18:37:13 | Montag, 18. Oktober 2010
Benedikt XVI.
Papstbrief an die Seminaristen: „Allmählich verstehen zu lernen, wie die Liturgie gewachsen ist, wie viel Erfahrung des Glaubens im Aufbau der Meßliturgie liegt, wie viele Generationen sie betend geformt haben, ist etwas Begeisterndes, wie ich von meinem persönlichen Weg her sagen darf.“ Er redet von der Alten Messe.

Benedikt XVI.
© Catholic Church (England and Wales), CC(kreuz.net, Vatikan) Heute veröffentlichte der Vatikan einen mehrseitigen Brief des Papstes an die Alumnen
der katholischen Priesterseminare.
Darin erzählt der Papst aus seiner Jugend.
Schon die Nazis brauchten
keine PriesterAls er im Dezember 1944 als 17jähriger zum Soldatendienst eingezogen wurde, fragte der
Kompaniechef jeden, welchen Beruf er für die Zukunft anstrebe.
Der spätere Papst antwortete, daß er
Priester werden wolle.
Der Leutnant entgegnete ihm: „Da müssen Sie sich etwas anderes suchen. Im neuen
Deutschland werden Priester nicht mehr gebraucht.“
Doch dem jungen Joseph Ratzinger war klar, „daß dieses
‘neue Deutschland’ bereits am Ende war und daß nach den ungeheuren Verwüstungen, die dieser Wahn über
das Land gebracht hatte, erst recht wieder Priester nötig sein würden“.
Heute sei die Lage, angeblich,
ganz anders – wehrt der Papst mögliche Angriffe von seiten der Holocaust-Industrie ab.
Der HS-Staat
sieht es ähnlichDennoch meinten auch heute viele Leute, daß das katholische Priestertum kein Beruf
für die Zukunft sei.
Die Seminaristen hätten sich dennoch auf den Weg zum priesterlichen Dienst in
der Kirche gemacht: „Ihr habt gut daran getan“ – urteilt der Papst.
Die Menschen würden „immer, auch
in der Periode der technischen Beherrschung der Welt und der Globalisierung, Gott benötigen.“
Wenn der
Mensch Gott nicht mehr wahrnehme, werde das Leben leer: „Alles ist dann zu wenig.“
Das Geistliche zuerst
Ausführlich beschreibt der Papst in sieben Punkten einige Elemente, die für die Zeit im Priesterseminar
wichtig sind.
Er nennt zuerst die persönliche Beziehung zu Gott in Jesus Christus.
Der Priester sei
kein Verwalter irgendeines Vereins, sondern ein Bote Gottes.
Es sei wichtig, daß der Tag mit Gebet beginnt
und mit Gebet endet.
Er redet von der Alten MesseAls zweiten Punkt nennt der Papst, daß Gott „nicht
nur Wort ist“ – er schenke sich in den Sakramenten leibhaftig.
Das Meßopfer müsse das Zentrum aller
Tage sein.
„In der Liturgie beten wir mit den Gläubigen aller Jahrhunderte – Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft berühren sich in einem einzigen großen Chor des Gebetes.“
Die Seminaristen sollen allmählich
verstehen lernen, wie die – nach dem Konzil von Schreibtischtätern handstreichartig zusammengesetzte –
Neue Liturgie angeblich „gewachsen ist, wie viel Erfahrung des Glaubens im Aufbau der Meßliturgie liegt,
wie viele Generationen sie betend geformt haben“.
Er selber sei, so der Papst, auf seinem persönlichen
Weg davon begeistert gewesen.
Der Papst ist mit der Alten Messe aufgewachsen.
In der Beichte vergibt
und vergißt GottAls dritten Punkt spricht der Papst über die Beichte.
Diese lehre, „mich von Gott
her anzuschauen und zwingt mich zur Ehrlichkeit mir selbst gegenüber“.
In seinem Brief zitiert der Papst
den Pfarrer von Ars:
„Ihr findet es nicht sinnvoll, heute die Lossprechung zu empfangen, da ihr wißt,
daß ihr morgen doch wieder die gleichen Sünden tun werdet.
Aber – so sagt er: Gott selbst vergißt
im Augenblick eure Sünden von morgen, um euch heute seine Gnade zu geben.“
Studiert die altliberale
Soße?Als vierten Punkt wünscht der Papst, daß sich die Seminaristen den Sinn für die Volksfrömmigkeit
bewahren.
„In ihr ist der Glaube in das Herz der Menschen eingetreten, ist Teil ihres Empfindens, ihrer
Gewohnheiten, ihres gemeinsamen Fühlens und Lebens geworden.“
In Punkt fünf beschreibt der Papst die
Zeit im Seminar als Zeit des Studiums.
Es sei eine Hauptaufgabe des Seminars, zu lernen, „jedem Antwort
zug eben, der nach der Vernunft eurer Hoffnung fragt“.
Der Papst bittet inständig: „Studiert eifrig!“
„Es geht nicht darum, das augenscheinlich Nützliche zu erlernen, sondern darum, das innere Gefüge des
Glaubens so in seiner Ganzheit zu kennen und zu verstehen.“
Neben den klassischen Disziplinen bezeichnet
der Papst die Erfindung einer ökumenischen Theologie als „heute wichtig“.
Daß in den theologischen
Hochschulen weltweit – auch in Rom – fast ausschließlich leere Floskeln oder billige Ketzereien unterrichtet
werden, blendet der Papst aus.
„Der Zölibat führt zu reiner Menschlichkeit“Im Punkt sechs wünscht
sich der Papst die Jahre im Seminar als eine Zeit des menschlichen Reifens.
In diesem Zusammenhang spricht
er über die „Integration der Sexualität ins Ganze der Persönlichkeit“.
Als Beispiel einer zerstörerischen
Geschlechtlichkeit nennt der Papst gebetsmühlenhaft die in der Kirche seltenen Fälle von Homo-Schändungen:
„In letzter Zeit haben wir mit großem Bedauern feststellen müssen, daß Priester durch sexuellen Mißbrauch
von Kindern und Jugendlichen ein Zerrbild ihres Amtes abgegeben haben.“
Benedikt XVI. bedauert erneut
„mit tiefem Schmerz“ die seltenen Fälle.
Gottlob würden von ihrem Glauben geformte Priester zeigen,
daß man gerade auch im Zölibat zu wirklicher, reiner und reifer Menschlichkeit kommen kann.
Altliberale
Gemeinschaften als Gabe Gottes?Im letzten Punkt spricht der Papst über die Entscheidung zum Priestertum.
Sie reife heute oft durch Erfahrungen in den sogenannten „Neuen Bewegungen“ der 70er und 80er Jahre:
„Die Movimenti sind eine großartige Sache.“
Der Papst schätzt die neokonservativ-altliberalen Bewegungen
als „Gabe des Heiligen Geistes an die Kirche“.
Doch er will die Bewegungen daran messen, „wie sie alle
auf das gemeinsame Katholische“ offen sind.
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