18:37:38 | Montag, 1. November 2010
Wenn die Dame und die Dirne zusammenkommen, so wird eher die Dame zur Dirne, als umgekehrt. Von Edgar Julius Jung († 1934).

Mutterliebe
© stephenjohnbryde, CC(kreuz.net) Nur eine verderbte Phantasie sah in der Prostitution den Ausfluß besonders starker Erotik.
Denn wir wissen, daß die Dirne häufig geschlechtlich kalt ist, daß sie ihre entgeltliche Hingabe als
Beruf empfindet, daß Frauen dieser Art wohl in den meisten Kulturen vorhanden waren, die den Hang des
Mannes nach geschlechtlicher Abwechslung befriedigen, ohne die Ehe in ihrem inneren Wesen zu gefährden.
Die Weisheit des Mittelalters ordnete deshalb die Prostitutiertenwelt zunftmäßig der Gesellschaft ein.
Gewiß ist die Ausnutzung der Dirnen durch Bordellwirte schmachvoll. Es mag auch die polizeiliche Listenführung
das Gefühl der Abstempelung in der Dirne gestärkt und ihr damit die Rückkehr in die Gesellschaft erschwert
haben.
Aber gänzlich unangebracht ist das Jubelgeschrei des feministischen Lagers ob der „Abschaffung“
der Prostitution.
Derselbe Erik-Ernst Schwabach († 1938), der die Vermischung der Kasten als untergangsdrohend
für das Abendland empfindet, hält die Beseitigung der Schranke zwischen Müttern und Prostituierten
für erstrebenswert:
„Ein gegen die Prostitution gerichteter Kampf mußte sich in erster Linie gegen
staatliche Verordnungen richten, die unter fadenscheinigen sittlichen Vorwänden eine große Anzahl von
Individuen zum Zwecke der Lustbefriedung anderer Individuen versklaven.“
Also hat der „patriarchalische“
Staat die Prostituierten versklavt? Nicht ihre eigene Natur? Haben sich die Dirnen nicht immer selbst
versklavt?
Auch Luise Scheffen-Döring ist begeistert, daß „die einschneidendste Hemmung für die fruchtbare
Zusammenarbeit der Geschlechter beseitigt worden sei: die offizielle Anerkennung der doppelten Moral durch
die amtliche Listenführung der Prostitution“.
Eine merkwürdige Überschätzung rechtlicher Regelungen
spricht aus dieser Bemerkung. Hat sich doch am sozialen Zustande durch die Beseitigung der Listenführung
gar nichts geändert.
Der Mann, der früher den peinlichen Weg ins Bordell wagen mußte, wird heute bei
der Heimkehr zur ehelichen Wohnung von der Dirne abgefangen. Ihre Zahl hat sich ungeheuer vermehrt.
Ganze
Stadtbilder haben eine neue Prägung dadurch erhalten. Eine noch sehr junge Berliner Straßendirne aus
guter Familie äußerte einst, sie hätte sich diesem Berufe erst zugewendet, seitdem er ein ehrbares
Gewerbe wie jedes andere geworden sei.
So sieht die Abschaffung der Prostitution in der Wirklichkeit
aus. Was kümmert sich aber die blinde Doktrin um die rauhe Tatsache des Lebens?
Jede bedenkenlose Gleichstellung
und Vermischung führt zur Bedrohung des Wertvollen durch das Minderwertige.
Es ist gewiß nicht nötig,
die Berufsdirne in Acht und Bann zu tun. Aus welchem Grund aber muß sie alle Plätze zieren und in öffentlichen
Lokalen Seite an Seite mit jungen Müttern und Mädchen sitzen?
Wenn die Dame und die Dirne zusammenkommen,
so wird eher die Dame zur Dirne, als umgekehrt.
Solche Ansichten gelten natürlich als spießig. Sie
mögen es auch im einzelnen Fall sein. Hier geht es darum, das soziologische Gesetz aufzuzeigen.
Und
dieses lautet dahin, daß hemmungslose Freiheit nicht zum Siege des Guten, sondern des Schlechten führt.
Der moderne Individualist lächelt über eine Moral, die im Herkömmlichen wurzelt. Er sieht nur noch
die eingerosteten Formen und ahnt nicht mehr den Geist, der einst glanzvoll sie schuf.
Wer die hohle
Form anbetet, mag mit Recht der Lächerlichkeit anheimfallen. Die Pflicht aber bleibt bestehen, der Weisheit
alter Gesetze nachzuspüren und sie in neue Formen gießen. Das ist die zeitgemäße Aufgabe.
Aus „Die
Herrschaft der Minderwertigen, ihr Zerfall und ihre Ablösung durch ein Neues Reich“ (1930), dem Hauptwerk
des konservativen deutschen Juristen, Politikers und Publizisten Edgar Julius Jungs († 1934).
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bejorommer 20:17:06 | Montag, 1. November 2010
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matt3 19:04:23 | Montag, 1. November 2010