Kommentar
Das goldene Kalb benötigte eine WC-Ente
Die Geschichte vom Koran, der das WC hinuntergespült wurde, hat den selbstgerechten Westen heillos überfordert. Offensichtlich, weil man dort mit Religionsbeschmutzungen wenig Erfahrung hat. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Das US-Magazin Newsweek berichtete kürzlich von einer Koran-Schändung durch US-Soldaten. Im kubanischen Guantánamo sei mindestens ein Buch mit den Suren des Mohammed würdelos in die Fluten der Toilette hinuntergespült worden.

Der Bericht löste in islamischen Ländern blutige Unruhen aus. Im von den USA erlösten Afghanistan wurden bei Demonstrationen 15 Menschen getötet und über 100 verletzt.

Dann kam das Dementi. Vor einigen Tagen entschuldigte sich Mark Whitaker, der Herausgeber von Newsweek, für den Bericht. Der Gewährsmann des Magazins sei sich plötzlich nicht mehr sicher, ob seine Aussagen der Wahrheit entsprächen. Ein Aprilscherz Mitte Mai, also?

In seinem Klo-Bericht hatte sich das Magazin noch auf eine „gut unterrichtete“ Regierungsquelle gestützt. Angesichts der tödlichen Proteste und der Androhung eines Heiligen Krieges gegen die USA verwandelte sich die Quelle über Nacht in eine WC-Ente.

Die WC-Ente verspritzt jetzt – der Quelle ähnlich – ihren Inhalt, um den überraschend üblen Geruch der Toiletten-Geschichte so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen.

Wieder einmal war Amerika in Gefahr, seine mühsam aufgebaute Opferrolle loszuwerden. Ist doch das Konzentrationslager Guantánamo der Inbegriff des heiligen Krieges des guten Amerikaners gegen den bösen Moslem. Dieser Krieg verwandelt jede Lüge in eine Wahrheit – und umgekehrt. Wie Newsweek beweist.

Das leuchtende Symbol – um das die ganze Welt zu tanzen hat – ist das goldene Kalb, das die magische Ziffer 9/11 auf seiner haarigen Stirn trägt. Um ein Haar wäre es mit dem Koran die Toilette hinuntergespült worden.

Im letzten Augenblick verwandelte sich die Wahrheit, die 15 Tote – moslemische Untermenschen zwar, aber immerhin – verursachte, plötzlich in einen kleinen Presse-Irrtum, die Gedächtnislücke eines Informanten.

Wenn die leuchtende Lüge des goldenen Kalbes bedroht ist, dann muß die finstere Wahrheit geändert werden.

Mit dem moslemischen Aufschrei über die Klo-Geschichte hat niemand gerechnet. Offensichtlich hat der guten Westen den natürlich Abscheu gegen Religionsschändung verloren.

Denn bei uns gibt es gar keine Religionsschändung mehr. Sie wurde nämlich in den von der Kirche getrennten Ländern der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zusammen mit der Religion abgeschafft.

Das mußte so sein.

Denn die Religion ist mit ihrem Anspruch auf Allgemeingültigkeit der Feind des Hauptwertes, der „Toleranz“. Ein anderes goldenes Kalb. Brillante Köpfe haben es schon vor Jahrhunderten geboren. „Toleranz“ für alle – außer für den Feind der Toleranz, die Religion.

Wenn goldene Kälber bedroht sind, muß nicht nur der Koran, sondern jede Religion dran glauben.

Für goldene Kälber ist kein Opfer zu groß. Man gibt für sie Gut, Blut und Leben. Man zieht für sie in den Krieg. Man holt für sie jeden Gott aus dem Himmel.

Gott sei Dank sind die Katholiken gegen goldene Kälber.

Darum brauchen sie nicht zu opfern oder für die Religion ihr Bestes geben oder gar wie die Amerikaner in heilige Kriege zu ziehen. Selbst dann nicht, wenn ihr Allerheiligstes geschändet wird.

Glücklich der Katholik. Nicht einmal eine WC-Ente braucht er.
      
2 Lesermeinungen
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#2   methusalix †   01:48:57 | Samstag, 21. Mai 2005
katholische goldene Kälber
Leider kann ich der Aussage, Katholiken sind gegen goldene Kälber, nicht uneingeschränkt zustimmen.
Sie heissen nur anders. Papst Johannes Paul II. hat das erkannt und klar zum Ausdruck gebracht. Eines unserer goldenen Kälber, das er beim Namen genannt hat, war der Kapitalismus, wie er sich im Moment in der Welt zeigt.
Nachdem Leo XIII. in „Rerum Novarum“ schon dagegen gekämpft hat und nichts geschehen ist, eher das Gegenteil ist eingetreten, wage ich nicht zu hoffen, dass wir dieses goldene Kalb bald nicht mehr umtanzen.
Gelobt sei Jesus Christus!
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#1   Athanasius   23:19:33 | Freitag, 20. Mai 2005
Toleranz
Toleranz muss in einem bestimmten Masse aber sein.
Aber nicht falsche Toleranz die sagt, es kann keine Wahrheit geben.
Toleranz der Irrenden.
Keine Toleranz des Irrtums.
Zumindest ziehen die Katholiken nicht in den Krieg. Und tun nur wenig wirklich. Glücklicherweise haben wir die Sicherheit der Rache Gottes:
„Mea est ira, dicit Dominus Exercituum“
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