09:40:43 | Dienstag, 21. Dezember 2010
Man würde es nicht für möglich halten: Sie hat das Fruchtwasser nicht untersuchen lassen und würde einen Behinderten nicht abschlachten – und ist trotzdem Mitglied bei den Genossen.

Genossin Andrea Nahles
© Bild: PhilFS, Wikipedia, CC(kreuz.net) Die Generalsekretärin der ‘Sozialdemokratischen Partei Deutschlands’, Genossin Andrea Nahles
(40), geht diese Woche in den Mutterschutz.
Das erklärte sie am 19. Dezember vor der ‘Frankfurter Allgemeinen
Zeitung’.
Die nicht mehr ganz junge Genossin erwartet im Januar ihr erstes Kind.
Wegen eines Hüftleidens
nach einem Autounfall ist sie zu fünfzig Prozent schwerbehindert.
Erst im Juni 2010 heiratete sie den
Kunsthistoriker Marcus Frings.
Die offenbar praktizierende Katholikin hat mehrfach gegen die Fraktion
ihrer lebensfeindlichen Partei gestimmt – etwa bei der Stammzellendiskussion, in der Frage der Spätabtreibung
oder beim Gottesbezug in der EU-Verfassung.
Sie gehört dem Freundeskreis des Benediktinerklosters Maria
Laach im Bistum Trier an.
„Wenn Sie diesen Satz jetzt einmal sagen könnten“Trotz der Schauergeschichten
über späte Schwangerschaften sei ihre Schwangerschaft unproblematisch verlaufen.
Ihr erstes Kind bekommt
sie so spät, weil sie die „Chance einer guten Partnerschaft“ erst jetzt bekam.
Auf die Frage, ob sie
gern noch mehr Kinder haben würde, antwortet sie: „Ich bin jetzt erst einmal rundum glücklich damit,
daß ich eines bekomme. Alles andere sehen wir dann.“
Die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ läßt nicht
locker: „Drei, vier Kinder sollten es schon sein. Wenn Sie diesen Satz jetzt einmal sagen könnten.“
Die Genossin lacht: „Ich sage jetzt mal: Geschwister sind toll, aber es geht auch ohne.“
Kritik an der
sozialistischen Anti-Familien-PolitikDas Problem mit ihrer Berufstätigkeit hat sie so gelöst:
„Für
die ersten Monate ist geplant, daß mein Mann Elternzeit nimmt, und wir sind uns einig, daß er die Hauptverantwortung
in der Erziehung übernehmen wird.“
Sie glaubt, daß es inzwischen in Deutschland mehr Verständnis für
diese Lösung gibt:
„Trotzdem sind wir im Vergleich zu Schweden immer noch kein kinderfreundliches Land
und damit auch kein Land, das freundlich ist zu Familien und deren Lebenssituation“ – kritisiert sie die
sozialistische Anti-Familien-Politik.
„Was würden wir dann tun?“ Höchstens nichtsGenossin Nahles
wird auf ihre Entscheidung angesprochen, trotz ihres Alters keine Fruchtwasseruntersuchung machen zu lassen.
„Eine solche Untersuchung bedeutet, daß man auch mit dem Ergebnis leben muß, daß man möglicherweise
ein behindertes Kind bekommt“ – erklärt sie:
„Daher muß man sich vorher fragen: Was würden wir dann
tun?“
Ihre Antwort: „Mein Mann und ich waren uns einig, daß wir gar nichts tun würden.“
Die Folge:
„Dann brauche ich aber keine solche Untersuchung, die ja auch Risiken für das Kind in sich birgt.“
Denn:
„Auch wenn wir nicht das perfekte Kind haben werden, nehmen wir es so an, wie es ist.“
Sie fügt hinzu:
„Darauf haben wir interessanterweise nicht wirklich positive Reaktionen bekommen. Man wurde eher angeschwiegen.“
Eine klare ethische GrundpositionDer nachdrückliche Hinweis darauf, daß sie vierzig sei, sei „oft“
gefallen.
Sie habe im fünften Monat schlechte Blutwerte gehabt – „die oft vorkommen, wenn Kinder behindert
sind.“
Sie sei dann sehr dankbar gewesen, als einige Menschen versicherten, daß das nur eine sehr geringe
Wahrscheinlichkeit für eine Behinderung des Kindes bedeute:
„Wenn ich nicht diese Freunde gehabt hätte
und eine klare ethische Grundposition, dann wäre ich wohl ganz schön in Aufregung geraten.“
Andere
Frauen hätten ihr dann erzählt, solche Sorgen hätten ihnen die halbe Schwangerschaft verhagelt.
Schwangersein
ist keine KrankheitGenossin Nahles sieht die Gefahr, daß Schwangerschaften in Deutschland von Anfang
an mit Untersuchungen und Kontrollen verbunden sind, als ob Schwangersein eine Krankheit wäre.
Dadurch
könnten ein unbefangener Umgang mit der Schwangerschaft und die Freude auf das Kind verloren gehen.
Sie nimmt sich selber nicht aus: „Am Ende habe ich auch alle möglichen Untersuchungen gemacht und hätte
ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn ich da was ausgelassen hätte.“
Die Genossin fügt hinzu: „Da bin
ich wohl auch eine richtige Deutsche.“
Der Mensch hat kein Recht auszusortierenGenossin Nahles spricht
sich klar für ein Verbot der unmoralischen
Präimplantationsdiagnostik aus:
„Denn ich glaube nicht,
daß die geplante Begrenzung auf Ausnahmen auf Dauer Bestand hat.“
Sie findet diese Ausnahmen zwar „menschlich
nachvollziehbar“.
Es sei sehr schwierig, gegen solche schlimme Einzelfälle mit grundsätzlichen Bedenken
zu argumentieren:
„Aber es geht für mich um die Frage: Hat der Mensch das Recht, das auszusortieren,
was er an vermeintlichen Erbkrankheiten erkennen kann, und nur vermeintlich gesunde Embryonen einzusetzen?“
Die Genossin hält eine solche Auswahl für unethisch.
Ihre Haltung in dieser Frage sei „höchstpersönlich
und quer durch die Parteien sehr unterschiedlich“.
Ihre Position vertritt sie, auch um ein Bewußtsein
dafür zu schärfen, „worauf wir zusteuern“.
Absolution für die AbtreibungspolitikerDie Genossin erzählt
von einer Freundin, die vor ein paar Jahren ein Kind mit einer kleinen Fehlbildung gebar.
Darauf fragte
eine junge Ärztin: „Ja, haben sie sich denn nicht genetisch beraten lassen?“
Genossin Nahles kommentiert:
„Eine solche Haltung macht mir Sorgen.“
Bei der Frage um die Abtreibungsgewalt gegen behinderte Menschen
versteckt sich die Genossin hinter einen „gesellschaftlichen Kompromiß“.
Für sie ist es angeblich nicht
möglich, diese Fragen ethisch einwandfrei zu lösen.
Bei der Spätabtreibung habe sie daran mitgewirkt,
daß es gesetzlich nun eine dreitägige Bedenkfrist gebe: „Aber trotzdem beschwert mich die Vorstellung
von Spätabtreibungen weiter.“
Sie absolviert die Politik, die „bei ethischen Fragen an ihre Grenzen“
stoße und schiebt die Verantwortung auf den einzelnen:
„Die individuelle Abwägung und Verantwortung
bleibt.“
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