Italien wird in Kürze über ein Gesetz abstimmen, das die Erzeugung von Menschen im Labor regelt. Zu diesem Anlaß klettern die italienischen Bischöfe höchstpersönlich auf die Barrikaden.
(kreuz.net, Rom) Am zweiten Juniwochenende findet in Italien ein Referendum statt. Damit soll die Abschaffung
des „Gesetzes Nummer 40“ erzwungen werden. Dieses Gesetz regelt die Erzeugung von Kindern im Labor. Es
wurde vom italienischen Parlament am 19. Februar 2004 verabschiedet.
Das Gesetz gilt als eines der menschenfreudlichsten
in Europa. Es beschränkt die Anzahl von Eizellen, die bei einer Frau künstlich befruchtet werden dürfen,
auf drei. Das Einfrieren von Kleinstkindern ist grundsätzlich untersagt. Es darf auch keine Jagd auf
Behinderte gemacht werden.
Kleinstkind dürfen nicht für Forschungszwecke mißbraucht und dabei getötet
werden. Das sogenannte „therapeutische Klonen“ ist verboten.
Beim „therapeutischen Klonen“ werden die
Erbinformationen einer bereits geborenen Person X biotechnisch in eine Eizelle eingepflanzt. Diese wird
anschließend herangezüchtet. Auf diese Weise entsteht ein Zwilling von X. Der Zwillingsbruder wird aber
nicht zur Geburt gebracht, sondern vorher getötet, um seine Zellen zu gewinnen. Die Zellen hofft man,
für verschiedene Therapien einzusetzen.
Unerlaubt ist auch die Leihmutterschaft. Bei der Leihmutterschaft
wird eine im Labor befruchtete Eizelle einer fremden Frau eingepflanzt. Diese trägt das Kind für die
natürliche Mutter aus.
Gegenwärtig ist das im Labor erzeugte Kind in gleichem Maß ein Rechtssubjekt
wie dessen Mutter. Italien ist einer der wenigen Staaten, welche die Personenrechte des Menschen in seinen
ersten Lebenstagen – wenigstens solange er im Labor ist – anerkennen.
Denn sobald das Kind im Mutterleib
eingepflanzt ist und dort heranwächst, verliert es seine Rechte wieder. Italien kennt eine brutale Abtreibungsgesetzgebung.
Über den Schutz von Laborkindern ist die Bioindustrie nicht erfreut: Denn sie kann damit kein Geld verdienen.
Darum wollen die italienischen Linksparteien das Gesetz mit dem Juni-Referendum zu Fall bringen.
Doch
das ist nicht so einfach. Eine Annahme des Referendums genügt nämlich nicht. Die Abstimmung ist nur
rechtsverbindlich, wenn mindestens die Hälfte der stimmberechtigten Italiener daran teilnehmen.
Damit
das nicht geschieht, rufen die italienischen Bischöfe zu einem Boykott des Referendums auf.
An forderster
Front kämpft dabei Camillo Kardinal Ruini, der Präsident der italienischen Bischofskonferenz.
Der frühere
Präfekt des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur, Mario Francesco Kardinal Pompedda, unterstützt
Kardinal Ruini: „Ein Katholik, der die Stimme der Vorsicht seines Bischofs ignoriert und an der Abstimmung
teilnimmt, begeht schweren Ungehorsam.“
Nach Ansicht von Kardinal Dionigi Tettamanzi von Mailand ist
ein Abstimmungsboykott das wirksamste Mittel, um das bestehende – relativ gute – Gesetz nicht noch weiter
zu verschlimmern: „Es ist ohnehin schon an der Grenze des Tolerierbaren.“
Für den Fall, daß das Gesetz
dennoch zu Fall gebracht würde, ruft Kardinal Tarcisio Bertone von Genua zum zivilen Ungehorsam auf.
Doch Kardinal Bertone ist zuversichtlich: „Ich bin aber gewiß, daß viele Katholiken auf die Bischöfe
hören und Mitte Juni nicht an der Abstimmung teilnehmen werden“ – so der frühere zweite Mann in der
vatikanischen Glaubenskongregation.
Email-Adressen der Empfänger
7 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Embryonen-Stammzellen-Therapie So sieht das aus, was da auf uns zu kommt. Wir werden nicht verhindern
können dass im nichtkatholischen Korea dieser Weg über kurz oder lang zu Ende gegangen werden wird.
Die Frage ist doch die: Wie wird der heilige Stuhl reagieren, wenn diese Therapie da ist. Folgende Kasuistik:
Ein Kind hat Diabetes mellitus vom Typ eins. Im Verlauf der Krankheit hat dieses Kind die Aussicht auf
verschiedene Gefässerkrankungen inklusive Herzinfarkt, Erblindung und Nierenversagen mit vorhergehender
quälender Dialyse. Die Therapie mit Stammzellen könnte diesen Verlauf nicht nur verzögern (wie dies
die ICT-Insulintherapie schon heute tut), sondern ein für allemal unterbrechen. Was dürfen die Eltern
tun? Was tut die Mutter? Was will der Vater? Wie entscheidet das Lehramt? Werden die Sorgebevollmächtigten
die Entscheidung des Papstes in ihre Überlegungen mit einbeziehen? Oder verliert das Lehramt noch schneller
an Macht über und an Einfluss auf die Menschen? Gelobt sei Jesus Christus!
Natürlich sind Embryonen Kleinstkinder Embryo = Fachbezeichnung für ungeborene Menschen bis zur 8. Woche
(in anderer Literatur bis zur 12. Woche). Wenn ich schwanger bin, bin ich mit einem Menschen schwanger
und nicht mit einem Zellgebilde oder einer Himbeere. Aus der Verbindung zweier Menschen kommt ein Mensch
heraus – kein Frosch, kein Kalb, keine Brombeere, sondern ein Mensch. Ist ja eigentlich logisch.
der einfache Mann und die einfache Frau – seltsam, dass du dies vergißt – können sich heute zur Genüge
informieren und das Thema selbst wird oft genug öffentlich diskutiert; wer wollte auf die Segnungen der
modernen Medizin verzichten?
@Yersinia Der breiten Masse, dem einfachen Mann, wird erklärt dass ein Embryo nur ein Stück wertloses
Fleisch darstellt. Da ist es mehr recht als schlecht den Embryo als Kleinstkind, künftigen Säugling
also einfach als vollwertiges Mitglied unserer ehrenwerten Gesellschaft zu proklamieren. Ob das der Embryo
überhaupt will?
Embryonen sind keine „Kleinstkinder“ – soviel zur sachlichen Richtigkeit, die unumgänglich ist, wenn
man ein Anliegen gut vertreten möchte; und die Frage der Internationalität von Forschung und Industrie
ist mit nationalen Gesetzen kaum zu klären; die Sache ist in Europa verboten und wird dann halt „wo anders“
gemacht; dort entstehen dann neue Arbeitsplätze, während Europas Gesellschaft immer mehr in Schwierigkeiten
kommt.