12:31:53 | Donnerstag, 2. Dezember 2010
Prälat Guido Pozzo rät im Interview vom Meßbesuch bei der Piusbruderschaft ab. Aber gegen die liturgische Dekadenz im neuen Ritus unternimmt niemand etwas.

Die Messe aller Zeiten
© birmingham_lms_rep, CC(kreuz.net, Vatikan) Gut zwei Drittel der Diözesanbischöfe haben der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia
Dei’ ihre angeblichen Erfahrungen mit der Alten Messe mitgeteilt.
Das sagte der Sekretär der Kommission,
Prälat Guido Pozzo, im Gespräch mit ‘Radio Vatikan’.
Die Bischöfe folgten einer Aufforderung, die
in dem päpstlichen Begleitbrief zum Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ enthalten ist.
Benedikt XVI.
wünschte damals, in drei Jahren eine Einschätzung zur Lage der Alten Messe zu bekommen.
Den Rücklauf
bezeichnet Prälat Pozzo als „sehr zufriedenstellend“: „Im Moment besteht das größte Interesse und die
meiste Nachfrage in Europa, in den Vereinigten Staaten von Amerika und auch in Australien.“
Weniger Interesse
für die Alte Messe gebe es in Lateinamerika, Afrika und Asien.
Die Alte Messe erfreut die JugendDas
Interesse an der Alten Messe nimmt nach Angaben des Prälats zu: „Wir beobachten, daß besonders in den
jungen Generationen Interesse an und Zulauf zur alten Form der Messe besteht.“
Für den Geistlichen ist
das eine „überraschende Neuigkeit.“
Die meisten Altgläubigen gibt es in Frankreich – weit mehr als
in Deutschland, Italien oder Spanien.
Für die altliberalen Bischöfe ist die Alte Messe zu katholisch
Vorsichtig deutet Prälat Pozzo an, daß es „noch Vorurteile und Widerstände“ gegen die Alte Messe gibt.
Dies geschehe einerseits aus „ideologischen Gründen“. Andererseits würde die Alte Messe „als Ausdruck
einer Antithese, ja einer Opposition zur Liturgiereform gesehen“.
Solche Vorurteile müßten überwunden
werden – erklärt der Prälat. Es gelte eine angebliche Einheit der Liturgiegeschichte wiederherzustellen.
Wie sich der Prälat eine Aussöhnung der neuen Messe mit der Tradition der Kirche konkret vorstellt,
läßt er offen.
Zur Frage, warum Bischöfe und Priester gegen die Alte Messe sind, windet sich der Prälat.
Sie sähen im Wunsch nach der Alten Messe angeblich „das Risiko einer Sehnsucht nach dem Ästhetischen,
rein Ornamentalen, Formalistischen“.
Diesem Vorurteil hält Prälat Pozzo entgegen, daß die Alte Messe
einen tiefen Reichtum besitzt.
Dieser müsse respektiert und wiederentdeckt werden – „zum Vorteil der
Liturgie, wie man sie auch heute feiert“.
In jedem Priesterseminar die Alte Messe unterrichtenPrälat
Pozzo verteidigt auch die altliberalen Bischöfe. Sie würden dem Wunsch nach einer Alten Messe angeblich
darum nicht nachzukommen, weil ein Mangel an geeigneten Priestern bestehe.
Darum rät er den Altgläubigen
noch mehr Verständnis und Geduld.
Ferner ist er der Ansicht, „daß man den Seminaristen in den Priesterseminaren
die Möglichkeit bieten sollte, das Zelebrieren auch in der außerordentlichen Form angemessen zu erlernen –
nicht als Verpflichtung, sondern als Möglichkeit.“
Wird der Papst ein altes Pontifikalamt feiern?Zur
Frage einer angeblich gegenseitigen Befruchtung der beiden Riten erklärt Prälat Pozzo, daß die Kommission
Vorschläge für die Übernahme von neuen Heiligen und Präfationen erarbeite.
Diese sollen schon „bald“
dem Heiligen Vater vorgelegt werden.
Der Prälat erklärt auch, daß im Petersdom „viele Priester auch
mit Meßdiener morgens die Messe im alten Ritus“ feiern.
Was der Prälat nicht sagt: Von den Meßdienern
im Bubenalter wird der Alte Ritus bevorzugt.
Auf die Frage, ob der Papst selber ein Pontifikalamt im
Alten Ritus zelebrieren werde, antwortet Prälat Pozzo: „Ich glaube, die Frage ist dem falschen Adressaten
gestellt!“
Der Liturgiemißbrauch ist die RegelZu den Gesprächen mit der Piusbruderschaft – in welche
der Prälat selber nicht involviert ist – erklärt er, daß die Vertraulichkeit eine Grundvoraussetzung
für den Erfolg sei.
Bei den strittigen Punkten handle es sich um die Themen Religionsfreiheit, Ökumenismus
oder die Beziehungen zu nichtchristlichen Religionen.
„Was die Piusbruderschaft von der Position des
Heiligen Stuhles unterscheidet, ist eine Ansicht bezüglich der Kontinuität oder Kohärenz zwischen den
Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils und früheren Aussagen des Lehramtes.“
Ferner betont Prälat
Pozzo, daß die Bruderschaft anerkennen müsse, daß die neue Messe gültig und sogar legitim sei.
„Zweideutigkeiten,
Mängel und auch doktrinären Fehler, die sich in der Zeit nach dem Konzil verbreitet haben“ stünden
auf einem anderen Blatt – lenkt der Prälat von den Zweideutigkeiten, Mängeln und doktrinären Fehler
in den Konzilstexten selber ab.
Er gibt immerhin verschnörkelt zu, daß es in der neuen Liturgie Mißbräuche
und Mängel gibt.
Es gebe „viele Meßfeiern“, die nicht der wahren Lehre und dem wahren Geist der Liturgiereform
entsprechen – verharmlost der Prälat die liturgische Dekadenz in der Kirche.
Vom Besuch der Pius-Messen
wird abgeratenPius-Bischof Richard Williamson wertet Prälat Pozzo als „Einzelfall“. Dessen Beurteilung
und die Anwendung disziplinärer Maßnahmen obliege dem Generaloberen der Piusbruderschaft, Mons. Bernard
Fellay.
Vom Meßbesuch bei der Piusbruderschaft – wo es die schweren Mißstände der Konzilskirche nicht
gibt – rät Prälat Pozzo ab.
Altgläubige sollten Pius-Messen „vermeiden“ – formuliert er vorsichtig.
Die Messen und die Sakramenten-Spendung bei der Priesterbruderschaft seien irregulär.
Die Dauer der
Gespräche der Bruderschaft mit dem Vatikan kann Prälat Pozzo nicht abschätzen: „Wir haben uns kein
Datum gesetzt.“
Und: „Wir beten, arbeiten und wirken darauf hin, daß die Wiedereingliederung der FSSPX
in die volle kirchliche Gemeinschaft nicht mehr lange Zeit dauert.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.