16:13:06 | Mittwoch, 22. Dezember 2010
Als die erste Diözesan-Kommission der Wahrhaftigkeit des „Großen Zeichens“ von Medjugorje nachging kam ihr zugute, daß das Telephon gerade nicht funktionierte. Von Bischof Ratko Perić von Mostar-Duvno.

Erscheinungsberg in Medjugorje
© Bild: gnuckx, Flickr, CC(kreuz.net) Am 21. Januar 1982 bemerkt der Chronist, Pater
Tomislav Vlašić im Tagebuch der angeblichen
Erscheinungen von Medjugorje:
„Die fünf Seher haben auch heute abend eine Begegnung mit der Muttergottes
gehabt. Alles hat fünf Minuten gedauert.
Neben dem Gebet, dem Gesang und den übliche Begrüßungen
haben die Seher auch einige Fragen gestellt, auf die sie eine Antwort erhielten:
1. Warum gibt die Gospa
nicht ein konkretes Zeichen, damit die Priester sich überzeugen können und beginnen, sich und die Welt
zu bekehren?
Die Antwort: »Ich werde das Zeichen im richtigen Augenblick geben«.“Die Seher kennen
den TagSeit der ersten Ankündigung des Zeichens sind sechs Monate vergangen, und es gibt keinerlei
Zeichen, weder groß noch konkret.
Schließlich wäre das Zeichen auch für die mißtrauischen Priester
ein überzeugender Beweis für die Wahrhaftigkeit der Erscheinungen.
Die Erscheinung antwortet aber,
daß sie das Zeichen im richtigen Augenblick geben werde.
Gewiß steht es uns nicht zu, nachzufragen,
wann denn der richtige Augenblick sein wird, sondern wir müssen uns bis zum richtigen Augenblick gedulden.
Am 16. März 1982 steht in der Chronik:
„[Die Seherin] Vicka sagt, daß sie den Tag kennen, an dem die
Gospa ein sichtbares äußeres Zeichen geben wird; aber das ist noch ein Geheimnis.“Die Seher wissen
aber nicht nur den „richtigen Zeitpunkt“, sondern auch den „Tag“, an dem die Erscheinung ein sichtbares
Zeichen geben wird.
Für uns alle aber ist das Zeichen von einem Geheimnis umgeben, damit die Gläubigen
um so neugieriger, nervöser und eingeschüchterter seien.
Ein vernünftiger VorschlagAm 8. Mai 1982
fährt Chronist Vlašić weiter:
„Vier Seher waren anwesend […]. Die Seher haben heute abend insbesondere
gefragt, ob sie das Datum des großen Zeichens auf Papier aufschreiben und das Zeichen beschreiben und
es dann versiegelt im Archiv lassen dürfen.
Die Gospa hat geantwortet: »Nein! Das habe ich nur euch
anvertraut. Ihr werdet es sagen, wenn ich es euch sagen werde.
Ich weiß, daß viele euch nicht glauben
werden und ihr deshalb viel leiden müßt. Aber ihr werdet alles ertragen und ihr werdet glücklichere
Menschen sein«.“Der Hintergrund: Die Mitglieder der ersten Diözesan-Kommission für Medjugorje (1982-84)
wollten im Auftrag von Bischof Pavao Žanić († 2000) die Angaben über das sogenannte „große Zeichen“
überprüfen, über das man viel sprach und das sich bald verwirklichen sollte.
In einem Treffen vom
7. Mai 1982 war man zum Schluß gekommen, daß die Kommission alle sechs „Seher“ bitten würde, die zwei
elementaren Fragen zu antworten:
„1. Welches Zeichen wird die Gospa geben? 2. Wann wird sich das Zeichen
ereignen?“
Die „Seher“ sollten die Antworten in zwei Kopien aufschreiben, diese in Umschläge stecken
und sie mit dem Siegel der Diözesankurie versiegeln.
Ein Exemplar sollte jeder von ihnen, das andere
die Kurie aufbewahren.
Wenn dann das „große Zeichen“ eingetroffen wäre, hätte man den Umschlag geöffnet.
Dann könnte man die Ankündigung des Zeichens lesen und würde sehen, ob das angekündigte Zeichen der
eingetroffenen Wirklichkeit entsprechen würde oder nicht.
Der Vorschlag war wirklich vernünftig und
klug. Die Antworten der „Seher“ könnten alle Zweifel auflösen, auch die Zweifel der Priester.
Eine
franziskanische Regieanweisung?Doch in der Zwischenzeit sieht man, daß die Finger einiger Franziskaner –
nicht nur jene der „Seher“ – im Spiel waren.
So schreibt Bischof Žanić: „Pater Ivan Dugandžić, ein
Mitglied der Kommission, hat später gestanden, Pater Tomislav Vlašić über die Absicht der Kommission
und des Bischofs informiert zu haben.“
Die Schlußfolgerung liegt nahe, daß derselbe Vlašić sich um
den Schutz des „großen Zeichens“ gekümmert und die Seher gebeten hat, die Gospa zu fragen, ob sie dem
Wunsch des Bischofs und der Kommission entsprechen könnten.
In der Folge wollten vier „Seher“ in Medjugorje
die Fragen der Kommission nicht beantworten und erklärten, daß die „Gospa“ ein entschiedenes Nein gesprochen
habe, daß man überhaupt darüber spreche.
So antwortete auch Mirjana Dragićević, die in Sarajevo
war.
Probleme mit dem Telephon?Dagegen konnte niemand Ivan Dragićević im Priesterseminar von Visoko
erreichen, weil das Telephon gerade nicht funktionierte.
Darum kamen die Mitglieder der Kommission, Dr.
Mato Zovkić und Dr. Želimir Puljić rechtzeitig dort an, um dem „Seher“ Ivan ihre Fragen zu stellen.
Dieser antwortete sogleich.
Das war ein erstes Zeichen des Widerspruchs im Verhalten der „Seher“. Ihre
Darstellungsweise wird sich im weiteren immer mehr verstricken.
Am 9. Mai 1982 schrieb Ivan in Visoko
eine Erklärung in zwei Exemplaren.
Eine versiegelte Erklärung wurde der Kurie anvertraut und an einem
sicheren Ort aufbewahrt, während das andere Exemplar im Seminar verblieb, das heißt, bei Ivan.
Später
wurde der Umschlag in der Kurie mit Ivans Erlaubnis von der Kommission geöffnet.
Doch wir wollen der
chronologischen Abfolge der Ereignisse über das Zeichen folgen.
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