Wer wird auf dem Bischofssitz von Linz Platz nehmen?
„Der nächste Bischof muß Brücken schlagen. Brücken neben der Wahrheit darf es aber nicht geben. Wichtig ist, daß wir den Mut zur Wahrheit haben. Das Ziel ist die Einheit der Kirche.“ Interview mit einem Episkopabile.
(kreuz.net, Linz) Die österreichischen Medien rätseln darüber, wer der nächste Bischof von Linz werden
könnte. Linz ist die Hauptstadt von Oberösterreich. Vor rund zehn Tagen nahm Papst Benedikt XVI. den
Rücktritt des dortigen Diözesanbischofs, Mons. Maximilian Aichern OSB, an.
Einer der Wunschkandidaten
der Konservativen in der Diözese ist Pfarrer Gerhard Wagner von Windischgarsten. Windischgarsten befindet
sich rund 90 km südlich von Linz. Die in Linz publizierte Tageszeitung ‘Oberösterreichische Nachrichten’
befragte Pfarrer Wagner vor rund einer Woche zur Situation im Bistum Linz.
Windischgarsten gilt als eine
der blühendsten Pfarreien in Oberösterreich. Vor allem die Jugend- und Kinderarbeit des dortigen Pfarrers
ist weit über die Grenzen der Diözese Linz bekannt.
Pfarrer Wagner studierte an der römischen Gregoriana
und ist promovierter Dogmatiker.
Zur Frage, ob der Konflikt zwischen dem konservativen und dem modernistischen
Lager mit ein Grund für den Rückzug des Bischofs von Linz gewesen sei, gesteht Pfarrer Wagner im Interview
Unkenntnis. Es sei ihm aber nicht entgangen, daß es Spannungen gegeben habe.
Bischof Aichern habe selber
derartige Motive für seinen Rücktritt verneint. „Ich würde das so hinnehmen“, meint der Priester dazu:
„Wenn ein Mann, der viele Jahrzehnte gedient hat, mit 73 Jahren sagt ‘Jetzt ist es genug’, dann respektiere
ich diese Entscheidung.“
Der nächste Bischof müsse Einheit stiften: „Er muß Brücken schlagen. Brücken
neben der Wahrheit darf es aber nicht geben. Wichtig ist, daß wir den Mut zur Wahrheit haben. Das Ziel
ist die Einheit der Kirche.“ Ein Kompromiß sei der falsche Weg.
Zur Frage nach der Mitarbeit durch Laien
erklärt Wagner, daß er selber als Pfarrer sehr beschäftigt sei und zum Glück auf die Unterstützung
vieler Laien bauen könne: „Aber eine Klerikalisierung der Laien und eine Verweltlichung des Klerus lehne
ich ab. Das Hindrängen zum Altar ist nicht der richtige Weg. Es gibt einen gesegneten Unterschied, der
dem anderen zum Heile dient.“
Ob Mons. Aichern zu weltoffen reagiert habe, wird der Priester gefragt.
„Weltoffen ist die falsche Bezeichnung.“ Bischof Aichern sei so liebenswürdig gewesen, daß es für ihn
nicht einfach war, Grenzen zu ziehen: „Er ist in der Mitte gestanden und war dem Druck von allen Seiten
ausgesetzt. Dem standzuhalten war nicht einfach.“
Der neue Bischof von Linz brauche vor allem zwei Dinge:
Mut und nochmals Mut. Und danach brauche er eine große innere Ausgeglichenheit und Eifer in der Seelsorge:
„Er muß zu den Menschen gehen und eine Freude daran haben, mit ihnen zu arbeiten.“
Auf die Frage, ob
sich in Oberösterreich eine geeignete Persönlichkeit finden werde, meinte Pfarrer Wagner, daß er keine
Namen nennen wolle. Es gebe aber geeignete Kandidaten.
Auch sein eigener Name sei gefallen: „Wenn ich
aber daran denke, daß ich gefragt werde, ob ich Bischof von Linz werden wolle, verbinde ich das mit einer
Mischung aus Angst und Ohnmacht.“
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