Als Franz Kardinal König Erzbischof von Wien war, wandte sich der damalige Nuntius in Österreich, Erzbischof Mario Cagna, in einem Schreiben an das Staatssekretariat in Rom. Ein einziger kommt darin gut weg.
(kreuz.net, Wien) Ein Artikel auf der Homepage des Österreichischen Rundfunk berichtet, daß angeblich
ein vatikanisches Geheimdokument aufgetaucht ist. Es handelt sich um einen Bericht über die kirchliche
Situation in der Alpenrepublik in den Jahren 1976-1985.
So geheim scheint der Bericht allerdings nicht
zu sein. Denn das Dokument ist seit über einem Jahr in einer Biographie über Nuntius Cagna publiziert.
Die Lebensgeschichte des Nuntius wurde von den italienischen Historikern Alberto Melloni und Maurilio
Guasco unter dem Titel „Un diplomatico vaticano fra dopoguerra e dialogo“ – „Ein vatikanischer Diplomat
zwischen der Nachkriegszeit und dem Dialog“ herausgegeben.
Das Dokument über die traurige Lage der Kirche
in Österreich wurde vom damaligen Apostolischen Nuntius verfaßt und an den früheren Kardinalsstaatsekretär
Agostino Casaroli adressiert.
Der inzwischen verstorbene Nuntius kritisiert im Bericht vor allem die
liberalen und entscheidungsscheuen österreichischen Bischöfe. Sie hätten die reine Lehre verraten und
glänzten in der Öffentlichkeit durch ihr feiges Verhalten.
Die österreichischen Bischöfe seien gegenüber
Theologen, pastoralen Gremien und Journalisten zu vorsichtig und zurückhaltend. Sie zeigten selten Festigkeit
in ihren Positionen und ließen den Mißständen ihren freien Lauf.
Nicht nur die Hirten empfand der
frühere Nuntius als problematisch.
Dem Erzbischof machte auch die religiöse Erziehung und die aufdringliche
Haltung der Laien Sorgen: Der Religionsunterricht sei zu theoretisch. Besserwisserische Laien würden
ihren Bischöfen das Leben schwer machen, berichtet der Nuntius.
Namentlich erwähnt Erzbischof Cagna
den mittlerweile emeritierten Salzburger Liturgieprofessor, Franz Nikolasch, als papstkritisch.
Weiter
tauchen die in Salzburg und Innsbruck lehrenden Moraltheologen Hans Rotter, Alfons Riedl und Günther
Virt in der Reihe der theologischen Eigenbrötler auf. Günther Virt ist der gegenwärtige Moraltheologe
der Universität Wien.
Seine Kollegen aus der Pastoraltheologie, Wilhelm Zauner und Michael Zulehner,
werden ebenfalls als nicht tragbare Kandidaten genannt. Prälat Wilhelm Zauner war der damalige Pastoraltheologe
der Universität Linz. Paul Michael Zulehner hat gegenwärtig den Lehrstuhl für Pastoraltheologie an
der Universität Wien inne.
Auch über das Familienreferat der Erzdiözese weiß der Nuntius nichts Gutes
zu berichten.
Die Hirten hätten versagt, weil sie gegen die genannten Personen nicht durchgreifen würden.
Namentlich Kritik übte der Nuntius am ehemaligen Erzbischof von Salzburg, Mons. Karl Berg:
„Es scheint
unglaublich, daß unleugbar gute und fromme Hirten sich nicht nur von irregeleiteten und rebellischen
Professoren, Priestern und Laien überspielen lassen, sondern sie auch noch auf verantwortungsvollen Posten
tolerieren, sie ernennen und sich auf sie verlassen“, berichtet der Nunius dem Kardinalstaatssekretär.
Gleichzeitig würden jene, die den Papst und die Hierarchie unterstützen, in die Verbannung geschickt.
Nur ein Professor wird vom Nuntius lobend erwähnt. Der gegenwärtige Weihbischof der Erzdiözese Salzburg,
Mons. Andreas Laun. Er wirkte damals als Moraltheologe.
Am Ende seines Schreibens kommt Nuntius Cagna
zum Schluß: „Wenn man die aktuelle Situation betrachtet, dann darf man sich keine Illusionen über eine
rasche Genesung machen.“
Es werde Jahre brauchen sowie mutige und heilige Bischöfe, die mit Vorsicht,
aber Entschiedenheit und ohne Zögern die Strukturen erneuerten und Personen austauschten.
Email-Adressen der Empfänger
7 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kollegialität Entschuldigung aber wenn Bischöfe UND Modernisten ernennen und fördern UND Treue Katholiken
verfolgen, sind es keine „unleugbar gute Hirten“ wie der Nuntius sie nennt. Dann ist man Wolf im Schafspelz.
Die Zustände in Österreich sind auch so in den Niederlanden gewesen und noch immer und überall. Es
ist nich nur „Schwäche“ sondern öfters Hass gegen die Tradition, welche die Bischöfe motiviert so schlecht
zu handeln. Es gibt aber auch konservative Bischöfe die sich überumpeln lassen. Logisch: der Vatikan
ernennt keine Durchgreifende Konservativen Priester in die Bischofsfunktionen! Die Neo-konservativen Bischöfe
mussten wie der Vatikan sein: ruhig, ruhig, ruhig, und tatenlos. Die Kollegialität hat zudem das Absetzen
von Bischöfen verhindert.
Österreich = fast die ganze Welt Was hier berichtet wird, ist in fast der ganzen Welt zu beobachten.
Was aber besonders bemerkenswert ist, ist, daß die Päpste jener Jahren nicht nur nichts gegen den Zerfall
getan hatten, sondern vielmehr den Stürz in den Abgrund weitergeführt. Nun, aber, will man Johannes
Paul II. eilig heiligsprechen? Unvorstellbar! Beten wir inständig, daß Papst Benedikt XVI. die Fahne
Christi aufgreifen möge, und--unter Leitung des Hl. Geistes--omnia in Christo instaurare.
Österreich == Deutschland Die Lage in Deutschland ist ähnlich der Österreichs. Fast die gesamten Oberhirten
und Theologen des deutschsprachigen Raumes haben sich als wahrhaftige Luther-Nachfolger bewiesen und als
eifrige Zerstörer der römisch-katholischen Kirche. Eltern könnten schier verzweifeln angesichts dessen,
was Kinder in der Grundschule im sogenannten katholischen Religionsunterricht und im (ebenfalls nur sogenannten)
katholischen Kindergarten (unter der Oberaufsicht des Ortspfarrers!) „lernen“. Mandala-Malen in der Schule
gehört da noch zu den harmloseren Dingen (obwohl es das nicht ist). Wenn manche nachkonziliare Kuschel-Katholiken
den Anhängern der Tradition Polemik vorwerfen, so ist der ersten Gruppe nur noch nicht gedämmert – ganz
im Gegensatz zu den allermeisten mit der Tradition verbundenen Katholiken – was für grauenhafte Zustände
es in den kirchlichen Einrichtungen im deutschsprachigen Raum gibt und zwar fast flächendeckend. Gerade
Eltern, die ansehen müssen, wie ihre Kinder geistlich verdorben und der Kirche total entfremdet werden,
und zwar ausgerechnet von angeblichen Kirchen-Dienern, haben es so schwer. Der Brief Erzbischof Lefebvres
an die ratlosen Katholiken ist prophetisch. Der Herr läßt die Seinen nicht im Stich. Unsere Kinder besuchen
seit einigen Monaten den Katechismus-Unterricht der FSSPX. Dort wird die katholische Lehre auf einzigartige,
vorbildliche Weise nahegebracht. Ein Segen! Barmherziger Jesus Christus, wir vertrauen – weiter – auf
Dich.
Österreich=Schweiz Die beschriebene Situation in Österreich ist eins zu eins auf die Schweiz übertragbar.
Auch dort gab es und gibt es Bischöfe, die kuschten oder es noch tun. Und wenn doch mal einer aufsteht
und es auf den Punkt bringt, dann wird er abgeschossen, so wie es mit dem damaligen Churer Bischof Wolfgang
Haas war und wie es jetzt dem Basler Bischof Kurt Koch ergeht. Ein grosser Teil der Kinder bekommt keine
richtige Glaubensunterweisung mehr. Den Kindern wird ein protestantisches Verständnis des Abendmahls
übermittelt und der Beichtunterricht wird noch und noch abgeschaft. An seiner Stelle tritt der sog. Versöhnungsweg.
Da wählt jedes Kind eine ihm vertraute Person auf und macht sich auf den „Versöhnungsweg“. Am Ende gibt
es eine Versöhnungsfeier wo jedes Kind vom Priester (ohne Beichte) die Absolution erhält oder es wird
gleich allen miteinander die Generalabsolution gespendet. Vom Sakrament der Beichte wie es die Kirche
lehrt ist keine Spur mehr vorhanden. Das ist leider kein Witz, sondern bittere Realität. Immer mehr Pfarreien
übernehmen dieses Model und niemand scheint das stoppen zu können. Wo soll das noch enden?
Merkwürdige Behauptung „Wiener Kirchenkreise“ „Der Standard“ (Angabe eines genauen Links ist nicht möglich,
weil es nicht angezeigt wird) berichtet zu der Sache u. a. folgendes: „Der vom ORF-Radio zitierte Bericht
wurde vom italienischen Kirchenhistoriker Alberto Melloni vor zwei Jahren in einer Biografie über Cagna
veröffentlicht. Der Text stammt aus dem Nachlass des Nuntius. In Wiener Kirchenkreise wurde auf APA-Anfrage
erklärt, es werde vermutet, dass Cagna diesen Abschlussbericht nach seinem Rücktritt als Nuntius in
Österreich nie nach Rom geschickt habe. Cagna sei am Ende seiner Amtszeit mit den vatikanischen Vorgesetzten
„über Kreuz“ gewesen. (APA)“ Die Behauptung betreffend die Nichtübermittlung des Abschlußberichtes
von Msrgr. Cagna aus „Wiener Kirchenkreisen“ ist höchst seltsam!
Zur Situation in Oesterreich Was der damalige Nuntius über die Situation der Kirche in Oesterreich nach
Rom berichtet hat, erstaunt mich in keiner Weise, stand doch damals Franz Kardinal König, ein Mitglied
der rheinische Allianz an ihrer Spitze. Dieser Mann wusste sich dadurch auszuzeichnen, dass er seine schützende
Hand über einen Mann ausbreitete, dessen verheerende Wirkungen bis auf den heutigen Tag in der Konzilskirche
erkennbar sind. Dieser Mann hiess Karl Rahner.