Legionäre Christi
Eine Erklärung aus dem falschen Faxgerät?
Die Legion Christi hat Medienberichte dementiert, wonach ein kanonischer Prozeß gegen ihren Gründer am Laufen ist oder vorbereitet wird. Sie beruft sich dabei auf den Heiligen Stuhl. Jetzt hören einige in Rom das Gras wachsen.
(kreuz.net, Vatikan) Am 20. Mai erklärte die Kongregation der „Legionäre Christi“, daß gegen ihren Gründer, Pater Marcial Maciel LC, weder ein kanonischer Prozeß laufe noch in Aussicht stehe. Dies habe der Heilige Stuhl der Ordensgemeinschaft mitgeteilt.

Dem Gründer der blühenden mexikanischen Ordensgemeinschaft werden Fälle sexuellen Mißbrauchs an neun Ex-Legionären vorgeworfen. Das Fehlverhalten soll sich in den 40er und 50er Jahren zugetragen haben.

John Allen, der Romkorrespondent der linkskatholischen US-amerikanischen Wochenzeitung „National Catholic Reporter“ bezeichnet das Dementi jedoch als Halbwahrheit. Er glaubt, daß die vatikanische Erklärung, auf die sich die Legion beruft, aus dem falschen vatikanischen Büro kam.

Das Dokument stammte aus dem Staatssekretariat. Es wurde den Legionären Christi als Fax ohne Unterschrift zugeschickt. Das Schreiben war jedoch mit dem vatikanischen Siegel versehen und besitzt darum einen offiziellen Status.

Der angebliche Haken an der Sache: Das Staatssekretariat kümmert sich um die diplomatischen Beziehungen des Vatikan zu anderen Staaten, nicht um die Disziplin der Priester. Es wäre somit für die Sache gar nicht zuständig.

Fälle des klerikalen sexuellen Mißbrauchs an Minderjährigen gehören zum Arbeitsbereich der Glaubenskongregation.

Der Journalist des „National Catholic Reporters“ berichtet, daß es von der Glaubenskongregation zum Fall keine Stellungnahme gebe. Eine solche wäre allerdings äußerst unüblich.

Der Pressesprecher der Legionäre Christi in Nordamerika, Pater Jay Dunlap, ist sich sicher: „Wir glauben, daß der Heilige Stuhl über dieses Thema mit geeinter Stimme spricht“.

John Allen vom „National Catholic Reporter“ meint, mehr zu wissen. Angeblich sind der Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano und der Gründer der Legionäre Christi Freunde. Die Erklärung aus dem Staatssekretariat soll darum ein Freundschaftsdienst gewesen sein.

Allen fragt sich, was die Aussage des Staatssekretariats bedeutet, wonach bezüglich des Gründers der Legion „weder ein kanonischer Prozeß läuft noch in Aussicht steht“?

Die Formulierung „in Aussicht stehen“ läßt – nach Allen – alles offen. Der Ausdruck habe im vatikanischen Sprachgebrauch nicht die gleiche Bedeutung wie „beabsichtigt sein“.

„In Aussicht stehen“ werde meist dann verwendet, wenn der Vatikan an einer Sache noch nicht offiziell zu arbeiten begonnen hat, aber auch nicht ausschließe, sie in Angriff zu nehmen.

Auf die vatikanische Presseerklärung bezogen, würde das heißen, daß eine Möglichkeit für einen Prozeß gegen Pater Maciel immer noch offenstehe.

Die Spekulationen von Allen überzeugen nicht wirklich. Mag sein, daß das Staatssekretariat für die vatikanische Außenpolitik zuständig ist. Unter dem Pontifikat von Papst Johannes Paul II. hat es sich auch zur übergeordneten Instanz für die anderen vatikanischen Kongregationen entwickelt.

Damit ist eine Stellungnahme des Staatssekretariates in dieser Sache durchaus von Relevanz.

Mit den von Allen angeführten sprachlichen Unterscheidungen würde sich das Staatssekretariat ins eigene Fleisch schneiden. Denn doppelzüngige Formulierungen werfen ein schlechtes Licht auf den, der sie benützt. Wäre der Fall noch in der Schwebe, hätte das Staatssekretariat schweigen können. Doch wenn es spricht, ist die Sache gewöhnlich erledigt.
      
6 Lesermeinungen
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#6   Romulus   19:44:42 | Montag, 30. Mai 2005
@Didimus
Ihr Loblied auf die Legionäre mag ja richtig sein, aber auch für die Jesuiten früherer Tage reichte es bei weitem nicht aus, die Dinge, die sie aufzählen
( tiefe Liebe zu Christus, intensives Gebetsleben, Liebe zu Maria, Treue zum Heiligen Vater und der Lehre der katholischen Kirche, Korrektheit der Zelebration, vorbildliche Nächstenliebe sowie Eifer für Apostolat und Mission aus) zu berücksichtigen, sondern die Auswahl der Patres erfolgte unter strengen spirituellen, auch intellektuellen, Kriterien. Hätte der damals von den Freimaurern beeinflußte Papst die Jesuiten im 18. Jhd. nicht verboten, dann wäre China heute ein christliches Land. Und das ist genau der Punkt, wo es bei den Legionären scheinbar mangelt. Wenn ich mir deren Internetseite anschaue, dann kommt mir das alles doch sehr „amerikanisch“ vor.
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#5   Laurentius2   09:50:56 | Montag, 30. Mai 2005
und Pater Lothar Groppe !
Dieser mutige Jesuit, der Sohn des berühmten „schwarzen Generals“, prangert unaufhörlich den deutschen Selbsthaß an und arbeitet insbesondere immer wieder die positive Rolle Papst Pius XII. heraus. Der letzte westfälische Jesuit im guten Sinne ?
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#4   Konrad   20:37:30 | Sonntag, 29. Mai 2005
Jesuiten
Danke, Romulus, für die Zustimmung. Es gibt auch noch Ausnahmen unter den Jesuiten, etwa in der polnischen Provinz, Einzelne in Amerika (Joseph Fessio) und bei uns in München der tapfere Prof. Giovanni B. Sala SJ, dessen theologische Aufsätze gegen den deutschen mainstream anläßlich seines 75. Geburtstages unter dem Titel „Kontroverse Theologie“ mit einem Geleitwort Kardinal Scheffczyks soeben im Verlag „nova & vetera“ (Bonn) erschienen sind. Sein Hauptforschungsgebiet ist Immanuel Kant, den er auf hohem Niveau kritisch behandelt aus christlicher Perspektive.
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#3   Didimus   20:36:58 | Sonntag, 29. Mai 2005
Die neuen Jesuiten
Die Legionäre Christi sind meiner Meinung nach eine der größten Hoffnungen der Kirche in unserer Zeit. Sie könnten wirklich im 21. Jahrhundert die Stellung einnehmen, die die Jesuiten im 16. und 17. Jahrhundert hatten. Mittlerweile befindet sich die Gesellschaft Jesu, wie Konrad richtig bemerkt hat, sich schon längst in einer „Selbstsäkularisierung“.
Die Legionäre Christi leisten hervorragende Arbeit im Bereich Kinder, Jugend, Familie, Bildung, Priesterausbildung, Medien u.v.m. Dabei zeichnen sie sich durch eine tiefe Liebe zu Christus, intensives Gebetsleben, Liebe zu Maria, Treue zum Heiligen Vater und der Lehre der katholischen Kirche, Korrektheit der Zelebration, vorbildliche Nächstenliebe sowie Eifer für Apostolat und Mission aus.
Bei meinen bisherigen Begegnungen mit Angehörigen der Kongregation konnte ich keine „sehr schwachen theologischen Grundlagen“ feststellen, im Gegenteil.
Mitte der neunziger Jahre wurden Vorwürfe gegen den Gründer wegen sexuellen Mißbrauchs laut, die angeblichen Vorfällen wären damals vierzig (!!) Jahre her gewesen. Vor allem der National Catholic Reporter tritt seither ein regelrechtes Trommelfeuer los. Nicht verwunderlich bei der extrem liberalen Ausrichtung dieses Blattes. Wie der obige Artikel zeigt, scheinen die Kampagnen des „Reporters“ nicht unbedingt seriös zu sein. Auch einigen linken US-Bischöfen sind die Legionäre ein Dorn im Auge.
Stellungnahmen aus der Sicht der Betroffenen finden sich hier:
www.legionaryfacts.org
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#2   Romulus   20:27:10 | Sonntag, 29. Mai 2005
Stimmt, Konrad!
Da ist was dran an Ihrer Argumentation. Leider, leider ist es mit den Jesuiten so weit gekommen. Sie fehlen!
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#1   Konrad   19:44:58 | Sonntag, 29. Mai 2005
Legionäre Christi
Ob die Vorwürfe gegen den Gründer stimmen oder nicht: die Legionäre Christi (in Mexiko auch „Millionäre Christi“ genannt) sind eine Gemeinschaft mit sehr schwachen theologischen Grundlagen, ohne ein besonderes Profil, und es gäbe sie nicht, wenn der Jesuitenorden nicht nach dem Konzil durch Selbstsäkularisierung seine Sendung verraten hätte.
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