Ernennungen
Ein neuer Mitarbeiter bei der Glaubenskongregation
„Ich wurde in Afrika geboren. Ich habe einen irischen Paß. Ich lebte teilweise in England. Die längste Zeit meines Lebens verbrachte ich in Italien. Ich gehöre zu einer schottischen Diözese. Und ich spreche Deutsch.“ Ein Portrait.
(kreuz.net, Edinburgh) Ab dem 12. September wird der 39-jährige schottische Priester Patrick Burke seine Tätigkeit als Mitarbeiter der römischen Glaubenskongregation aufnehmen.

Geboren wurde Patrick Burke 1966 im ehemaligen Rhodesien, das sich heute Simbabwe nennt. Sein Vater war aus Irland gekommen, die Mutter als Weiße in Rhodesien geboren. 1970 mußte die Familie Hals über Kopf fliehen. Burke wuchs in Südengland auf. Nach Schottland verschlug es ihn erst, als er dort ein Philosophiestudium begann.

Von der Philosophie wechselte Burke in die Theologie und trat ins Priesterseminar der Erzdiözese von Edinburgh und St. Andrews. Für den Studienabschluß wurde er von seinem Erzbischof nach Rom ans Schottische Priesterseminar geschickt. Sein theologisches Grundstudium beendete er an der berühmten Jesuitenuniversität Gregoriana.

1991 wurde Burke zum Priester geweiht. Anschließend begann er – ebenfalls an der Gregoriana – sein Doktorat.

Bei dieser Gelegenheit wechselte Burke seinen römischen Wohnort. Er verließ das Schottische Priesterseminar und zog ins Teutonikum. Das Teutonikum ist ein deutsches Priesterkonvikt, das sich innerhalb der vatikanischen Mauern hinter der Glaubenskongregation befindet.

Als Bewohner des Teutonikums ist Burke dem früheren Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger, regelmäßig begegnet.

Kardinal Ratzinger pflegte nämlich jeden Donnerstag morgen die Messe in der Kirche des Teutonikums zu lesen. Anschließend speiste er zusammen mit den Hausbewohnern.

Burke lernte Kardinal Ratzinger als äußerst bescheidene, tief spirituelle, großzügige, demütige, zugängliche und herausragend intellektuelle Persönlichkeit kennen. Er sei genau das Gegenteil von seiner Darstellung in den Medien: „Er ist ein sehr liebenswürdiger, großzügiger und sehr aufmerksamer Mensch“, erzählt Burke der schottischen Tageszeitung ‘Daily Report’.

Mit der Wahl von Kardinal Ratzinger zum Papst hat der zukünftige Mitarbeiter der Glaubenskongregation allerdings nicht gerechnet. „Ich dachte, er sei eher der König-Macher als der König.“

Es gab einen ganz bestimmten Grund, warum Burke die Schotten verließ und zu den Deutschen zog. Der Priester promovierte nämlich über den deutschen Theologen Karl Rahner SJ.

Um die Werke Rahners zu lesen und dessen schwierige Sprache zu verstehen, benötigte Burke sehr gute Deutschkenntnisse. Sein Aufenthalt im Teutonikum war eine ideale Gelegenheit, die deutsche Sprache auch in Rom aktiv zu pflegen. Schon seit Jahren spricht Burke die Sprache fließend.

Die theologischen Gedanken Karl Rahners behandelt Burke in seiner Doktoratsarbeit eher kritisch. Seine Dissertation wurde im Jahre 2002 in den USA unter dem Titel „Reinterpreting Rahner: a critical study of his major themes“ – Neuinterpretation von Rahner: eine kritische Untersuchungen seiner wichtigsten Themen – veröffentlicht.

In einem Artikel der „Catholic Times“ aus dem Jahr 2001 nimmt Burke in Sachen Rahner kein Blatt vor dem Mund. Er stellt unumwunden fest, daß die Kirche in die falsche Richtung marschiert sei, als sie in den sechziger Jahren die Gedanken Rahners aufsog. Rahner sei auch an den gegenwärtigen „pastoralen Problemen in der Kirche“ schuld.

„The Catholic Times“ ist die führende katholische Wochenzeitung in Großbritannien und Irland.

Nach Abschluß seiner Studien kehrte der als konservativ verrufene Burke in seine schottische Heimatdiözese nach Edinburgh zurück. Dort wurde er nicht mit offenen Armen aufgenommen. Edinburgh befindet sich an der Küste im Südosten Schottlands.

Man machte den doktorierten Rahner-Spezialisten zum Landpfarrer im Herzen Schottlands. Doch Burke fand sich in seinem neuen Arbeitsgebiet schnell zurecht.

Schon bald wurde er zusätzlich Studentenseelsorger und Herausgeber des zweimonatlich erscheinenden „Faith Magazine“.

Das „Faith Magazine“ publiziert theologische Beiträge, katholische Kommentare, aktuelle naturwissenschaftliche Informationen und Analysen. Es ist zugleich das Publikationsorgan des schottischen „Faith Movement“ – auf Deutsch: „Glaubensbewegung“. Burke ist eines ihrer führenden Mitglieder.

Die „Glaubensbewegung“ ist eine katholische Vereinigung von Priestern, Ordensleuten und Laien in Schottland. Sie hält Einkehrtage und Vorträge für junge Leute.

Die „Glaubensbewegung“ besitzt auch ein ureigenes theologisches Anliegen, nämlich die neue Synthese zwischen Theologie und Wissenschaft. Dabei vertritt sie Ansichten zur Evolutionstheorie, die nicht umumstritten sind.

Im Detail wird die Evolutionstheorie von Charles Darwin zwar abgelehnt. Die „Glaubensbewegung“ glaubt aber an ein evolutionäres Prinzip in der Schöpfung. In dieser Perspektive können die wesenhaften Unterscheidung von Materie und Geist gezeigt werden.

Seine schottischen Tätigkeitsfelder wird Burke nun hinter sich lassen.

Obwohl er sich geehrt fühlt, in der Glaubenskongregation einen Beitrag für die Weltkirche leisten zu dürfen, fällt es ihm besonders schwer, seine drei Pfarreien aufzugeben.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Jörg Guttenberger, Köln   20:04:19 | Montag, 13. Februar 2006
Zu Dr. Otterbeck: Teilhard
Ihre Auffassung zu Teilhards Ursündenverständnis und dem fehlendem Bezug zu den von Ihnen erwähnten – leider – sattsam bekannten negativen Entwicklungen ist ebenso weit verbreitet, wie durch seín Werk „Der göttliche Bereich“ widerlegt! Denn gerade hier schreibt Teilhard ganz klar von den Minderungen, die wir erleiden und er durch das ihm von der damaligen Kirche entgegengebrachten Unverständnis schmerzhaft erlitten hat!
Teilhard hat im Grunde dasselbe mit der Naturwissenschaft versucht, was Thomas von Aquin mit der Philosophie gemacht hat, nämlich durch sie den Glauben zu erklären. Bei Teilhard war schwierig, daß er wegen des kirchlichen Veröffentlichungsverbotes nicht das notwendige feed back bekam. Grundsätzlich sind aber beide an die Grenzen wissenschaftlicher Gottesbeweise gestoßen, weil Gott sich in seiner Allmacht einer zwingenden wissenschaftlichen Beweisarkeit verchlossen hat! Denn laut 1 Johannes 4, 16b ist Gott die Liebe, und will in Liebe erkannt werden. Wer Gott in Liebe erkennt (und nur der!) erkennt Ihn auch in der Wissenschaft und in der gesamten Schöpfung. Diese Erkenntnis ist aber nicht wie Wissenschaft vermittelbar, sondern von jedem neu zu erringen. Daß Teilhard in dieser Liebe gelebt hat, zeigt schon alleine seine Kirchentreue trotz aller Schwierigkeiten.
Weiteres finden Sie im Internet unter Teilhard-Forum.
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#3   Dr. Otterbeck   06:17:38 | Freitag, 6. Januar 2006
Teilhard
vertritt keine Lehre, sondern ist m.E. nur als spiritueller Schriftsteller aufzufassen. Seine kreativen Anregungen erreichen nicht die Abstraktionshöhe eines „Lehrgebäudes“. Leider entnehmen viele dem Werk von Teilhard fälschlich die „Erlaubnis“, von Ursünde und Erbsünde fortan zu schweigen. Die Fakten im 19. und 20. Jahrhundert zeigen die reale Wirkmacht des Bösen in so einem grellen Licht, dass es nur Zynikern gelingen kann, unter Zuhilfenahme von Evolution und Psychologie, davor die Augen zu verschließen.
Herrn Guttenberger sei für seine Beiträge aber herzlich gedankt.
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#2   gunther maria michel   23:15:16 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Corrigendum:
pro „agitur“ lege „agatur“.
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#1   Jörg Guttenberger, Köln   23:08:56 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Evolutionstheorie und Glaube
Dann vertritt die Glaubensbewegung also etwa die Lehre von P. Pierre Teilhad de Chardin SJ!
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