Ein katholischer Professor ist eingeladen, bei den Mitbrüdern des anderen Lungenflügels zu referieren. Er hat sich vorgenommen, über ein heißes Eisen zu sprechen: der Primat des Papstes. Ein ökumenischer Vortrag über ein unökumenisches Thema.
(kreuz.net) Das lateinische Eröffnungsgebet beendete der Gelehrte mit der Anrufung: „Heiliger Petrus!“.
Worauf die Anwesenden mit tiefer byzantinischer Baßstimme antworten: „Bitte für uns!“
Man könne nicht
von Begriffen sprechen, die man nicht definiert habe, beginnt der Professor seinen Vortrag. Darum fragte
er sein ökumenisches Publikum: Wie kann man den Papst definieren?
Nach einer kurzen aber intensiven
Stille, antwortet er selber: Der Papst ist der Nachfolger des heiligen Petrus im obersten Hirtenamt der
Kirche.
„Nachdem wir diese Antwort gefunden haben, liegt die zweitwichtigste Frage auf der Hand“, fährt
der Professor weiter: Wer hat das Papsttum eingesetzt? Und wie?
Die Zuhörerschaft fällt erneut in tiefstes
Schweigen.
Zu dieser Frage sei die Antwort nicht weniger prägnant, setzt der Professor an: Christus
hat das Papsttum eingesetzt, als er den Apostel Petrus zum ersten der Apostel und zum sichtbaren Haupt
der ganzen Kirche bestellt hat.
Wesen und Herkunft des Papstamtes seien somit geklärt. Jetzt müsse
gezeigt werden, daß die Antworten auf die zwei Fragen keine fromme Lüge seien.
Die Antworten, die er
auf die zwei Einleitungsfragen gegeben habe, seien nicht das zweideutige Ergebnis einer ökumenischen
Gesprächsrunde, sondern handfeste Aussagen aus der heiligen Schrift.
Genauer: aus dem Matthäusevangelium,
Kapitel 16. Nach dem feierlichen Messiasbekenntnis des Apostel Petrus sagt Jesus Christus dort:
„Du bist
Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht
überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du auf Erden binden wirst, wird
auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.“
Nach
den zwei Einleitungsfragen wolle er jetzt seine Aufmerksamkeit diesen heiligen Worten zuwenden.
Sie sind –
so der Professor – allein und direkt an Petrus gerichtet.
„Unter Verwendung von drei Bildern übergibt
Christus dem Apostelfürsten die oberste Gewalt in der Kirche. Die drei Bilder sind: der Fels, der Schlüssel
und das Binden und Lösen.“
Die drei Bilder würden das Hirten-, das Priester- und das Prophetenamt des
Papstes bezeichnen.
Erstens: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“ Petrus
ist das Felsenfundament der Kirche. Ohne diese Grundlage würde die Kirche auseinanderfallen und in alle
Welt zerstreut werden. Der Fels hält die Kirche zusammen. Darum ist er ein Symbol für das Hirtenamt
des Papstes.
Zweitens: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben.“ Petrus ist der Schlüsselträger.
Keiner, der ins Haus will, kommt am Schlüsselträger vorbei. Keiner, der in den Himmel will, kommt am
Apostel Petrus und seinem Nachfolger vorbei. Warum? Weil Petrus mit seinen Schlüsseln den Weg in den
Himmel öffnet. Welche Schlüssel sind das? Das sind die Schlüssel der sieben Sakramente, welche die
Schlösser der Sünde knacken, die das Himmelstor geschlossen halten. Der Zelebrant der Sakramente ist
der Priester. Darum bezeichnen die Schlüssel das oberste Priesteramt des Papstes.
Drittens: „Was du
auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch
im Himmel gelöst sein.“ Worauf bezieht sich das petrinische Binden und Lösen? Zuerst das Binden: Petrus
bindet die Gläubigen an das Wort des Evangeliums. Das nimmt ihm die Welt sehr übel. Dann das Lösen:
Petrus löst die Schwierigkeiten, die sich den Gläubigen im Verständnis der heiligen Lehre in den Weg
stellen. Er verkündigt und erklärt also das Wort Gottes. Der Botschafter des Gotteswortes ist der Prophet.
Darum beziehen sich Binden und Lösen auf das Prophetenamt des Papstes.
„Alles schön und gut“, raunt
es aus dem orthodoxen Publikum.
Aber, Herr Professor: Warum wird Petrus von Christus in Matthäus 16
nicht konkret in sein dreifaches Amt eingesetzt? Auch nach Matthäus 16 ist Christus der Anführer der
Apostel, nicht Petrus.
Der Professor ist um eine Antwort nicht verlegen:
Der Primat wird dem heiligen
Petrus erst nach der Auferstehung Christi übertragen. Petrus versichert dem Auferstandenen dreimal seine
Liebe. Dann erhält er den Auftrag: „Weide meine Lämmer.“ Regiere meine Kirche.
Solange ist die Herrschaft
des Papstes unfehlbar, als sie auf der Liebe zu Christus gründet. Deshalb kann sie sogar die Pforten
der Hölle besiegen.
Aber nur, wenn sie mit ihr den Kampf aufnimmt.
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3 Lesermeinungen
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Zur Rechtsidee Wahrscheinlich kann ein, noch so kluger, Lehrtraktat die Orthodoxie nicht überzeugen;
vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Aber die abendländische Kirche, die „römisch-katholische“
hat sich dem Problem von Macht und Gnade auf eine viel energischere Weise stellen müssen. Das Ringen
zwischen dem Papsttum und dem (aus Byzanz gleichsam re-importierten fränkischen) Kaisertum hat große
Probleme durch die Jahrhunderte aufgerissen. Doch im ganzen: Erleben wir seit 1800 einen nicht mehr für
möglich gelaltenen Siegeszug der Institution „Heiliger Stuhl“. Sogar die Schweiz sucht jetzt diplomatische
Beziehungen! Es ist die für die Orthodoxie so schwer zu fassende, weltliche Kehrseite, die Verankerung
des Glaubens auch in einer konkreten Rechts- und Machtordnung, die uns überhaupt befähigte, einem politischen
Programm wie dem Islam oder auch anderen, nichtreligiösen totalitären Ideen entgegenzutreten. Nachdem
über rd. ein Jahrtausend hinweg die so fremd anmutende „Tiara“ symbolisch allen Herren dieser Welt ihre
Ansprüche beschnitten hat –- bleibt dieser Krone nur noch die Funktion, jährlich am 29. Juni in der
Petersbasilika daran zu erinnern, dass es Petrus verheißen wurde: non praevalebunt. Die Tiara im persönlichen
Papstwappen wegzulassen zu bringen ist ein Friedensangebot an die Orthodoxie. Gegenüber der ehrwürdigen
Orthodoxie will Petrus nur Patriarch des Abendlandes sein, dazu wurde er dorthin geführt, wohin er nicht
wollte, nach Rom, „luce delle genti.“