Gentechnik
In Korea kann man sich verdoppeln lassen
Ein koreanischer Biotechnologe hat ein makabres neues Rohmaterial hergestellt. Jetzt soll er bei deren industrieller Produktion sogar einen neuen Durchbruch erreicht haben.
(kreuz.net, Seoul) Schon im Februar 2004 produzierte der koreanische Biotechnologe Dr. Hwang Woo die ersten Zwillingsgeschwister. Deren Besonderheit: Der erste der zwei Zwillinge war oft schon seit Jahrzehnten auf dieser Welt.

Die Herstellung solcher verspäteter Zwillinge erfolgt in drei Schritten.

Im ersten Schritt entnimmt Dr. Hwang aus einer Frau eine weibliche Eizelle und entkernt die Zelle. Im zweiten Schritt besorgt er sich aus dem Körper eines Menschen, für den ein Zwillingsgeschwister produziert werden soll, einen Zellkern. Im dritten Schritt wird dieser Zellkern der entkernten Eizelle eingepflanzt.

Durch chemische Manipulationen bringt man die im Labor produzierte Eizelle dazu, sich zu teilen. Es beginnt damit die Entwicklung des kleinen Zwillings.

Wenn die Prozendur fachgemäß durchgeführt wird, entsteht bei der Verbindung von Eizelle und Zellkern ein neuer lebender Mensch, der körperlich mit dem Lieferanten des Zellkerns identisch ist.

Doch die Tage des Kleinen sind gezählt.

Schon nach drei oder vier Tagen wird er ans Messer geliefert. Dr. Hwang will nicht sein Leben, sondern seine jungen Zellen. Er hofft, diese für verschiedene Therapien an den bereits geborenen Zwillingsbrüdern und -schwestern einsetzen zu können.

Die ersten produzierten Zwillinge befriedigten den koreanischen Biotechniker nicht. Er hegte Zweifel, ob ihr Erbgut mit dem des erwachsenen Zwillings identisch war. Dr. Hwang befürchtete, daß Reste des Erbgutes der verwendeten Eizelle übriggeblieben waren.

Das aber hätte dazu geführt, daß die Kinderzellen bei der Einspritzung in den größeren Zwilling abgestoßen worden wären.

Jetzt aber scheint der Durchbruch gekommen zu sein. Das berichtete die Online-Ausgabe des Wissenschaftsjournals „Science“ am gestrigen Donnerstag.

Dem koreanischen Biotechnologen sei es gelungen, Zwillinge zu produzieren, die genau dasselbe Erbgut aufweisen wie ihre kranken, geborenen Zwillingsgeschwister.

Aus jungen Spenderinnen wurden nach gefährlichen Hormonbehandlungen insgesamt 185 Eizellen entnommen. Die Eizellen wurden entkernt und erhielten neue Zellkerne von Drittpersonen. Diese Zellkerne stammten aus der Haut von elf männlichen und weiblichen Patienten. Sie waren zwischen zwei und 56 Jahre alt.

Alle elf leiden an unheilbaren Krankheiten. Unter ihnen befinden Querschnittgelähmte und Zuckerkranke. Die Zellen ihrer getöteten Zwillingsgeschwister sollen den Patienten eingespritzt werden, um die entsprechenden Krankheiten zu heilen.

Davon ist man allerdings noch weit entfernt.

Wenn die betreffenden Krankheiten zum Beispiel auf einem Schaden in der Erbmasse beruhen, leidet der im Labor produzierte Zwilling natürlich auch daran. Das kann zum Beispiel bei Zuckerkranken der Fall sein. Schadhafte Kinderzellen sind für die Therapie untauglich.

Bei der Transplantation von Zwillingszellen ins Rückenmark ist gegenwärtig noch nicht klar, ob der Schaden größer sein wird als der Nutzen.

Immerhin. Seit Dezember 2004 werden Dr. Hwangs Menschenversuche vom koreanischen Staat unterstützt.
      
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