Kurie
Sechs Gründe für Erzbischof Joseph Levada
Es gebe sechs Gründe, warum Papst Benedikt XVI. den Erzbischof von San Francisco zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt hat. Die Analyse stammt von John Allen, dem Romkorrespondenten der sehr progressistischen US-Wochenzeitung, „National Catholic Reporter“.
(kreuz.net, Vatikan) Der erste Grund für die Ernennung von Mons. Joseph Levada zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation ist nach John Allen, daß der Erzbischof über ein breites theologisches Wissen verfüge.

Erzbischof Levada promovierte 1971 an der von den Jesuiten geführten Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Seine Doktorarbeit steht unter dem Titel „Das unfehlbare Lehramt der Kirche und das natürliche moralische Gesetz“.

Levadas Doktorvater war der Pater Francis Sullivan SJ. Pater Sullivan wurde vor allem mit Arbeiten über die Ekklesiologie – die Lehre über die Kirche – bekannt. Levadas Doktorat legt dar, wie das Lehramt der Kirche das Naturgesetz und dessen Verbindlichkeit für den Gläubigen versteht.

Das Naturgesetz ist jenes moralische Gesetz, das der Mensch durch seinen Verstand alleine – ohne eine besondere Offenbarung – erkennen kann.

Levada bespricht in seiner Dissertation verschiedene theologische Meinungen und zieht dann einige – nach Allen – „ausgewogene“ und „wohlüberlegte“ Schlüsse. Da moralische Fragen zu den konfliktreichsten Glaubensthemen gehören, dürfte dieser Hintergrund dem zukünftigen Präfekten der Glaubenskongregation sicher nützlich sein.

Generell ist Erzbischof Levada, der nur nebenbei unterrichtet hat, auf keinem Gebiet der Theologie besonders spezialisiert. Er sei mehr ein ‘Allgemeinmediziner’ als ein ‘Facharzt’.

Pater Gerald O’Collins, Jesuit und Professor an der Gregoriana in Rom, erinnert sich an den Studenten Levada. Er sei ein fleißiger Doktorand gewesen. Als Erzbischof habe er sich regelmäßig über die Studenten seiner Diözese informiert. Er habe sich immer einen schnellen Studienabschluß seiner Studenten gewünscht, um sie zuhause einsetzen zu können.

Pater O’Collins beschreibt den neuen Präfekten der Glaubenskongregation als höchst aufrichtigen Menschen.

Während seiner Zeit als Sachbearbeiter in der Glaubenskongregation hielt Levada jedes Semester an der Gregoriana einen Kurs. Ehemalige Studenten berichten, daß er ein beliebter Leser gewesen sei. Levada habe keinen Frontalunterricht gehalten, sondern die Studenten mit kritischen Fragen konfrontiert.

Ein zweiter Grund für die Wahl von Erzbischof Levada ist nach Allen, daß er bereits in der Glaubenskongregation gearbeitet hat. Levada begann seine Tätigkeit unter dem kroatischen Kardinal Franjo Seper († 1981). Er kennt darum Wesen und Eigenheiten der Kongregation und deren Rolle im breiteren Kontext der Römischen Kurie.

In den vergangenen Jahren war Erzbischof Levada außerdem ein externer Berater der Glaubenskongregation. Er werde die Rolle des Präfekten deshalb schnell übernehmen können.

Ein Vorteil sei auch, daß Levada seit 1982 als Weihbischof und Erzbischof in der pastoralen Arbeit stehe. Er verdankt seinen Aufstieg somit keinen römischen Seilschaften. Deshalb werde der Erzbischof den Vatikan relativ unabhängig von Verpflichtungen und Loyalitäten betreten, die eine Karriere im Vatikan hervorbringen kann.

Drittens – so Allen- sei Erzbischof Levada durch seine Arbeit am Katechismus der katholischen Kirche für das neue Amt prädestiniert. Er war der einzige US-Amerikaner in dieser Funktion und arbeitete unter anderem am Glossar für die zweite Auflage der englischsprachigen Ausgabe.

Als vierten Grund für die Ernennung des Erzbischofs nennt Allen die Erfahrung, welche er mit der Aufarbeitung der vielen Fälle klerikaler Unzucht in den USA gesammelt hat. Diese Angelegenheiten – welche in der US-Kirche katastrophale Ausmaße angenommen haben – sind juridisch der Glaubenskongregation untergeordnet.

Ein fünfter Grund ist die pastorale Erfahrung von Erzbischof Levada. In Portland und in San Francisco habe er zwei schwierige Diözesen geführt. Er werde deshalb für Bischöfe in ähnlichen Situationen Verständnis zeigen. Levada sei als Bischof mit der „Diktatur des Relativismus“ konfrontiert gewesen und dürfte deshalb ein Bundesgenosse des Papstes im Kampf dagegen sein.

Sechstens steht Erzbischof Levada nach Allen im Ruf, bei schwierigen Fragen salomonische Lösungen zu finden – sprich: nachzugeben. 1997 drohte die Stadtverwaltung von San Francisco, jenen nicht-staatlichen Sozialinstitutionen die Förderung zu streichen, welche ihren Angestellten keine Beihilfe für Homo-Lebenspartner bezahlten. Zuerst sah es so aus, als ob die Auseinandersetzung zwischen Stadt und Erzdiözese in eine Sackgasse münden würde. Doch dann habe der Erzbischof im letzten Augenblick eingelenkt.

Abschließend nennt Allen die Kritiken, die dem neuen Präfekten der Glaubenskongregation von den beiden Flügel entgegenschlagen, welche die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil dominieren.

Der progressistische Kirchenflügel beschuldigt Erzbischof Levada, einen Hirtenbrief der US-Bischofskonferenz über die Rolle der Frau in der Kirche verwässert zu haben. Er habe sich auch gegen die Einführung einer ‘geschlechtsneutralen’ Sprache in die Liturgie gestemmt.

Der konservative Kirchenflügel kritisiert den Erzbischof wegen seiner schwachen Amtsführung als Diözesanbischof. So habe er kaum etwas gegen die schweren Mißstände an der Universität von San Francisco unternommen. Die Universität wird von den Jesuiten geführt. Auch dem Einfluß der Homosexuellen in seiner bisherigen Erzdiözese habe er kaum Widerstand geleistet. San Francisco gilt als die US-Hauptstadt der Sodomie.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Athanasius   15:59:34 | Donnerstag, 19. Mai 2005
Ja.
Vielleicht ist es auch Taktik: dieser Bischof scheint sehr schwach zu sein und moralisch konservativ. Er ist kein grosser Organisator.
Natürlich ist es so, daß der Mann dann auch leicht unter Kontrolle gehalten werden kann, wo das bei Kasper oder so nicht der Fall ist.
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#3   Paul Mayer   21:52:00 | Mittwoch, 18. Mai 2005
Von wegen Denunziation!
Erzbischof Levada hat sogar kinderschändende Priester gedeckt – siehe den Artikel „Ein langer und schwieriger Begriff“ – das ist viel schlimmer als die Schwulenfahne. Außerdem kann es sich um zwei verschiedene Anlässe handeln – oder wohnen sie neben der Kirche in San Francisco und wissen, was dort jeden Tag vorgefallen ist?
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#2   thaumaturgos   16:28:56 | Mittwoch, 18. Mai 2005
regenbogenbanner in st. marys in SF
die hing nicht zu zeiten levadas sondern seines vorgängers quinn bei einem gottesdienst (andacht, nicht messe) in der kathedrale … aber, wie immer hier: denuzieren ist mehr als sich selber informieren …
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#1   Stimme aus dem Tradiland   10:08:08 | Mittwoch, 18. Mai 2005
Interessante Analyse aus „Die Presse“
Im Kommentar des Journalisten Michael Prüller vom 18. Mai 2005 findet sich eine
Auswertung der Diskussionen us-amerikanischer Online-Medien zur überraschenden Bestellung Erzbischof Levadas zum Präfekten der Glaubenkongregation www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=c&ress…
Bei der Fundstelle findet sich auch der Kommentar eines gewissen „Le Penseur“, der davon berichtet, dass vom Dom in San Francisco schon einmal die Regenbogenfahne der Homos herunterhing – offenbar mit Billigung von Erzbischof Levadas…
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