15:01:02 | Sonntag, 12. Dezember 2010
Ein chinesisches Sprichwort sagt, daß ein schlechter Ehegatte noch ein guter Vater sein kann – niemals aber eine schlechte Ehegattin eine gute Mutter. Von Edgar Julius Jung († 1934).

Alte Postkarte
© HA! Designs – Artbyheather, Flick, CC(kreuz.net) Der Mann kann, muß aber nicht an seiner Seele Schaden nehmen, wenn er durch das Fegefeuer
geschlechtlicher Zügellosigkeit geht.
Er bleibt in den meisten Fällen schöpferisch, vermag alle sexuelle
Widerwärtigkeit zu vergessen und zu überwinden, kann leicht zur großen Liebe zurückfinden.
Ein altes
chinesisches Sprichwort besagt, daß ein schlechter Ehegatte noch ein guter Vater sein kann, niemals eine
schlechte Ehegattin aber eine gute Mutter.
Ja, ein Mann, der nichts als sinnlicher Lüstling auf geschlechtlichem
Gebiete ist, kann noch in höherem Sinne Erotiker, geistig fruchtbar sein.
Zugegeben, daß dies in wenigen
Ausnahmefällen auch für die Frau gilt. Im allgemeinen aber ist ihre Mütterlichkeit vernichtet, wenn
das Ausleben einer geschlechtlichen Sturm- und Drangperiode bei ihr zur Regel wird.
Wenn nun behauptet
wird, die liberal-bürgerliche Frauenbewegung sei der Weg, die Frau über die Abhängigkeit vom Sexus
hinauszuführen, so sei die Gegenfrage erlaubt, warum denn auf die Frauenbewegung die Herrschaft des Sexus
gefolgt ist?
Weil die Frauenbewegung denselben Individualismus zum Vater hatte, der die unfruchtbare
Frau zeugte.
Die zahlreichen berufstätigen jungen Mädchen, das Girl, der Flapper, die fast ausnahmslos
der freien Liebe huldigen, wissen von der bürgerlichen Frauenbewegung und dem Eros der Welt nichts.
Sie wollen auch nichts davon wissen, sie sind Weib und nichts als Weib.
Mit Ausnahme der wenigen, denen
der Beruf wirklich letzte Erfüllung ist, ist ihr Arbeitstag ein Warten auf die Stunde, wo Lippenstift
und Puderquaste die Kriegsbemalung zur Schlacht der Liebe vervollständigen.
Während Vater und Mutter
sich den Groschen, den sie zur Aussteuer für die Tochter zurücklegen, vom Munde absparen, wird der bescheidene
Lohn des berufstätigen jungen Mädchens in seidene Strümpfe umgesetzt.
Weil aber eine gewisse Literatengesellschaft
es als Tugend betrachtet, ihr Wohlgefallen an glänzend bestrumpften Beinen immer wieder mit Kulturgerede
zu maskieren, so wird die biologische, soziologische und wirtschaftliche Sinnlosigkeit dieses ganzen Gehabes
verschwiegen und der neue Mädchentyp als menschheitserlösend gepriesen.
Wer den Mut hat, das bittere
Ende vorauszusagen, verfällt dem Fluche der Rückständigkeit.
Man kann seine Freude haben an schlanken,
hübschen, leicht bekleideten Körpern. Es ist eher zu viel Freude daran vorhanden als zuwenig.
Die Propheten
einer neuen sexuellen Herrlichkeit können hierüber unbesorgt sein. Aber sie raten der Frau schlecht,
wenn sie begeistert ihrer geschlechtlichen Freiheit zujubeln.
„Die Mode der vergangenen Epoche war die
Mode der lüsternen Verschleierung, des Geheimnisses, die heutige ist die Mode der freien Hingabe“ (Schwabach).
Diese Mode der freien Hingabe ist so lästig geworden, daß männlich empfindende Männer in manchem
Salon der guten Gesellschaft nicht mehr wissen, wo sie hinblicken sollen.
Sie erregt oft einen so entspannenden
Ekel, daß nicht die Anlockung des Mannes, sondern Abstoßung die Folge ist. Die Frau sinkt herab zu einem
geschlechtlichen Gebrauchsgegenstand, der möglichst rasch wieder weggeworfen wird.
Es ist rätselhaft,
warum kluge Menschen diesen Umstand, der allerdings nur erfühlt werden kann, nicht sehen.
Immer zurückhaltender
muß auf die Dauer der Mann hinsichtlich der Eheschließung werden.
Die Junggesellen mögen die Befreiung
der Frau verherrlichen. Wenn sie anfangen, sich in Ehemänner zu verwandeln, so suchen sie sorgsam nach
unberührten Frauen.
Dagegen wird eingewendet, das sei eben ein Rückfall in patriarchalisches Denken,
welches der Mann überwinden müsse. Aber der Verstand spielt hier gar keine Rolle.
Es ist das gesunde
Mannesempfinden, das zur reinen und mütterlichen Frau drängt.
Aus „Die Herrschaft der Minderwertigen,
ihr Zerfall und ihre Ablösung durch ein Neues Reich“ (1930), dem Hauptwerk des konservativen deutschen
Juristen, Politikers und Publizisten Edgar Julius Jungs († 1934).
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