Am kommenden Donnerstag lädt die CDU-Ratsfraktion der Stadt Bochum zu einer öffentlichen Fraktionssitzung ein. Thema: Die dortige Marienkirche. Ihr Abbruch soll unmittelbar bevorstehen. Ein tapferer Protestant wehrt sich.
(kreuz.net, Bochum) Die öffentliche Fraktionssitzung findet um 19.00 Uhr im Kolpinghaus Bochum-Mitte
statt. Sie soll Zerstörern und Bewahrern Gelegenheit geben, ihre Positionen darzulegen.
Bochum befindet
sich 20 km westlich von Dortmund im Bundesland Nordrhein-Westfalen.
Zwei geistliche Herren werden für
die Schleifung der Kirche plädieren.
Der erst ist Propst Hermann Josef Bittern. Die Marienkirche, die
er weghaben will, ist seine Taufkirche.
Wahrscheinlich wird auch der Priester und Dechant Gerhard Schürmann
eine Lanze für den Abbruch brechen. Dechant Schürmann ist der eigentliche Motor der beabsichtigten Zerstörung
der Kirche.
Die Befürworter des Abrisses werden vermutlich auch den Architekten der katholischen Stadtkirche
Bochums mitnehmen. Dieser soll das neue Altenheimmodell präsentieren, das man auf dem freigebaggerten
Grundstück der Marienkirche errichten möchte.
Die katholische Stadtkirche hat keine Pläne, den vollkommen
intakten Baukörper der Marienkirche bei einem eventuellen Bau des Altenheimes einzubeziehen.
Dafür
soll das neue Altenheim die Formen der – hoffentlich bald – zerstörten Marienkirche aufnehmen. Sogar
ein Turm soll dabei sein.
Beobachter sehen im Projekt auch eine tragische Symbolik: Am Ort, wo einstens
das übernatürliche Leben begann, soll nach den Plänen der Stadtkirche das irdische Leben in Zukunft
ein Ende finden. Aus der Kirche wird ein Altenheim.
Gegen den Abriß der Marienkirche werden Frau Dr.
Christel Darmstadt und Herr Dr. Manfred Keller, der Leiter der evangelischen Stadtakademie Bochum, auftreten.
Dr. Keller ist strikte gegen einen Abriß des wunderbaren viertältesten erhaltenen Bauwerks im Citybereich.
Die Marienkirche ist die zweitälteste katholische Kirche in der Stadt Bochum. Der Abriß der vollkommen
intakten Marienkirche wäre die erste Zerstörung einer großen Innenstadtkirche in Westdeutschland seit
den Bombardierungen der deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg.
„Die Kirche zerstört sich selbst indem
sie Maßnahmen der ‘Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands’ kopiert“, erklärt der Förderverein
Pro Marienkirche zu den zerstörerischen Plänen der Priester.
Am 30. Mai 1968 wurde in Leipzig die vollkommen
intakte Paulinenkirche durch das kommunistische Regime abgerissen.
Die Entkirchlichung und Entchristlichung
des Innenstadtbereiches von Bochum würden von der katholischen Stadtkirche und dem Bistum Essen gezielt
vorangetrieben.
Die Funktionäre der Amtskirche sind zuversichtlich, die heiß begehrte Abbruchgenehmigung
noch in diesem Monat zu erhalten. Am übernächsten Sonntag sind die Landtagswahlen. Man hofft, das Todesurteil
für die Kirche am Tag darauf in den Händen zu halten.
Die Zerstörung der Kirche muß von Frau Oberbürgermeisterin
Dr. Ottilie Scholz oder von Herrn Stadtbaurat Martin zur Nedden abgesegnet werden.
Der Stadtbaurat ist
ein Urururenkel jenes Mannes, welcher der Kirche das Grundstück zum Bau der Marienkirche stiftete.
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2 Lesermeinungen
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Argumente, die für einen Abriß sprechen? So ganz klar ist mir die Sache in den bisherigen Artikeln nicht
geworden. Wenn die Nutzung in eigener Regie entfällt, hätte vielleicht eine andere christliche Denomination
einen Bedarf und den Enthusiasmus, hierfür die Betriebskosten aufzubringen. Vielleicht im Zuge eines
Grundstückstauschs. Dann könnte man immer noch bauen. Auf jeden Fall trägt das Bistum auch die Verantwortung
für eine sichtbare Präsenz des Christlichen (überhaupt) vor allen Getauften in diesem Lande. Daß der
Abriß angestrebt wird, hierfür gibt es gewiß noch andere Ursachen, als finanzielle Sachzwänge. Es
ist das Milieu, welches sich in den diözesanen Verwaltungen ausgeprägt hat. Eine Non-Profit-Organisation
mit großen Geldbewegungen durch Angestellte, deren Tätigkeit sich in der freien Wirtschaft üblichen
Leistungskriterien entzieht. Seilschaften, Pfründemechanismen auf Sympathie-Grundlage, zusammengesackte
Kirchlichkeit, Beharrungsvermögen. Plus sozialer Verantwortung des Arbeitgebers, den für Entlassungen
die Hände gebunden scheinen (»die nimmt ja niemand mehr auf dem Arbeitsmarkt!«). Die Fähigen möchte
man ja lassen, die anderen sind aber fest eingewachsen in ein System, daß sie intern deckt. Und fällen
Entscheidungen. Die Arbeit der diözesanen Bauämter kann jeder selbst begutachten.
Wirklich pikant! Das ist ein wirklich pikanter Fall. Vorallem auch wegen der persönlich-geschichtlichen
Verstrickungen der Beteiligten. Also was tun? Naja ich wohne etwas weit weg von Bochum (ca. 500km) . Aber
wenn die Abrißbirne geschwungen werden soll und dort drinne sind Menschen die beten… Wenn gläubige
Christen ihre Kirchengebäude besetzen um sie vor klugschei… Berufskatholiken zu schützen könnte das
Signalwirkung haben. In diesem Fall sogar ökumenisch.