Eine höchst ungewöhnliche Preisverleihung fand kürzlich in der vatikanischen Audienzhalle statt. Der Papst war beim Festakt anwesend – aber er war weder die Hauptperson noch der Grund für den Anlaß.
(kreuz.net, Vatikan) Auf dem Weg zur Audienzhalle ermahnte der päpstliche Privatsekretär den Heiligen
Vater: „Bei der bevorstehenden Veranstaltung wird eindeutig Ihr Bruder die Hauptperson sein.“
Am vergangenen
Donnerstag erhielt der um drei Jahre ältere Bruder von Benedikt XVI., Monsignore Georg Ratzinger (81),
eine Auszeichung der österreichischen Republik. Deren Verleihung wurde eigens in den Vatikan verlegt,
damit der Bruder des Monsignore und gegenwärtige Papst am Anlaß teilnehmen konnte.
Als langjähriger
Kapellmeister der berühmten Regensburger Domspatzen erhielt Mons. Ratzinger das österreichische Ehrenkreuz
für Wissenschaft und Kunst erster Klasse. Als Begründung wurden unter anderem die über 30-jährigen
Beziehungen von Mons. Ratzinger zu Österreich erwähnt.
Als der österreichische Bundespräsident dem
Monsignore die Auszeichnung am 7. Dezember 2004 zusprach, konnte niemand ahnen, daß der Papst höchstpersönlich
bei der Verleihung anwesend sein würde.
Das Ehrenkreuz überbrachte der österreichische Botschafter
beim Heiligen Stuhl, Helmut Türk. Mons. Ratzinger bedankte sich unter anderem mit der Aussage, daß die
Musik den Österreichern noch mehr im Blut liege als den Bayern.
Natürlich durfte bei diesem Anlaß
auch ein Wort des anwesenden Papstes nicht fehlen.
Benedikt XVI. sagte das folgende:
Lieber Georg, verehrter
Herr Botschafter, verehrter Herr Präsident Schambeck, verehrte Autoritäten, Damen und Herren!
Ich komme
mir etwas merkwürdig vor, wenn ich jetzt das Wort ergreife.
Beim Herunterfahren hat mir der Sekretär
im Lift noch sehr zurecht gesagt: „Jetzt, lieber Heiliger Vater, ist eindeutig Ihr Bruder die Hauptperson.“
Darüber kann es keine Diskussion geben und so ist es auch. Aber gerade das finde ich schön, daß jetzt
einmal wirklich mein Bruder, der sich 30 Jahre mit so viel Hingabe um die Kirchenmusik im Regensburger
Dom und in der weiten Welt bemüht hat, eine Anerkennung von besonders kompetenter Seite erfährt.
Wenn
ich trotz meiner Inkompetenz rede, so fühle ich mich gleichsam als Sprecher all derer, die hier anwesend
sind, die sich mitfreuen, die Dankbarkeit und Genugtuung für diese Stunde und für diesen Augenblick
empfinden.
Mein Bruder hat es schon gesagt: Österreich ist in ganz besonderer Weise ein Land der Musik.
Wer an Österreich denkt, denkt zunächst an die Schönheit der Schöpfung, die der Herr diesem, unserem
Nachbarland, geschenkt hat. Er denkt an die Schönheit der Bauten, an die Herzlichkeit der Menschen, aber
er denkt vor allen Dingen auch an die Musik – die großen Namen sind eben schon genannt worden – und auch
an die Ausübung der Musik: die Wiener Sängerknaben, die Wiener Philharmoniker, die Salzburger Festspiele
und so fort.
So ist es von einem besonderen Gewicht, wenn dieses unser geliebtes Nachbarland Österreich
meinem Bruder diese Auszeichnung schenkt. Dafür möchte auch ich mich ganz herzlich bedanken.
Ich stelle
mir vor, daß es auch für die neue Generation der Domspatzen, vom Domkapellmeister angefangen, Ermutigung
und Freude ist, daß diese 30-jährige Arbeit in dieser Weise nun anerkannt wird und daß es ihnen helfen
wird, mit neuem Elan, mit neuer Freude in dieser Zeit, in der wir dessen besonders bedürfen, die Botschaft
des Schönen Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude weiter zu tragen. Danke.
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