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Mittwoch, 25. Mai 2005 17:48
Petrus, der Papst und der Primat
Ein katholischer Professor ist eingeladen, bei den Mitbrüdern des anderen Lungenflügels zu referieren. Er hat sich vorgenommen, über ein heißes Eisen zu sprechen: der Primat des Papstes. Ein ökumenischer Vortrag über ein unökumenisches Thema.
(kreuz.net) Das lateinische Eröffnungsgebet beendete der Gelehrte mit der Anrufung: „Heiliger Petrus!“. Worauf die Anwesenden mit tiefer byzantinischer Baßstimme antworten: „Bitte für uns!“

Man könne nicht von Begriffen sprechen, die man nicht definiert habe, beginnt der Professor seinen Vortrag. Darum fragte er sein ökumenisches Publikum: Wie kann man den Papst definieren?

Nach einer kurzen aber intensiven Stille, antwortet er selber: Der Papst ist der Nachfolger des heiligen Petrus im obersten Hirtenamt der Kirche.

„Nachdem wir diese Antwort gefunden haben, liegt die zweitwichtigste Frage auf der Hand“, fährt der Professor weiter: Wer hat das Papsttum eingesetzt? Und wie?

Die Zuhörerschaft fällt erneut in tiefstes Schweigen.

Zu dieser Frage sei die Antwort nicht weniger prägnant, setzt der Professor an: Christus hat das Papsttum eingesetzt, als er den Apostel Petrus zum ersten der Apostel und zum sichtbaren Haupt der ganzen Kirche bestellt hat.

Wesen und Herkunft des Papstamtes seien somit geklärt. Jetzt müsse gezeigt werden, daß die Antworten auf die zwei Fragen keine fromme Lüge seien.

Die Antworten, die er auf die zwei Einleitungsfragen gegeben habe, seien nicht das zweideutige Ergebnis einer ökumenischen Gesprächsrunde, sondern handfeste Aussagen aus der heiligen Schrift.

Genauer: aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 16. Nach dem feierlichen Messiasbekenntnis des Apostel Petrus sagt Jesus Christus dort:

„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.“

Nach den zwei Einleitungsfragen wolle er jetzt seine Aufmerksamkeit diesen heiligen Worten zuwenden.

Sie sind – so der Professor – allein und direkt an Petrus gerichtet.

„Unter Verwendung von drei Bildern übergibt Christus dem Apostelfürsten die oberste Gewalt in der Kirche. Die drei Bilder sind: der Fels, der Schlüssel und das Binden und Lösen.“

Die drei Bilder würden das Hirten-, das Priester- und das Prophetenamt des Papstes bezeichnen.

Erstens: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“ Petrus ist das Felsenfundament der Kirche. Ohne diese Grundlage würde die Kirche auseinanderfallen und in alle Welt zerstreut werden. Der Fels hält die Kirche zusammen. Darum ist er ein Symbol für das Hirtenamt des Papstes.

Zweitens: „Ich will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben.“ Petrus ist der Schlüsselträger. Keiner, der ins Haus will, kommt am Schlüsselträger vorbei. Keiner, der in den Himmel will, kommt am Apostel Petrus und seinem Nachfolger vorbei. Warum? Weil Petrus mit seinen Schlüsseln den Weg in den Himmel öffnet. Welche Schlüssel sind das? Das sind die Schlüssel der sieben Sakramente, welche die Schlösser der Sünde knacken, die das Himmelstor geschlossen halten. Der Zelebrant der Sakramente ist der Priester. Darum bezeichnen die Schlüssel das oberste Priesteramt des Papstes.

Drittens: „Was du auf Erden binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, wird auch im Himmel gelöst sein.“ Worauf bezieht sich das petrinische Binden und Lösen? Zuerst das Binden: Petrus bindet die Gläubigen an das Wort des Evangeliums. Das nimmt ihm die Welt sehr übel. Dann das Lösen: Petrus löst die Schwierigkeiten, die sich den Gläubigen im Verständnis der heiligen Lehre in den Weg stellen. Er verkündigt und erklärt also das Wort Gottes. Der Botschafter des Gotteswortes ist der Prophet. Darum beziehen sich Binden und Lösen auf das Prophetenamt des Papstes.

„Alles schön und gut“, raunt es aus dem orthodoxen Publikum.

Aber, Herr Professor: Warum wird Petrus von Christus in Matthäus 16 nicht konkret in sein dreifaches Amt eingesetzt? Auch nach Matthäus 16 ist Christus der Anführer der Apostel, nicht Petrus.

Der Professor ist um eine Antwort nicht verlegen:

Der Primat wird dem heiligen Petrus erst nach der Auferstehung Christi übertragen. Petrus versichert dem Auferstandenen dreimal seine Liebe. Dann erhält er den Auftrag: „Weide meine Lämmer.“ Regiere meine Kirche.

Solange ist die Herrschaft des Papstes unfehlbar, als sie auf der Liebe zu Christus gründet. Deshalb kann sie sogar die Pforten der Hölle besiegen.

Aber nur, wenn sie mit ihr den Kampf aufnimmt.
3 Lesermeinungen:
Dienstag, 31. Mai 2005 08:13
Dr. Otterbeck: Zur Rechtsidee
Wahrscheinlich kann ein, noch so kluger, Lehrtraktat die Orthodoxie nicht überzeugen; vielleicht ist das auch gar nicht nötig. Aber die abendländische Kirche, die „römisch-katholische“ hat sich dem Problem von Macht und Gnade auf eine viel energischere Weise stellen müssen. Das Ringen zwischen dem Papsttum und dem (aus Byzanz gleichsam re-importierten fränkischen) Kaisertum
hat große Probleme durch die Jahrhunderte aufgerissen. Doch im ganzen: Erleben wir seit 1800 einen nicht mehr für möglich gelaltenen Siegeszug der Institution „Heiliger Stuhl“. Sogar die Schweiz sucht jetzt diplomatische Beziehungen!

Es ist die für die Orthodoxie so schwer zu fassende, weltliche Kehrseite, die Verankerung des Glaubens auch in einer konkreten Rechts- und Machtordnung, die uns überhaupt befähigte, einem politischen Programm wie dem Islam oder auch anderen, nichtreligiösen totalitären Ideen entgegenzutreten. Nachdem über rd. ein Jahrtausend hinweg die so fremd anmutende „Tiara“ symbolisch allen Herren dieser Welt ihre Ansprüche beschnitten hat –- bleibt dieser Krone nur noch die Funktion, jährlich am 29. Juni in der Petersbasilika daran zu erinnern, dass es Petrus verheißen wurde: non praevalebunt.

Die Tiara im persönlichen Papstwappen wegzulassen zu bringen ist ein Friedensangebot an die Orthodoxie. Gegenüber der ehrwürdigen Orthodoxie will Petrus nur Patriarch des Abendlandes sein, dazu wurde er dorthin geführt, wohin er nicht wollte, nach Rom, „luce delle genti.“
Samstag, 28. Mai 2005 10:25
Yersinia: und? hat der fiktive Herr Professor
die Orthodoxen überzeugt? pilgern die jetzt alle nach Rom?
Mittwoch, 25. Mai 2005 19:59
Paul Mayer: Wirklich gut
und anschaulich erklärt! Handelt es sich um ein längeres Zitat aus einem (Katechismus)Werk oder wurde das ad hoc für kreuz.net kreiert?
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