17:48:54 | Dienstag, 26. Oktober 2010
Der Päpstliche Delegat für die Legionäre Christi hat einen Brief an die Gemeinschaft publiziert.

Webseite der ‘Legionäre Christi’
(kreuz.net) Der Päpstliche Delegat für die Legionäre Christi, Erzbischof Velasio De Paolis (75), hat
sich am 19. Oktober mit einem langen Brief an die Ordensgemeinschaft und an die Laienbewegung Regnum Christi
gewandt.
Das Schreiben wurde am 23. Oktober auf der Webseite der Legionäre veröffentlicht.
Erzbischof
De Paolis ist Präsident der Präfektur für Ökonomischen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls. Er wurde
von Papst Benedikt XVI. am 16. Juni zum Päpstlichen Delegaten für die Legionäre Christi ernannt und
am 20. Oktober zum Kardinal erhoben.
Der Erzbischof schreibt, daß er die Kongregation auf einen „Weg
des Wandels in der Kontinuität des Lebens“ führen will:
„Es läßt sich in der Tat nicht leugnen, daß
nicht wenige Dinge nach einer ernsthaften Abwägung geändert oder verbessert, andere, und zwar die wesentlichen,
die das Ordensleben und das Priestertum betreffen, bewahrt und gefördert werden müssen.“
Die vier Berater
Der Brief hat vier Teile. Im ersten Teil geht der Erzbischof dann auf seine Funktion als Delegat für
die Legionäre ein:
„Mit der Ernennung des Päpstlichen Delegaten wird die Legion nicht unter die Aufsicht
eines »Kommissars« gestellt, sondern sie wird vom Päpstlichen Delegaten auf ihrem Weg begleitet.“
Er erinnert auch daran, daß der Papst die aktuellen Oberen bestätigt hat.
Dann stellt er die ihm vom
Vatikan an die Seite gestellten vier Berater vor. Es handelt sich um:
• Bischof Brian Farrell (66),
den Sekretär des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, der selber Mitglied der Legionäre
Christi ist,
• den Kirchenrechtler an der römischen Jesuitenuniversität Gregoriana, Pater Gianfranco
Ghirlanda
• den Kirchenrechtler und römischen Bischofsvikar für das Ordensleben, Pater Agostino Montan,
• den Generalvikar der Diözese von Cremona, Prälat Mario Marchesi, der von 1991 bis 1999 bei den
Legionären Kirchenrecht unterrichtet hat.
Die ersten drei vertreten eher eine reformatorische Linie.
Dagegen wird Prälat Marchesi nachgesagt, daß er als Vermittler zur Ordensleitung dienen wolle.
Es wird
nicht schnell gehenIm zweiten Teil des Briefes berichtet Mons. De Paolis von seinen Begegnungen mit
der Generaldirektion, dem Generaldirektor und den Territorialdirektoren der Legion.
Dabei wurden auch
Themen angesprochen wie die Gehorsamsstrukturen in der Legion, die Freiheit des Gewissens, die Rolle der
Beichtväter und der geistlichen Väter sowie die Beziehung zwischen den Oberen der Legion und dem Päpstlichen
Delegaten.
Es wurde auch die Schaffung dreier Kommissionen beschlossen. Sie werden sich mit der Revision
der Konstitutionen, mit Entschädigungsforderungen und mit ökonomischen Angelegenheiten befassen.
Der
Delegat erwähnt auch den Wunsch der Oberen der Legionäre, mit den Arbeiten schnell voranzukommen. Doch
er macht ihnen keine Hoffnung:
„Wir bestanden darauf, daß wir uns so viel Zeit wie nötig nehmen müssen.
Wir rechnen mit mindestens zwei oder drei Jahren, vielleicht sogar mehr.“
Was wußten die Verantwortlichen?
Im dritten Abschnitt wendet sich der Delegat einigen „spezifischen Punkten von größerer Bedeutung“
zu.
Zuerst geht er auf die Verantwortung der aktuellen Oberen im Zusammenhang mit dem Doppelleben des
Gründers der Legion ein:
„Mehrfach und von verschiedenen Seiten wurde darauf aufmerksam gemacht, daß
die Fehler des Gründers den aktuellen Oberen nicht hätten verborgen bleiben können. Durch ihr Schweigen
hätten sie also gelogen.“
Doch Mons. De Paolis wendet ein: „Wir wissen, daß diese Frage nicht so einfach
ist.“
Die verschiedenen Anklagen, die seit den 90er Jahren in Zeitungen veröffentlicht wurden, seien
wohlbekannt gewesen – auch den Oberen der Kongregation:
„Aber es ist etwas ganz anderes, Beweise dafür
zu haben, daß sie begründet sind, und noch viel mehr, Gewißheit zu haben.“
Diese Gewißheit hätten
sie „nur viel später und schrittweise“ erhalten: „In Fällen dieser Art ist die Kommunikation nicht einfach“ –
fügt der Delegat hinzu.
Widerstand vom Generalvikar?Am 25. Oktober behauptete der italienische Vatikanist
Sandro Magister, daß Erzbischof De Paolis ernsthaften Schwierigkeiten gegenübersehe.
Die Führungsgruppe
der Legionäre Christi sei angeblich nicht bereit, das Feld zu räumen.
Die Ordensleitung zeige keinen
Umkehrwillen. Sie bilde vielmehr eine Mauer und hindere die gesunden Elemente der Gemeinschaft hervorzutreten
und die Initiativen zu ergreifen.
Diese Kräfte würden auf eine Erneuerung hoffen und müßten weiterhin
individuell und kollektiv Hindernisse und sehr starke Druckversuch in Kauf nehmen.
Mitte September habe
Mons. De Paolis den mächtigen Generalvikar der Kongregation, Pater Luis Garza Medina, vergeblich aufgefordert
haben, seine Ämter niederzulegen.
Pater Garza ist Territorialdirektors für Italien, verantwortlich
für die geweihten Jungfrauen der Bewegung Regnum Christi, General-Studienpräfekt und Vorstand der wichtigen
Finanz-Holding Integer.
Zwischen dem Pater und dem Delegaten herrsche jetzt ein „eisiges Klima“.
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