11:03:33 | Mittwoch, 20. Oktober 2010
Seit Leo XIII. hat sich an der verlogenen Menschenrechts-Ablenkungsstrategie der Kirchenfeinde nichts geändert.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf einem Pressebild seines Bistums Limburg
(kreuz.net) In seiner Rede zum Tag der deutschen Einheit erklärte der deutsche Bundespräsident Christian
Wulff, daß der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehöre.
Der Limburger Bischof, Mons. Franz-Peter
Tebartz-van Elst, antwortete ihm im Straßenmagazin ‘Focus’ mit der Behauptung, daß es in Deutschland
angeblich eine „christliche Leitkultur“ gebe.
Das wichtigste Beweisstück dafür sei „unsere
Rechtsstaatlichkeit
und
Rechtsauffassung“.
Diese würden sich einem „christlichen Menschenbild“ verdanken.
Das sei im Islam
anders: Das Verhältnis des Islam zu den sogenannten universalen Menschenrechten und zu „unserem Rechtsstaat“
sei weithin ungeklärt.
Die Menschenrechte sind nur ein TrickAm letzten Freitag konnte Redakteur Patrick
Bahners (43) in der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ sein Erstaunen über die bischöflichen Worte nicht
unterdrücken:
„Das hält dem Islam der Funktionär einer Kirche vor, die fast zweitausend Jahre alt
ist und ihr eigenes Verhalten zu den universalen Menschenrechten vor genau fünfundvierzig Jahren geklärt
hat“.
Bahners hat Recht. Die Kirche hat mit dem heuchlerischen Konzept der Menschenrechte nichts am Hut,
das von massenmörderischen Revolutionären als ideologisches Konstrukt im Kampf gegen das Christentum
erfunden wurde.
Im Geist dieser Schlächter wird inzwischen die Abtreibungsgewalt – nicht ohne Folgerichtigkeit –
als „Menschenrecht“ bezeichnet.
Zurecht verwarf Papst Leo XIII. († 1905) darum die Glaubens-, Rede-,
Lehr- und Pressefreiheit.
Diese widersprechen der Vernunfteinsicht, daß die Lüge nicht das gleiche
Recht – oder sogar mehr Rechte – haben kann als die Wahrheit.
Wer die von Leo XIII. dargelegte Binsenwahrheit
nicht leugnet, wird von Menschenrechtler Bahners als „Verfassungsfeind aus christlicher Überzeugung“
niedergemäht.
In der DDR war die Brandmarkung als „Klassenfeind“ gebräuchlich.
Immerhin gesteht Bahners
ein, daß das ideologische Konzept der „Menschenrechte“ antikirchlich ist:
„Ist es schon so weit, daß
die Kirchenvertreter als säkulare Musterschüler auftreten können?“ – legt er den Widerspruch zwischen
Kirche und Welt offen.
Der Mißbrauchs-Hoax fürchtet die staatlichen GesetzeBahners streut erwartungsgemäß –
und ohne viel Zusammenhang – den Hinweis auf den inzwischen institutionalisierten Mißbrauchs-Selbstläufer
in seine Suppe:
„Im Mißbrauchsskandal hat es die katholischen Bischöfe soeben noch erhebliche Mühe
gekostet, den Eigensinn weltlicher Rechtsverfahren und das Interesse der Mitbürgerschaft an institutioneller
Transparenz anzuerkennen.“
Wovon redet Bahners? Bei dem Mißbrauchs-Hoax wurde der „Eigensinn weltlicher
Rechtsverfahren“ gerade nicht berücksichtigt, sondern ohne Rechtsverfahren vorverurteilt.
Die Bischöfe
überschlugen sich mit Stellungnahmen, in denen sie beteuerten, sich bei der angeblichen Aufarbeitung
von Mißbrauchsfällen nicht an die Vorschriften des staatlichen Rechts halten zu wollen.
Und die „institutionelle
Transparenz“ wird bei Mißbrauchs-Fällen von den um ihren Ruf besorgten, eingeschüchterten Bischöfen
bis zum absoluten Exzeß getrieben.
Die Kritiker vertragen keine KritikDann kommt Bahners auf die vernichtenden
Erfahrungen des Zweiten Vatikanischen Untergangskonzils zu sprechen:
„Darüber, wie eine Religion sich
durch die subtilen Zwänge permanenter Reibung mit der weltlichen Öffentlichkeit öffnet und wandelt,
könnten Katholiken Muslimen viel erzählen.“
Doch gönnerhaft bezweifelt er, ob dem Limburger Bischof
für die Weitergabe dieser Erfahrungen eine theologische Sprache zur Verfügung stehe.
Denn Mons. Tebartz-van
Elst ist für ihn ein ganz Böser: „Er ist im deutschen Episkopat einer der entschiedensten Verteidiger
Benedikts XVI.“.
Der Papst – ebenfalls ein ganz Böser – neige in seinem Pontifikat dazu, „das Verhältnis
von Kirche und Gesellschaft unter kulturkritischen Prämissen der Desintegrationsangst zu behandeln.“
Damit zerstört Bahners den letzten Zweifel, daß die Kirchenkritiker keine Kritik vertragen.
Ungewisse
WerteBahners jammert, daß die deutsche Leitkulturdebatte an einem eklatanten „Phantasiemangel“ leide.
Er zitiert dabei die hinterlistige Frage, wie man sich die „Verwandlung religiöser Gewißheiten“ in –
wie sich Bahners ausdrückt – „kulturell ausstrahlende und fortwirkende Werte“ eigentlich vorzustellen
habe.
Damit sagt er, daß sich die ewigen Gewißheiten und die von ihm gepriesenen „Werte“ widersprechen.
Freilich sind ungewisse Werte soviel wert wie die toxischen Papier der Banken.
Jüdisches Schattenboxen
Zu Recht ereifert sich Bahners – wenn auch etwas überhitzt – über die rhetorische Frage des Bischofs:
„Was könnte der Islam denn beitragen, was das Christentum und das Judentum nicht bereits geleistet haben?“
Es ist eine Binsenwahrheit, daß „das Judentum“ in Deutschland die Stellung der Heiligen Kühe in Indien
einnimmt.
Folglich ist jede Aussage, die dem Judentum etwas Positives zuschreibt, in Deutschland unangreifbar.
Bahners entschärft diese gefährliche Mine, indem seine Kritik an den Worten des Bischofs mit einer
Papstbeschimpfung impft.
Denn die Katholiken sind im HS-Deutschland würdige Nachfolger der Juden.
Der
Journalist formuliert so: „Bestürzt über die kaum heilig zu nennende Schlichtheit, liest man eine rhetorische
Frage im Stil des von Benedikt XVI. in Regensburg zitierten byzantinischen Kaisers“.
Das Zweite Vatikanum
ist islamfreundlichEs fällt Bahners zu Recht auf, daß die Islam-Aussage des Bischofs „hinter das Konzil“
zurückfällt.
Denn die Konzilserklärung ‘Nostra Aetate’ wünsche sich das gemeinsame Eintreten von
Christen und Muslimen „für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und
nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen“.
Dabei rechne sie offenkundig damit,
„daß dabei auch die muslimische Frömmigkeit der vorbehaltlosen Unterwerfung unter den Willen Gottes
als Ferment nützlich sein kann“ – folgert Bahners.
Man kann ihm schwer widersprechen.
Die christliche
Leitkultur ist im Kern AtheismusBahners erinnert daran, daß der Anspruch der Kirchen, die Gesellschaft
zu repräsentieren, in Deutschland ständig an Plausibilität verliert:
„Verlockend, daß Bischöfen“ –
die von Religion alleine gelangweilt sind – „in dieser Lage die Schirmherrschaft über den Wertewandel
angetragen wird!“ – spöttelt er.
Aber: „Was die neuen Freunde, die ungläubigen Wiederentdecker des
Abendlandes, unter christlicher Leitkultur verstehen, das ist im Kern die Säkularität, die Trennung
von Staat und Kirche.“
Der Journalist denkt diesen richtigen Gedanken zu Ende.
Dabei eröffnet sich
ein Abgrund: „Dann wäre auch die aus unserer Rechtsauffassung konsequent folgende Abtreibungsfreiheit
eine christliche Errungenschaft – nur in kultureller Betrachtung, natürlich.“
Die Zivilreligion droht
Antiislamische Untergriffe des Limburger Bischofs – zum Beispiel: „Manchen muslimischen Frauen die Freiheit
vorenthalten wird“ – verleiten Bahners zu Antworten der gleichen Preisklasse:
„Was ist denn mit der Freiheit,
der priesterlichen Berufung zu folgen, die allen katholischen Frauen vorenthalten wird – durch als unveränderlich
ausgegebenes Recht?“ – kontert er.
Der Journalist zitiert Renate Jaeger – die deutsche Richterin am umstrittenen
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.
Ihrer Ansicht nach empfinden die Straßburger Richter –
ganz im verstaubten Geiste der Jakobiner – „Menschenrechte als etwas von der Religion Getrenntes“.
Mit
anderen Worten: Seit Leo XIII. hat sich auf der Front der Kirchenfeinde nicht viel geändert.
Darum kann
Bahners mit einer offenen Drohung enden:
„Wenn der Bischof von Limburg glaubt, der Rechtsstaat werde
katholische Ausnahmen von der Gleichbehandlung von Mann und Frau wegen vergangener kultureller Verdienste
der Kirche ewig dulden, unterschätzt er die Dynamik der Zivilreligion des Menschenrechtsuniversalismus.“
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