Muselmanen
Das Problem ist nicht der Inhalt – sondern die Form
Kürzlich entschied ein deutsches Gericht, daß eine angehende muslimische Lehrerin ihr Kopftuch auch während des Bibelunterrichts tragen darf. Daß Muslime die Bibel unterrichten, ist akzeptiert. Aber beim Kopftuch hört der Spaß auf.
(kreuz.net, Bremen) In Bremen darf eine 29-jährige muslimische Lehrerin den „Biblischen Geschichtsunterricht“ auch mit Kopftuch erteilen.

Die Entscheidung fällte das Verwaltungsgericht des Landes Bremen letzten Freitag.

Die Stadt Bremen ist die Hauptstadt und größte Stadt des kleinsten deutschen Bundeslandes, das sich „Freie Hansestadt Bremen“ nennt.

Der sozialistische Bildungssenator Willi Lemke überlegt, gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtes Berufung einzulegen.

Hätte die 29jährige, statt sich ein Kopftuch aufzusetzen, ihr Kind abgetrieben, hätte der besorgte Sozialist damit wohl kein Problem gehabt – vermutete ein Bremer Junglehrer.

Der Biblische Geschichtsunterricht ist von der Bremer Landesverfassung vorgesehen.

Diese verlangt die Erteilung eines bekenntnismäßig nicht gebundenen Unterrichts in Biblischer Geschichte an den allgemeinbildenden Schulen des Landes. Der Unterricht soll auf allgemein christlicher Grundlage erfolgen.

Die türkischstämmige Lehrerin hat an der Universität Bremen Religionskunde und Deutsch studiert.

Um von der Bildungsbehörde ins Praktikumsjahr aufgenommen zu werden, wollte man die Pädagogin zwingen, schriftlich auf ihr Kopftuch zu verzichten.

Die Bildungsbehörde hatte erklärt, daß der Charakter des Faches keine Lehrkräfte zulasse, denen man es an der Kleidung ansieht, daß sie nicht mit der christlichen Weltanschauung verbunden sind.

Doch die aufrechte Muslimin weigerte sich, unbedeckten Hauptes zu unterrichten.

Das Verwaltungsgericht gab ihr Recht: Der Ausschluß der Lehrerin entbehre einer gesetzlichen Grundlage.

Die Richter beriefen sich auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2003.

Es sei grundsätzlich Sache des Landes zu bestimmen, wieweit die Religion in der Schule sichtbar werden dürfe. Doch in Bremen gibt es dazu keine eindeutige Gesetzgebung.

Die Bremer Sozialisten möchten rücksichtslos jedes religiöse Zeichen aus den Schulen verbannen – das Kopftuch nicht weniger als das Kreuz.

Die Christdemokraten wollen dagegen das Kreuz und die jüdische Kippa erlauben. Vom Kopftuch der muslimischen Frauen behaupten sie dagegen, daß es ein „politisches Symbol“ sei.

Es werbe für eine Rechts- und Werteordnung, die dem demokratischen Verfassungsstaat „den Kampf angesagt“ habe.

Ob das muslimische Kopftuch vielleicht Zeichen einer internationalen Verschwörung sei – rätselte ein Beobachter in Bremen.

Ethnologen weisen darauf hin, daß das Tragen von Kopftüchern kein spezifisch muslimischer Brauch sei.

In weiten Teilen des christlichen Europas sei das Kopftuch erst in den letzten Jahrzehnten aus der Mode gekommen. In Osteuropa werde es noch in vielen Ländern getragen.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Stimme aus dem Tradiland   09:47:31 | Dienstag, 24. Mai 2005
@ Hans Mohrmann
Prinzipiell haben Sie durchaus Recht. Bezüglich der Nonnen: Auch diese sind insoferne „unter die Haube gekommen“, als sie sich mit der ewigen Profeß ganz Christus geweiht haben.
Was das Kopftuch betrifft, so finde ich es auch völlig verfehlt, dieses in irgendeiner Weise zu verbieten oder auch nur zu thematisieren. Da ist schon einmal darauf hinzuweisen, dass das Kopftuch auch eine traditionelle einheimische Kopfbedeckung für Frauen ist und überdies ein äußerst praktisches Kleidungsstück, welches in eine Handtasche gesteckt werden kann und bei Bedarf (Kälte, Regen etc.) ausgepackt werden kann. Man mißbraucht hier das kulturelle Unbehagen, welches viele Menschen – zu Recht – aufgrund der Masseneinwanderung in ihre Länder entwickelt haben und macht dies an Äusserlichkeiten fest.
Wenn man nicht will, dass Moslems sich so anziehen, wie sie es gewohnt sind oder sogar müssen, dann soll man sie nicht zuerst einwandern lassen. In Wirklichkeit will man jede spezifische Kundgebung religiöser Einstellung in der Öffentlichkeit verhindern, so z.B. wohl auch die Priesterkleidung. Oder – andere Strategie – man pervertiert religiöse Äusserlichkeiten und verkehrt sie so in ihr Gegenteil, so etwa, wenn Frauen auffällige Schmuckkreuze in ein möglichst tiefes Dekoltee baumeln lassen.
Viel störender ist die heutige Mode, die aus Männern äusserliche Schwule macht und aus Frauen äusserliche Huren. Wo ist da der Protest? Von wegen europäische „Kultur“…
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#3   GerdEric   09:39:36 | Dienstag, 24. Mai 2005
Lieber Hans Mohrmann
Darum soll das Weib eine Macht auf dem Haupt haben, um der Engel willen
Ich nehme mal an, dass das wieder der liebe Paulus sagte.
Daraus aber den Rückschluss zu ziehen, dass die Frau in der Kirche „verschleiert“ zu sein habe, ist nicht schlüssig.
Jesus lebte im Judentum als Jude.
und dort war und ist es üblich, dass der Mann sein Haupt vor Gott bedeckt (nicht aber die Frau).
Dass Paulus seine Probleme mit den Frauen hatte ist bekannt, da ist mir dann doch Jesu Sicht richtiger.
…der Mann aber barhäuptig …
Ich weiss nicht bei welchen (speziellen“ Gelegenheiten, aber in der Messe, setzt der Priester auch eine „Kipa“ auf, bedeckt sein „Haupt“.
… zeigt noch die Redensart „unter die Haube kommen“.
Da fiele mir eher Ob-hut ein, es ist eben nur der Wechsel von einer Vormundschaft in die nächste.
Das ist ganz was anderes, als was Josef der Maria gewährte, als er die Schwangere durch sein Eintreten, vor Entehrung schützte.
… ist nichts anderes als der Ausdruck alter letztlich semitischer Bekleidungssitten.
Wo, bitte, sind diese Bekleidungssitten, belgt?
Nur Prostituierte trugen zu Paulus Zeiten ihr Haupt unbedeckt.
Mag sein, dass das zu der Zeit so war, mag der heidnisch griechisch-römische Einfluss gewesen sein…
allerdings ist es im AT genau umgekehrt gesagt, da verschleierten sich die Dirnen am Strassenrand.
Allen einen guten Morgen
GerdEric
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#2   Paul Mayer   23:07:07 | Montag, 23. Mai 2005
Das Problem ist ja nicht das Kopftuch,
das Problem ist: ist es in Ordnung, wenn ein/e Nichtchristin das Fach „Biblische Geschichte“ vorträgt?
Wenn es der Staat auch den nichtchristlichen Lehrern erlaubt, dann muss es für die betroffenen Lehrer klar sein, dass sie inhaltlich „Dienst nach Vorschrift“ machen müssen und nicht etwa beispielsweise die Koraninhalte zu unterrichten (im Koran gilt beispielsweise Maria die Mutter Jesu als die Schwester Aarons).
Diese Frage scheint gar nicht auf dem Tapet stehen, auch was die betreffende Dame dazu zu sagen hat.
Alles entzündet sich an einem lächerlichen Stück Stoff auf dem Kopf. Über Vortragende in Spaghetti-Trägertops, Miniröcken, kurzen Hosen (das betrifft auch Männer) scheint sich niemand aufzuregen.
MfG,
Frau Mayer
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#1   miles immaculatae   13:57:51 | Montag, 23. Mai 2005
„Behauptung“
„Darum soll das Weib eine Macht auf dem Haupt haben, um der Engel willen“ heißt es in der lutherischen Übersetzung von Korinther 11,10. Fast 2000 Jahre haben christliche Frauen dieses Gebot ernst genommen, nach dem eine Frau zumindest in der Kirche ihr Haupt bedeckt, der Mann aber barhäuptig seinen Respekt vor dem „heiligen Ort“ zu bekunden hat. Daß christliche Frauen – verheiratete zumindest – stets eine Kopfbedeckung trugen zeigt noch die Redensart „unter die Haube kommen“. Daß Nonnen „den Schleier nehmen“ ist nichts anderes als der Ausdruck alter letztlich semitischer Bekleidungssitten. Von der Haube protestantischer Diakonissen, bis zum Chapel unverheirateter junger Frauen, daß noch bis zum 20. Jahrhundert Teil der protestantischen wie katholischen Volkstracht war, läßt sich die semitische Bekleidungstradition nachvollziehen, die unsere Kultur prägt. Nur Prostituierte trugen zu Paulus Zeiten ihr Haupt unbedeckt. Was als gibt uns nun das Recht, jungen Musliminen zu untersagen, ein Kopftuch zu tragen?
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