Am Pfingstsonntag veröffentlichte die Schweizerische ‘Sonntagszeitung’ ein Interview mit dem Noch-Generalsekretär der Schweizer Bischofskonferenz. Das Thema kam natürlich auch zur Sprache.
(kreuz.net, Zürich) Generalsekretär Agnell Rickenmann ist noch solange im Amt, bis ein Nachfolger für
ihn bestimmt ist. Ursprünglich stammt er aus dem Kanton St. Gallen in der Ostschweiz.
Der Journalist
beginnt das Interview mit einer persönlichen Kurzansprache und erklärt dem Priester, daß man mit schönen
Worten gegen Aids auf verlorenem Posten kämpfe.
Darauf kontert Rickenmann, daß die Kirche in Afrika
seit längerem erfolgreich mit dem ABC-Programm arbeite. „A“ steht für Abstinenz. Das bedeutet die Vermeidungen
von unangemessenen Kontakten außerhalb der Ehe. „B“ steht für Bleib treu. Und „C“ steht für Cellophan.
Letzteres dürfen nach dem ABC-Prinzip jene verwenden, denen Abstinenz und Treue – offensichtlich – zu
mühsam sind.
Auf die Frage, ob die Kirche durch Gummihüllen isolierte eheliche Akt erlaube, erklärt
Rickenmann unverblümt: „Im Notfall ja“.
An erster Stelle stünden allerdings Abstinenz und Treue: „Für
die Kirche ist die Bildung der Persönlichkeit und des Gefühlslebens grundlegend. Die Menschen sollen
eine moralische Haltung haben.“
Um größeres Übel zu vermeiden, sei ein Kondom aber zu verantworten –
zum Beispiel um ansteckende Krankheiten zu verhindern.
Der Geltungsbereich des ABC-Prinzips sei nicht
auf Afrika beschränkt: „Das ist ein Prinzip, das man überall anwenden kann. In ihrer Anschaulichkeit
und Einfachheit sind uns die Afrikaner voraus.“
Der eifrige Journalist macht den Generalsekretär aufmerksam,
daß der Sprecher der spanischen Bischofskonferenz im vergangenen Januar für ähnliche Aussage zurückgepfiffen
worden sei.
„Die Medien stürzten sich wie Geier auf seine Aussagen“ – bedauert Rickenmann: „Doch ich
gehe davon aus, daß er das Gleiche sagte wie ich jetzt. Vielleicht ist es Ihnen entgangen, doch der Papst
hat nie ein Wort zu diesem Thema gesagt.“
Rickenmann stützt sich auch auf Aussagen des päpstlichen
Haustheologen Georges Kardinal Cottier, ebenfalls ein Schweizer. Und überhaupt: „Wir wehren uns dagegen“ –
so Rickenmann –, „daß man uns die Verbreitung von Aids in die Schuhe schieben will.“
Die Jugendleiterin
in einer Schweizer Freikirche kritisierte Rickenmann in einer Stellungnahme. Das Kondom sei ein Freibrief
für den Ehebruch.
Aus den Worten Rickenmanns höre sie die folgende Botschaft durch: ‘Wenn der Mann
seiner Frau nicht treu bleiben kann, soll er sie wenigstens ‘sicher’ betrügen.’
Das Kondom und die Kondom-Mentalität
seien ein Hauptgrund für das Verhalten, das zur AIDS-Pest geführt hat – nicht deren Lösung.
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1 Lesermeinung
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#1 Petrus Radii 17:45:46 | Donnerstag, 19. Mai 2005
Unmoral Anscheinend ist der Rickenmann in der Theologie so gut ausgebildet, daß er nicht einmal die grundlegendsten
Prinzipien der Moral kenne. Man darf niemals etwas böses tun, um ein gutes Ziel zu erreichen. Wenn es,
wie mit Verhütungsmittel, um eine in sich schwere Sache geht, bleibt der Akt immer noch eine Todsünde.
Das Verderben der Seele scheint aber dem Rickenmann von keiner Bedeutung. Das gilt zweimal für den kaum
als Katholiken zu bezeichnenden Kardinal Cottier, dessen Aussagen in gewissen Fällen mindestens irreleitend
und eventuell ketzerhaft sind. Die Blinden führen die Blinden!