21:45:10 | Sonntag, 21. November 2010
Benedikt XVI.
In seinem Interviewbuch spricht Benedikt XVI. über viele Dinge, sogar darüber, daß die Bischöfe über bestimmte Probleme „ernsthaft“ nachdenken sollten: „Ich habe von Leuten gehört, welche die Kommunion in die Brieftasche stecken oder sie als irgendein Souvenir mitnehmen.“

Cover des Interviewbuchs „Licht der Welt“
(kreuz.net, Vatikan) Am kommenden Dienstag wird Erzbischof Rino Fisichella – der Präsident des Päpstlichen
Rates für die Neuevangelisierung – das neue Buchinterview mit Papst Benedikt XVI. vorstellen.
Es trägt
den Titel „Licht der Welt“ und wurde von dem Münchner Publizist Peter Seewald in diesem Sommer in Castel
Gandolfo durchgeführt.
Die deutsche ‘Katholische Nachrichtenagentur’ bezeichnet den Inhalt des Buchs
als „noch streng geheim“.
In Wahrheit macht der Text bei den Vatikanisten gerade die Runde.
„Nicht grundsätzlich
gegen die Handkommunion“Seewald spricht Benedikt XVI. auf seine Praxis an, die stehende Handkommunion
zu vermeiden.
Dazu erklärt der Papst, daß er mit der knienden Mundkommunion „ein Zeichen der Ehrfurcht
und ein Ausrufezeichen für die Realpräsenz“ setzen wollte.
Handkommunion:
„Ich habe die Handkommunion
selber auch gespendet und empfangen.“
Gerade bei Massenmessen bestehe eine Gefahr der Verflachung: „Ich
habe von Leuten gehört, die dann die Kommunion in die Brieftasche stecken, sie als irgendein Souvenir
mitnehmen.“
Benedikt XVI. will mit der Mundkommunion betonen: „Hier ist Er da, vor dem man auf die Knie
fällt. Achtet darauf! Es ist nicht bloß irgendein sozialer Ritus, an dem wir alle teilnehmen oder auch
nicht teilnehmen könnten.“
Dann bekennt er sich zur neugläubigen Buchhalter-Liturgie: „Ich bin nicht
grundsätzlich gegen die Handkommunion, habe sie selbst auch gespendet und empfangen.“
Benedikt XVI. –
der im Alten Ritus geweiht wurde – hat die Zeit der Handkommunion nur als Priester erlebt.
Versöhnung
mit der VergangenheitDer Papst betont, daß die Liturgie „nicht irgendwie selbstgebastelt“ werden dürfe:
„Liturgie ist eben keine Show, kein Theater, kein Spektakel, sondern sie lebt vom Anderen her. Das muß
auch deutlich werden.“
Alte Messe:
„Wir können nicht sagen: Vorher war alles verkehrt, jetzt ist alles
richtig; denn in einer Gemeinschaft, in der das Beten und die Eucharistie das Allerwichtigste sind, kann
nicht etwas ganz verkehrt sein, was früher das Allerheiligste war.“
Die neugläubige Eucharistiefeier
sei die „gültige Form“, wie die Kirche heute Liturgie feiere.
Er habe die vorangegangene Form vor allem
deshalb besser zugänglich machen wollen, damit der „innere Zusammenhang der Kirchengeschichte“ erhalten
bleibe:
„Wir können nicht sagen: Vorher war alles verkehrt, jetzt ist alles richtig; denn in einer Gemeinschaft,
in der das Beten und die Eucharistie das Allerwichtigste sind, kann nicht etwas ganz verkehrt sein, was
früher das Allerheiligste war.“
Bei der Rehabilitierung der Alten Messe ging es dem Papst um „die innere
Aussöhnung mit der eigenen Vergangenheit, die innere Kontinuität des Glaubens und Betens in der Kirche“.
Christus liebt den Ehebrecher – nur wenn er bereutDer Papst erinnert an die Mahnung Christi, daß die
christliche Ehe unauflösbar ist: „Dieses Wort können wir nicht manipulieren.“
Kinderschlachtung:
„Wie
viele Kinder werden getötet, die einmal Genies werden könnten, die der Menschheit Neues schenken, die
uns einen neuen Mozart schenken, die uns technische Einsicht schenken könnten?“
Das Evangelium gelte
auch, wenn es den heute gerade dominanten Lebensformen widerspreche:
„Die Pastoral muß suchen, wie sie
den einzelnen Menschen nahe bleibt und ihnen hilft, auch in ihrer, sagen wir, irregulären Situation an
Christus als den Heiland zu glauben, an seine Güte zu glauben, weil er immer noch für sie da ist, auch
wenn sie die Kommunion nicht empfangen können.“
Ehebrecher müßten anerkennen: „Ich bin zwar unterhalb
dessen, was ich als Christ sein sollte, aber ich höre nicht auf, Christ zu sein, von Christus geliebt
zu werden, und umso mehr bleibe ich in der Kirche, weil ich umso mehr von Ihm getragen werde.“
Die Abtreibung
ist die Tötung von MenschenDie mörderische Kinderschlachtung beraubt – so der Papst – die Gesellschaft
ihrer Hoffnung:
„Wie viele Kinder werden getötet, die einmal Genies werden könnten, die der Menschheit
Neues schenken, die uns einen neuen Mozart schenken, die uns technische Einsicht schenken könnten?“ –
verwendet er ein utilitaristisches Argument:
„Man muß einmal bedenken, welche Kapazität an Menschsein
hier zerstört wird – ganz abgesehen davon, daß ungeborene Kinder menschliche Personen sind, deren Würde
und deren Recht auf Leben wir zu respektieren haben.“
Nur die Todsünde ist nicht lebbarBenedikt XVI.
betont, daß die große Vision von Papst Paul VI. († 1978) in der Enzyklika ‘Humanae vitae’ richtig bleibe.
Die Geschlechtlichkeit werde beliebig, wenn man sie grundsätzlich von der Fruchtbarkeit trenne.
In
der Folge würden auch „alle Arten von Sexualität“ gleichwertig gemacht.
Der Auffassung, welche Kinder
nicht als natürliches Geschenk betrachtet, sei schnell die Gleichbewertung der Sodomie gefolgt:
Frauenordination:
„Die
Kirche hat keinerlei Vollmacht, Frauen zu weihen. Es ist nicht so, daß wir sagen, wir mögen nicht, sondern:
wir können nicht.“
„Die Perspektiven von ‘Humanae vitae’ bleiben richtig. Nun aber wiederum Wege der
Lebbarkeit zu finden, ist etwas anderes“ – scheint der Papst zu unterstellen, daß es leichter ist, in
der Todsünde zu leben.
Benedikt XVI. behauptet auch, daß die Kirche die
natürliche Empfängnisregelung
bejahe.
Es handle sich angeblich nicht nur um eine Methode der Kinderverhütung, sondern um einen „Weg“.
Dieser setze voraus, sich füreinander Zeit zu nehmen und in einer dauerhaften Beziehung zu leben.
Viel
Verständnis für verwirrte Abbruch-BischöfeZur Priesterehe erklärt der Papst, er könne verstehen,
daß „Bischöfe in der Verwirrung der Zeit auch darüber nachdenken“.
Schwierig sei, zu sagen, wie ein
Nebeneinander von Zölibat und Priesterehe überhaupt aussehen sollte.
Der Papst wünscht sich, daß
Priester „nicht irgendwo isoliert leben, sondern in kleinen Gemeinschaften beieinander sind“.
„Der Zölibat
ist immer ein, sagen wir, Angriff auf das, was der Mensch normal denkt; etwas, das nur realisierbar und
glaubhaft ist, wenn es Gott gibt und wenn ich dadurch für das Reich Gottes eintrete“ – fügt er an.
Frauenordination ist unmöglichDer Papst betont, daß alle Religionen zur Zeit Christi Priesterinnen
kannten.
Dagegen besitze die Kirche Gottes gemäß einer Formulierung von Johannes Paul II. „keinerlei
Vollmacht“ zur Frauenordination:
„Es ist nicht so, daß wir sagen, wir mögen nicht, sondern: wir können
nicht.“
Die Kirche beweise dadurch, daß sie kein Willkürregime ist: „Es gibt einen Willen des Herrn
für uns, an den wir uns halten, auch wenn dies in dieser Kultur und dieser Zivilisation mühsam und schwierig
ist.“
Für Frauen gebe es in der Kirche viele große, bedeutende Funktionen.
Keine Homos ins Priestertum
Zum Thema der Homo-Gestörten betont der Papst die alte Falschaussage, daß diese angeblich „Achtung
und Respekt“ verdienen würden.
Dabei vermeidet er fatalerweise die klare Unterscheidung zwischen einem
Homo-Gestörten, der seine Unzucht frech auslebt, und einem Menschen, der von Homo-Versuchungen geplagt
wird und diesen widersteht.
Der Papst bleibt auf der Ebene tiefster Abstraktion: „Wenn jemand tiefsitzende
homosexuelle Neigungen hat – man weiß bislang nicht, ob sie wirklich angeboren sind oder in frühkindlicher
Zeit entstehen –, wenn sie jedenfalls in ihm Macht haben, dann ist dies für ihn eine große Prüfung,
so wie einen Menschen auch andere Prüfungen belasten können.“
Pius-Bischof Williamson:
„Er war Anglikaner
und ist von den Anglikanern direkt zu Lefebvre übergegangen. Das heißt, er hat nie in der Großkirche,
nie in der Gemeinschaft mit dem Papst gelebt.“
Erst jetzt erwähnt er zaghaft, daß dies nicht bedeute,
daß die ausgelebte Sodomie moralisch richtig werde.
„Sie bleibt etwas, das gegen das Wesen dessen steht,
was Gott ursprünglich gewollt hat.“
Mit dem Priesterberuf sei die Homosexualität „nicht vereinbar“,
weil „ihre geschlechtliche Orientierung sie von der rechten Vaterschaft, von dem Inneren des Priesterseins
distanziert“.
Dann habe auch der Zölibat als Verzicht keinen Sinn: „Es wäre eine große Gefahr, wenn
der Zölibat sozusagen zum Anlaß würde, Leute, die ohnehin nicht heiraten mögen, ins Priestertum hineinzuführen.“
Darum müsse die Auslese der Priesterkandidaten sehr sorgsam sein:
„Hier muß größte Aufmerksamkeit
walten, damit eine solche Verwechslung nicht einbricht und am Schluß die Ehelosigkeit der Priester sozusagen
mit der Tendenz zur Homosexualität identifiziert würde.“
Homo-Perverse, die sich in Klöster und Klerus
eingeschlichen haben, bezeichnet der Papst als Teil der „Nöte der Kirche“.
Die Bischofsweihen durch
Erzbischof Marcel LefebvreAn zwei Stellen im Buch spricht der Papst über die Rücknahme der Exkommunikation
von Pius-Bischof Richard Williamson.
Darüber hätten sogar gelehrte Theologen „unglaublich viel Unsinn“
verbreitet.
Benedikt XVI. erinnert daran, daß die Pius-Bischöfe nicht wegen ihrer Kritik am Zweiten
Vatikanum exkommuniziert wurden.
Als Grund nennt er die Bischofsweihe im Jahr 1988, die ohne päpstliche
Zustimmung erfolgte: „Sie waren also exkommuniziert, weil sie gegen den Primat verstoßen hatten“ – stellt
Benedikt XIV. fest.
Eine analoge Situation herrsche in China. Auch dort würden Bischöfe ohne den päpstlichen
Auftrag geweiht und automatisch exkommuniziert.
Sobald ein solcher Bischof den Primat des Papstes anerkenne,
werde die Exkommunikation zurückgenommen:
Personalpolitik:
„Ich denke, Mut ist eine der Hauptqualitäten,
die ein Bischof und ein Kurienführer heute haben müssen.“
„So machen wir das in China – und hoffen,
dadurch langsam das Schisma aufzulösen –, und so verfuhren wir auch in den hier betroffenen Fällen.“
Es handle sich um einen normalen rechtlichen Vorgang.
Der Letztentscheid liegt bei den Holocaust-Propagandisten
Schon unter Johannes Paul II. habe eine Versammlung aller vatikanischen Leiter von Dikasterien beschlossen,
die Exkommunikation der Pius-Bischöfe zurückzunehmen, falls sie den Primat in einem Schreiben anerkennen.
Gleichzeitig erklärte der Papst, daß „unsere Pressearbeit versagt hat“.
Es sei nicht genügend erklärt
worden, warum die Pius-Bischof exkommuniziert waren und wieder davon losgesprochen werden mußten.
„Zu
allem Übel kam dann auch noch der Super-GAU mit Williamson hinzu, den wir leider nicht vorhergesehen
hatten, was ein besonders betrüblicher Umstand ist.“
Die Frage, ob er mit dem Wissen, „daß sich unter
den Bischöfen jemand befindet, der die Gaskammern der Nazis leugnet“, die Exkommunikation aufgehoben
hätte, verneint der Papst:
Substanzloser Religionsunterricht
„Die Bischöfe müssen ernsthaft nachdenken,
wie der Katechese ein neues Herz, ein neues Gesicht gegeben werden kann.“
„Dann hätte zunächst der
Fall Williamson abgetrennt werden müssen. Aber leider hat niemand bei uns im Internet nachgeschaut und
wahrgenommen, um wen es sich hier handelt.“
Mons. Williamson beschreibt der Papst als „eine besondere
Figur“.
Er sei „nie katholisch im eigentlichen Sinne“ gewesen: „Er war Anglikaner und ist von den Anglikanern
direkt zu Lefebvre übergegangen“.
Damit habe er nie in der Gemeinschaft mit dem Papst gelebt.
Opportunismus
ist leider die HauptqualitätSeewald fragt den Papst direkt, ob Personalentscheidungen seine Schwachstelle
sind.
Die Antwort: „Personalentscheidungen sind schwierig, weil niemand in das Herz des anderen hineinschauen
kann und niemand vor Täuschungen sicher ist.“
Darum bezeichnet sich der Papst bei Personalentscheidungen
als vorsichtig und ängstlich.
Er entscheide nur nach vielfältiger Beratung:
Altliberale
„Die neue kirchliche
Generation ist anders, sie ist positiver als die Durchbruchsgeneration der 70-er Jahre.“
„Ich glaube,
daß in den vergangenen Jahren doch auch eine ganze Reihe wirklich guter Personalentscheidungen geglückt
sind; auch im deutschen Episkopat.“
Benedikt XVI. glaubt, daß es bei den Ordensleuten angeblich „eine
Reserve von wirklich guten Leuten“ gebe:
„Ich denke, Mut ist eine der Hauptqualitäten, die ein Bischof
und ein Kurienführer heute haben müssen.“
Die Sechziger Jahre sind vorbeiIn Deutschland sieht Benedikt
XVI. eine „beträchtliche Schicht, die sozusagen darauf wartet, auf den Papst einschlagen zu können“.
Das sei eine Tatsache und gehöre zur Gestalt des Katholizismus in unserer Zeit.
Gleichzeitig bezeichnet
der Papst die 68er Generation als vergangen: „Die nächste Generation, die dann pragmatischer war, ist
auch schon wieder am Altwerden.“
Das ist nicht unbegreiflichAuch bei den Katholiken gebe es heute eine
andere Generation: „Sie ist positiver als die Durchbruchsgeneration der 70-er Jahre.“
Benedikt XVI. stellt
fest, daß jedes deutsche Kind neun bis dreizehn Jahre im Religionsunterricht sitzt: „Wieso dann gar so
wenig hängen bleibt, um es mal so auszudrücken, ist unbegreiflich.“
Hier müßten die Bischöfe „ernsthaft“
darüber nachdenken, „wie der Katechese ein neues Herz, ein neues Gesicht gegeben werden kann.“
Schließlich
kritisiert der Papst „Berufskatholiken, die von ihrer katholischen Konfession leben, aber in denen die
Quelle des Glaubens offenbar nur noch ganz leise, in einzelnen Tropfen wirksam wird“.
Die Kirche müsse
sich wirklich um eine Änderung bemühen:
„Ich beobachte in Italien – wo es weit weniger institutionelle
kirchliche Unternehmen gibt –, daß Initiativen nicht deshalb entstehen, weil die Kirche als Institution
etwas einrichtet, sondern weil die Menschen selbst gläubig sind.“
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