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#2   Rodolfo Panetta   10:18:19 | Mittwoch, 29. September 2010
Es fährt ein Zug nach Nirgendwo
Einen ausgezeichneten, sehr lesenswerten Beitrag hat der Journalist Alexander Kissler da verfaßt. Die Sprechblasen der Beliebigkeit, wie sie Erzbischof Zollitsch und die allermeisten deutschen Bischöfe ständig im Munde führen, werden mit den Sprechblasen unserer heutigen „Volksparteien“ verglichen. Managersprache statt Kirchenlatein. Wirklich sehr lesenswert!
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#1   Prof Rempremmerding   10:15:47 | Mittwoch, 29. September 2010
Herr Zollitsch,
bitte nehmen Sie bald Ihren Hut! Gehen Sie mit Ihren Kollegen ins Konzilsaltersheim, dort können Sie meinetwegen mit Frau Käsmann einen heben und auf Gaudi und Spesen anstoßen. Zu mehr reichts nicht mehr! Sie sind sogar für eine wirklikche intelligente Häresie zu dämlich! :-!
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