19:34:18 | Freitag, 29. Oktober 2010
Die Pensionisten-Fraktion ist schuld an der Einführung der neugläubigen Eucharistiefeier. Doch die Rückkehr der Alten Messe kann sie trotz Zeter und Mordio nicht verhindern.

© Matthew Doyle, Flickr, CC (kreuz.net) Kürzlich veröffentlichte die altliberalen Monatspublikation ‘Stimmen der Zeit’ einen langatmigen
Artikel über die Alte Messe.
Der Text trägt den Titel „Lobpreis der Alten Liturgie?“. Er stammt vom
emeritierten Münsteraner Kirchengeschichtler, Hw. Arnold Angenendt (76).
Er hat was gegen den ehrwürdigen
Römischen Kanon?Hw. Angenendt erwähnt zuerst Hoffnungen, die mit dem Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’
verbunden sind:
„Die Zustimmung geht hin bis zu der Erwartung, der alte Meßritus werde, wenn nur konsequent
und allgemein wieder praktiziert, die Kirchen neu füllen und auch die Jugendlichen zurückholen.“
Allerdings
habe es auch Befürchtungen gegeben, daß das Motu Proprio die nachkonziliare Liturgiereform und das Pastoralkonzil
in Frage stellen würde.
Dann legt sich Hw. Angenendt mit dem altehrwürdigen Römischen Kanon an.
Er
hält ihn – der in seinem Kern auf den Heiligen Petrus zurückgeht – für „weder organisch gewachsen noch
altehrwürdig“.
Der überlieferte Ritus stammt von Petrus
Papst Innozenz I. († 417) schrieb an den Bischof
von Gubbio über die Einheit der Kirche im Ritus: „Wer nämlich weiß nicht […],daß das, was vom Apostelfürsten
Petrus der Römischen Kirche überliefert worden ist und bis heute behütet wurde, von allen bewahrt werden
muß?“
Christus hat eine Opfermesse eingesetzt, keinen Brötchen-SegenIn dem Artikel zitiert Hw. Angenedt
ein sogenanntes Hochgebet aus der ‘Traditio Apostolica’ des Heiligen Hippolyt von Rom († 235).
Der zitierte
Text liege dem zweiten Hochgebet der Liturgiereform zugrunde – behauptet er. In Wahrheit ist das Zweite
Hochgebet im wesentlichen eine Neuformulierung.
Das hippolytische und ein gallikanisches Hochgebet würden
den Auftrag Christi „nicht als Opfer verstehen“ – erzählt Hw. Angenedt.
Bei den Wandlungsworten – „Jesu
Erinnerungsauftrag“ – handelt es sich laut dem Kirchengeschichtler um eine Aufforderung Christi „Brot
und Wein zu nehmen und um den Segen zu bitten“.
Dagegen zeige der – ältere – Römische Kanon mit der
Opferung des Leibes und Blutes Christi an Gott Vater eine „völlig neue“ Ausrichtung.
Hw. Angenedt redet
im Römischen Kanon mehrere „Brüche“ herbei. So gebe es dort eine angebliche „Tendenz, Bitten einzuschieben“.
Weiter behauptet er, daß es erst auf den Kirchenvater Ambrosius von Mailand († 397) zurückgehe, die
„Abendmahlsworte […] als konsekratorisch aufzufassen“.
Erst Ambrosius verstehe die Wandlung, die in
Wahrheit Christus eingesetzt hat, als eine Veränderung von „zuvor“ zu „danach“ – behauptet der Geistliche.
„Bevor die Konsekration vollzogen wird, ist es Brot; sobald aber die Worte Christi hinzugekommen sind,
ist es der Leib Christi“ – zitiert Hw. Angenedt den Heiligen Ambrosius.
Für den Kirchengeschichtler
ist es dagegen nur eine „Idee“, daß in der Messe dem Vater der Leib und das Blut des Sohnes geopfert
werden.
Eucharistiefeiern gibt es seit den 1970er JahrenHw. Angenedt will glauben machen, daß in den
ersten Jahrhunderten „Eucharistie“ gefeiert worden sei, während sich die „Messe“ erst im Frühmitttelalter
herausgebildet hätte.
Richtig erkennt er immerhin, daß sich im Römischen Hochgebet die ganze Meßtheologie
findet.
Er bedauert, daß die Meßtheologie des Römischen Hochgebets „so tief ins allgemeine Bewußtsein
eingegangen sind, daß aus dieser Sicht bei der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums auch die neuen Hochgebete
gestaltet“ wurden.
Die Messe ist nicht zu verstehenFür den altliberalen Geistlichen ist der Römische
Kanon auch ein „Gebetsproblem“.
Man brauche angeblich „liturgiegeschichtliche Spezialkenntnisse“, um
den Kanon – der in der Kirche vom Priester immer leise gebetet wurde – zu „verstehen“.
„Es heißt doch
das Evangelium auf den Kopf stellen, wenn das Zentralgebet der Eucharistie allein den Weisen und Klugen
zugänglich wäre, den Unmündigen aber verschlossen bliebe.“
Hw. Angenedt kritisiert auch die Hostien.
Er möchte ein „Brotbrechen“, so daß alle Gläubigen an einem Brot teilhaben.
Das Teilhaben „an dem
einen Brot“ versteht er als „die primäre Bedeutung“ der Eucharistiefeier.
Schließlich kritisiert er
noch „die Hervorhebung der Sühnewirkung des Meßopfers gegenüber der Mahlfeier“. Das habe ein solches
„Übergewicht“ erhalten, „daß im katholischen Europa des 18. Jahrhunderts jährlich gegen hundert Millionen
gestiftete ‘Seelenmessen’ zelebriert wurden“.
Was daran schlecht war, erklärt er nicht.
Schließlich
möchte Hw. Angenedt auch die sakrilegische Handkommunion in die Alte Messe einführen.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.