21:01:03 | Freitag, 15. Oktober 2010
Seit Jahren erklärt man Leute für tot, die es gar nicht sind. Doch jetzt bahnt sich eine Lösung an: Es wird vorgeschlagen, das Gewissen für hirntot zu erklären und Organe nur von Toten zu entnehmen.

Die Hirntod-Definition ist kopflos
© by Janine, Flickr, CC(kreuz.net) „Was wir heute über den sogenannten Hirntod wissen, stellt die Transplantationsmedizin auf
den Prüfstand.“
Das erklärte Stephan Sahm am 14. September in der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’.
Sahm ist Chefarzt am Ketteler Krankenhaus in Offenbach.
Hirntote leben fröhlich weiterMit der „Rechtfertigung
des Hirntods als Tod des Menschen“ verhält es sich nach Sahm wie mit der des zweiten Golfkriegs: „Die
zunächst angeführten Gründe stellten sich rückblickend als falsch heraus.“
Sahm erinnert daran, daß
der Hirntod die Geburtsstunde der Transplantationsmedizin war.
Damals wurde behauptet, daß der Hirntod
mit dem menschlichen Tod in eins falle, weil der Organismus bei Ausfall des Gehirns aufhöre, ein integriertes
Ganzes zu sein.
Darauf antwortet Sahm: „Die Annahme, Hirntote zeigten keine somatische Integration mehr,
hat sich als falsch erwiesen.“
Hirntote würden den Gleichgewichtszustand des Organismus aufrechterhalten:
„Sie regulieren Körpertemperatur und bekämpfen Infektionen, produzieren Exkremente und scheiden sie
aus“ – erklärt Sahm:
„Die Wunden heilen bei Hirntoten ebenso, wie ihr proportioniertes Wachstum gesteuert
wird.“
Schwangere Hirntote könnten gesunde Babys austragen: „Nicht zuletzt reagieren Hirntote mit Ausschüttung
von Stresshormonen auf Schmerzreize.“
Sahm erwähnt einen britischen Anästhesist der nur dann einen
Spenderausweis bei sich führen wolle, wenn er sicher sein könne, daß er vor der Organentnahme betäubt
würde.
Jetzt wird herumgebasteltDie Feststellung des Hirntods ist ferner – so Sahm – mit einer Reihe
von Unsicherheiten behaftet.
Heute als ausreichend betrachtete Feststellungen würden nur Teilbereiche
des Gehirns umfassen.
Denn: „Je empfindlicher die Methode, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß
sich Aktivitäten in einzelnen Arealen des Gehirnes finden lassen.“
Doch das Konzept des Hirntods ist
für die Transplantationsmedizin unerläßlich: „Fällt es, kann sie ihre Tore schließen.“
Darum versucht
man jetzt an der Hirntod-Definition herumzubasteln.
Hirntote zeigten zwar eine auf den Organismus gerichtete
Integration – es fehle ihnen aber die Integration in die Umwelt. Das Leben sei erloschen, wenn neben der
gesamten Hirnaktivität die Atemtätigkeit ausfalle.
Hintotes GewissenDoch diese Neudefinition wurde
bereits heftig kritisiert. So wurde auf Widersprüche hingewiesen, die sich etwa im Umgang mit Personen
im Wachkoma ergeben.
Andere stellten fest, daß Embryonen nach dieser Definition keine Lebewesen seien.
Gleichzeitig wäre das System der Verdauungsorgane nach dieser Definition als ein vollständiger Organismus
anzusehen.
Denn: „Es hat ein Nervensystem, ist für äußere Reize durch Nahrungsstimuli empfänglich,
kann Nahrungsstoffe selektieren und ausscheiden.“
Sahm weist darauf hin, daß diese Definition kein naturwissenschaftlich
nachprüfbares Faktum, sondern eine – schlecht begründete – naturphilosophische Setzung ist.
Damit ist
der nächste Schritt unvermeidlich: Es wird vorgeschlagen, die Regel aufzugeben, Organe nur von Toten
zu entnehmen. Angesichts der wackligen Hirntod-Definition sei diese sowieso nur „Augenwischerei“.
Doch
wenn sogenannte Organspender zum Zeitpunkt der Entnahme noch leben, dann ist die Organentnahme Mord.
„Die Organentnahme kompromittierte dann die professionelle Ethik“ – formuliert Sahm verharmlosend: „Zu
sedieren wären nicht nur die Spender, sondern auch das ärztliche Gewissen.“
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YinYang 12:06:37 | Montag, 18. Oktober 2010
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monens 14:22:42 | Samstag, 16. Oktober 2010
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sca 11:23:15 | Samstag, 16. Oktober 2010
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monens 08:57:14 | Samstag, 16. Oktober 2010
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DerRabe 08:55:12 | Samstag, 16. Oktober 2010
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Nr17 22:32:23 | Freitag, 15. Oktober 2010
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wickerl 22:11:42 | Freitag, 15. Oktober 2010
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matt3 22:07:22 | Freitag, 15. Oktober 2010
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matt3 21:51:07 | Freitag, 15. Oktober 2010