13:56:01 | Freitag, 3. Dezember 2010
Nein, Herr Berger – ich bin nicht Dr. Desecar
Die Bibel lehnt Homo-Beziehungen ab. In diesem Sinne haben die gesamte christliche und jüdische Tradition die entsprechenden biblischen Stellen verstanden. Von Dr. Ferdinand Eiskalt.

(kreuz.net) Der Leser ‘M. Kirschbaum’ hat sich auf ‘kreuz.net’ selber entlarvt.
Denn in den Lesermeinungen
äußerte er die Mutmaßung, daß ich ein gewisser Dr. Alexander Desecar sei, mit dem er zahllose Telephonate
geführt habe.
‘M. Kirschbaum’ erklärte, von diesem immer schon vermutet zu haben, daß er „homophob“
sei.
Mit Dr. Desecar ist offenbar Dr. Alexander Desecar gemeint, der in der Traditionalisten-Szene wohlbekannt
ist.
Nun Herr ‘M. Kirschbaum’, ich muß Ihnen mitteilen, daß Sie sich selber entlarvt haben.
Ich bin
nämlich
nicht Dr. Desecar. Denn der kroatischen Sprache sind noch ein paar andere mächtig.
Wer Sie,
Herr ‘M. Kirschbaum’, sind, steht aber hiermit fest – nämlich Herr Dr.
David Berger.
Mit dem Ausdruck
„homophob“ etikettiert Berger inzwischen alle, die das Alte und Neue Testament nicht willkürlich und
voller Vorurteile für ihre Zwecke zurechtbiegen, wenn es um Homosexualität geht.
Dr. Desecar hatte
sowohl in der Monatszeitschrift ‘Theologisches’ als auch in der Zeitschrift ‘Der Fels’ Beiträge zu bibeltheologischen
Themen veröffentlicht.
Ich möchte die Unterstellungen und Beschimpfungen durch Herrn Dr. Berger zum
Anlaß nehmen, einen Beitrag des genannten Hw. Desecar zum Thema in Erinnerung zu bringen.
Der Text erschien
im Jahr 2002 in der deutschen Monatszeitschrift
‘Der Fels’.
Die revisionistische ExegeseSeit etwa vierzig
Jahren kann man in der Auslegung biblischer Texte, in denen von Homosexualität die Rede ist, eine Tendenz
beobachten, die das Verbot homosexuellen Geschlechtsverkehrs zu verniedlichen, oder sogar zu leugnen versucht.
In den USA spricht man diesbezüglich von einer revisionistischen Exegese.
Im Jahr 1963 erschien im
Furche-Verlag Hamburg unter dem Titel „Der homosexuelle Nächste“ eine Sammlung von Aufsätzen zum Thema
Homosexualität.
Dort behauptet der jüdische Religionshistoriker und bekennende Homosexuelle, Hans-Joachim
Schoeps († 1980), daß es weder im Alten noch im Neuen Testament Anhaltspunkte für eine ethische Beurteilung
homosexuellen Verhaltens gebe.
Der protestantisch-reformierte Pfarrer, Jan Simon Ridderbos aus Amsterdam,
schreibt, daß es nicht erwiesen sei, ob im Alten Testament „ein absolutes Verbot von Homosexualität
in jeder Situation“ enthalten sei; auch im Neuen Testament finde sich dieses nicht.
Solche Auffassungen
haben anfangs weniger die Kommentare zu den biblischen Büchern als vielmehr moraltheologische Abhandlungen
zuerst von evangelischen, dann auch katholischen Theologen beeinflußt.
Seit über zwanzig Jahren werden
die revisionistischen Standpunkte, vor allem in Fachzeitschriften, kontrovers diskutiert.
Sodom ist nicht
mehr SodomSo wird die Sünde Sodoms (Genesis 19) nicht als homosexuelles Vergehen, sondern nur als Bruch
des Gastrechts aufgefaßt (ähnlich Richter 19).
Doch in beiden Erzählungen geht es um mehr – um eine
versuchte homosexuelle Vergewaltigung.
Das wird unter anderem aus dem stellvertretenden Angebot von Lots
Töchtern und der Nebenfrau des Leviten ersichtlich.
Nur eine kultische Reinheitsvorschrift?Im Buch
Levitikus ist das Verbot homosexuellen Geschlechtsverkehrs zweimal enthalten: „Du darfst mit einem Mann
nicht schlafen, wie man mit einer Frau schläft; dies wäre ein Greuel“ (18,22).
Levitikus 20,13 wiederholt
das Verbot unter Androhung der Todesstrafe.
Die revisionistische Interpretation bezieht das Verbot auf
die heidnische „heilige“ Tempelprostitution, die im Alten Orient Brauch war.
Das bezeugen die Textfunde
von RasShamra und Ugarit. Für Kanaan wird das von Deuteronomium 22,5; 23,18f bestätigt.
Somit wäre
das Verbot von Homosexualität nur eine kultische jüdische Reinheitsvorschrift, aber keine ethische Pflicht,
die für den Rest der Menschheit Geltung hätte.
Für ihre Deutung berufen sich die Revisionisten auf
das hebräische Wort toebah (Greuel), das im Alten Testament öfters mit dem Götzendienst in Verbindung
steht.
Dieses Wort steht aber im Alten Testament auch für andere Sünden, die nicht unmittelbar mit
dem Kult zu tun haben.
Wenn in Levitikus 18,22 die „heilige“ homosexuelle Prostitution verboten wäre,
würde man mit Recht auch ein Verbot der „heiligen“ heterosexuellen Prostitution erwarten, die ebenfalls
in Kanaan üblich war (2 Könige 23,7).
Im unmittelbaren Kontext von Levitikus 18,22 finden sich die
Verbote von Ehebruch und Geschlechtsverkehr mit Tieren.
Nach der revisionistischen Logik dürften auch
diese nicht allgemein gültig sein.
Der Terror-Text der Homo-RevisionistenRömer 1 ist ein „Terror-Text“
für die revisionistische Exegese (Th. E. Schmidt).
Hier fällt Paulus ein verallgemeinerndes Urteil
über die Menschen (= Heiden), ohne auf Einzelmenschen einzugehen.
Nach Römer 2,14 gab es durchaus Heiden,
die das natürliche Gesetz beobachteten.
Weil sie Gott die ihm gebührende Ehre verweigert und sich Götzenbilder
geschaffen hatten, „lieferte sie Gott entehrenden Leidenschaften aus: Ihre Frauen vertauschten den natürlichen
Verkehr mit dem widernatürlichen (Vers 26); ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der
Frau auf und entbrannten in Begierde zu einander; Männer trieben mit Männern Unzucht“ (Vers 27).
Im
letzten Vers ist eindeutig der homosexuelle Geschlechtsverkehr gemeint.
Aus der griechisch-römischen
Antike sind Dokumente erhalten, die auf ein verbreitetes homosexuelles Verhalten der Männer schließen
lassen.
Die Päderastie – „Knabenliebe“ – war die bevorzugte Form.
Es geht nicht um Kinderschänder
Manche revisionistische Interpreten meinen, Paulus beziehe sich auf die Päderastrie.
Doch Peter von
der Osten-Sacken hält entgegen: „Paulus formuliert in Röm 1,27 nicht alters- (Päderastie), sondern
geschlechtsspezifisch (Frauen/Männer)“.
Es gab in der Antike auch homosexuelle Beziehungen zwischen
erwachsenen Männern.
Der Heilige Paulus schöpfte seine Informationen über die Homosexualität nicht
nur aus der heidnischen Umwelt, sondern auch aus dem Alten Testament, das nur von Homosexualität zwischen
Männern berichtet.
Vers 26 wird von den meisten Kommentatoren im Sinne von „lesbischer Liebe“ verstanden.
Auch diese ist für das Altertum bezeugt. Das berühmteste Beispiel für homosexuelle Beziehungen zwischen
Frauen war die Dichterin Sappho von der Insel Lesbos – daher der Ausdruck „lesbische Liebe“.
Man erfindet
eine Pseudo-HomosexualitätDer Heilige Paulus schreibt nur von homosexuellen Akten, nicht von einer
homosexuellen Anlage.
An diesem Punkt bringen die revisionistischen Exegeten eine Unterscheidung ein
zwischen „echter Homosexualität“ und Pseudohomosexualität“.
Die „echte Homosexualität“ beruht auf
der sexuellen Neigung zum gleichen Geschlecht, die entweder angeboren oder erworben sein kann.
Der „pseudohomosexuelle“
Mensch ist zum heterosexuellen Verkehr fähig – so Ridderbos.
Für den „echten“ homosexuellen Menschen
wäre der heterosexuelle Geschlechtsverkehr „gegen (seine) Natur“.
Der Heilige Paulus beziehe sich in
Römer 1 nur auf „pseudohomosexuelle“ Menschen.
Mit solchen Überlegungen wird in die Exegese des paulinischen
Textes ein Prinzip eingebracht, das außerbiblisch ist und aus der gegenwärtigen humanwissenschaftlichen
Literatur stammt.
Ein Spezialfall der Homo-UnzuchtIm Lasterkatalog von 1 Korinther 6,9f liest man zwei
Ausdrücke, die auf homosexuelle Praktiken hinweisen: malakoi (wörtlich: Weichlinge) und arsenokoitai
(wörtlich: die bei Männern Liegenden).
Das letztere Wort findet sich auch im Lasterkatalog von 1 Timotheus
1,8-10.
Die Einheitsübersetzung gibt den griechischen Wörtern schon eine spezielle Deutung: „Lustknaben“
(malakoi) und „Knabenschänder“ (arsenokoitai).
Mit dieser Deutung stimmt die Mehrzahl der Exegeten überein.
Für die Revisionisten unter ihnen gilt jedoch: „So gesehen, wird in 1 Kor 6,9 nicht pauschal homosexueller
Verkehr verworfen, sondern Päderastie oder sogar eine spezielle Form derselben, käufliche Knabenliebe“
(M. Stowasser).
Dem kann man entgegnen: Paulus wendet sein allgemein negatives Urteil über die Homosexualität
(Römer 1) auf einen Spezialfall von Homosexualität, die Päderastie, an (1 Korinther 1).
Dies wird
bestätigt durch 1 Timotheus 1, wo die aufgezählten Sünden im Widerspruch zum Gesetz stehen.
Das ist
eine Anspielung auf Levitikus 18,23. Dort geht es um das Verbot homosexuellen Geschlechtsverkehrs zwischen
Männern.
Die Bibel lehnt Homo-Beziehungen abDie Vertreter der Meinung, daß die Heilige Schrift kein
Verbot von Homosexualität enthalte, haben nicht vermocht, die traditionelle Auslegung der biblischen
Stellen, die von Homosexualität handeln, zu entkräften.
Der eigentliche Grund ihres Bemühens beruht
auf zwei Annahmen:
a) Es gibt von Natur aus homosexuell veranlagte Menschen;
b) diesen Menschen ist
eine sexuelle Enthaltsamkeit nicht zuzumuten.
Die These a) ist unter den Sexualwissenschaftlern heftig
umstritten. „Es gibt keine wissenschaftliche Arbeit, die biologisch-körperliche Ursachen für Homosexualität
nachweisen kann.
Die These b) folgt nicht notwendigerweise aus der These a), denn sie berücksichtigt
nicht die menschliche Freiheit.
Wer die Aussagen der Heiligen Schrift nach ihrem ursprünglichen Sinn
befragt und diese als göttliche Weisung für das ethische Verhalten versteht, kann nur zu dem Schluß
kommen: Das Alte wie das Neue Testament lehnen homosexuelle Beziehungen ab.
In diesem Sinne haben die
gesamte jüdische und christliche Tradition die entsprechenden biblischen Stellen verstanden.
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