09:56:18 | Dienstag, 19. Oktober 2010

Pater Hanspeter Schmitt auf der Webseite der Hochschule Chur
(kreuz.net) „Mit der Zölibatsvorschrift für Priester der lateinischen Kirche scheinen heute nahezu alle
Beteiligten überfordert zu sein“.
Das behauptet der Zivilkarmelit, Pater Hanspeter Schmitt, in einem
Beitrag, der auf der Webseite der ‘Theologischen Hochschule Chur’ veröffentlicht ist.
Die Hochschule
befindet sich im gleichen Gebäude wie das Priesterseminar der Diözese Chur. Pater Schmitt unterrichtet
dort Moraltheologie.
Für die Hochschule ist Bischof Vitus Huonder von Chur verantwortlich. Er beauftragte
den aus Aschaffenburg stammenden Geistlichen im November 2007 mit der Ausbildung seiner zukünftigen Priester.
Mangelhafte ArgumentationslagePater Schmitt bemüht sich, den Teufel an die Wand zu malen. Wegen des
Zölibats würden den Pfarreien „reihenweise“ angeblich fähige Priester und Pfarrer verlorengehen.
Die
existierenden Priester würden sich entweder mit dem Zölibat schwertun oder – wenn nicht – unter allgemeinem
Verdacht stehen, „zu einer menschlich »verkorksten«, zumindest aber sexuell unbefriedigten »Kaste«
zu gehören.“
Der Karmelit stellt den Zölibat als „römisch-kuriale Marschroute“ hin.
Er behauptet
sogar eine „mangelhafte Begründungslage“ für den im Evangelium gut begründeten Zölibat.
Zur Untermauerung
seiner Behauptung instrumentalisiert er einen Rattenschwanz altliberaler Prälaten:
„Allein in den deutschsprachigen
Ortskirchen haben zahlreiche Bischöfe wie Robert Zollitsch (Freiburg), Ludwig Schick (Bamberg), Franz-Josef
Bode (Osnabrück), Heinz-Josef Algermissen (Fulda), Hans-Jochen Jaschke (Hamburg), Thomas M. Renz (Stuttgart-Rottenburg),
Christoph Card. Schönborn (Wien), Manfred Scheuer (Innsbruck), Ludwig Schwarz (Linz), Alois Kothgasser
(Salzburg), Kurt Koch (Basel), Norbert Brunner (Sitten), Markus Büchel (St. Gallen) sowie Abt Martin
Werlen (Einsiedeln) öffentlich betont, daß der Zölibat für das Priesteramt weder theologisch noch
kirchenrechlich zwingend sei.“
Der verheiratete Petrus hat „alles verlassen“Die deutlichen Aussagen
des Evangeliums zugunsten des Zölibates redet Pater Schmitt klein. Dabei weiß er auch von „Diakoninnen“
der Urkirche:
„Von den Diakoninnen, Diakonen, Presbytern und Episkopen der Urkirche weiß man zudem,
daß sie mehrheitlich verheiratet waren, und was die von Jesus erwählten Apostel angeht, kann man dies
nach Mk 1,29ff par zumindest von Petrus mit Sicherheit sagen.“
Doch genau dieser sagt zu Jesus, daß
er „alles verlassen“ hat und Christus nachgefolgt ist.
Der Karmelit versucht dem Zölibat Argumente der
kultischen Reinheit, einer sexualitäts- und leibfeindlichen Philosophie oder des mittelalterlichen Besitzerhaltes
zu unterstellen.
In das wichtige Argument des Zölibats als Lebenshingabe an Christus projiziert er einen
„Gegensatz zwischen Christus- und Menschenbeziehung“. Außerdem unterstellt der Zölibatsbeschimpfer eine
„Minderbewertung ehelicher Bindung“ durch den Zölibat.
Das Eheleben ist kinderleichtIn verschnörkelten
Sätzen warnt Pater Schmitt, daß sich eine „zuerst als hinreichend akzeptierte Zölibatsnorm“ später
zum „Teil eines unerträglichen existentiellen Notstands“ entwickeln könne, auf den der Zölibatäre
nicht vorbereitet und dem er auf Dauer nicht gewachsen sei.
Doch ein solches Horror-Szenarium kann man
für jede Lebensentscheidung konstruieren – noch viel verschärfter für die Ehe und für die von ihr
gesetzten Fakten.
Der Karmelit geht in seiner Schwarzmalerei von einer Opfer-Anthropologie aus, die den
Menschen als passiven Spielball übermächtiger Umstände und nicht als freien, aktiven und selbstbestimmenden
Gestalter seines Lebens und seiner Nöte versteht.
Die christliche Ehe hält der Geistliche für den
leichteren Weg.
Zwar meint er noch paritätisch, daß sich der Priesterberuf auf der Basis einer „partnerschaftlichen
Ehe und Liebe genauso zeichenhaft und theologisch fundiert“ gestalten könne wie auf der „Basis einer
personal übernommenen, reif gelebten Entscheidung für den Zölibat“.
Doch dann wiederholt er, daß
der Zölibat „zu einer massiven, menschlich kaum vertretbaren Belastung des gemeindlichen Lebens und der
kirchlich handelnden Personen geworden“ sei.
„Partnerschaftliche Ehe und Liebe“ versus „massive, menschlich
kaum vertretbare Belastung“ des Zölibates: Die Welt von Pater Schmitt ist simpel.
Denn in Wahrheit ist
heute jede Form persönlicher Bindung belastet – die Ehe leider noch um ein zigfaches stärker als der
Zölibat.
Das zeigt sich auch statistisch. Der Zölibat ist heute als Lebensentwurf – leider – um ein
vielfaches stabiler als die Ehe.
Dank sei Gott für die „verheerenden Mißbrauchstaten“Der fromme Pater
zieht alle Register.
Mit Blick auf die bischöfliche Eitelkeit spricht er von einem „hohen öffentlichen
wie internen Glaubwürdigkeitsverlust“ der Kirche wegen ihres konsequenten Festhaltens am Zölibat.
Das
stimmt. Doch die Abschaffung des Zölibats wird bei weitem nicht genügen, um diesem Glaubwürdigkeitsverlust
Herr zu werden.
Die Kirche wird von der Welt erst dann Ansehen erhalten, wenn sie sich selber auflöst.
Pater Schmitt klopft noch einige weitere Stammtisch-Sprüche:
Der Zölibat werde nicht gehalten, er
ziehe Personen mit unausgereiften oder devianten Sexualitätsmerkmalen vermehrt an, „so daß damit – wenn
auch nicht zwangsläufig – verheerenden Mißbrauchstaten Vorschub geleistet würde.“
Dahingeworfene Behauptungen
ohne solide Beweise – eine magere Ausbeute für einen Professor.
Das Problem sind die GläubigenSogar
einen „eucharistischen und pastoralen Notstand“, der die Pfarreien um ihr „Recht“ auf die neugläubige
Eucharistiefeier bringe, schiebt Pater Schmitt dem Zölibat in die Schuhe.
Damit beweist er, wie weit
entfernt er von der kirchlichen Wirklichkeit ist.
Denn der gegenwärtige pastorale Notstand deutet genau
in die entgegengesetzte Richtung.
Die Anzahl der zelebrierten Heiligen Messen ist nach dem Zweiten Vatikanum
massiv zurückgegangen. Dennoch werden die Gläubigen im Bereich der protestantisierenden Konzilskirche
immer weniger und immer älter.
Bei den Evangelischen ist dieses Phänomen – trotz zölibatsfreier Rekrutierung
der Prediger – noch viel ausgeprägter.
In weiten Teilen jener Gebiete, wo man am heftigsten gegen den
Zölibat schimpft, wird schon in den nächsten Jahren der Zustand erreicht, daß es mehr Priester als
funktionierende Seelsorgestellen gibt.
Wenn dann zwangsläufig die Kirchensteuer fällt, würde die Fatalität
einer Abschaffung des Zölibates auch für jene sichtbar, welche die geistlichen und theologischen Gründe
für den Zölibat heute nicht fassen können.
Das hat sogar der Krawatten-Erzbischof Albert Rouet von
Poitiers
eingestehen müssen.
Er könne sich durchaus vorstellen, morgen zehn verheiratete Männer –
die er bereits kenne – zu Priestern zu weihen – erklärte er im vergangenen April vor der französischen
Tageszeitung ‘Le Monde’.
Nur: „Ich könnte sie nicht bezahlen.“
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