Pastoraler Prozeß
Es brodelt unter der Oberfläche
In Deutschland wird der Zusammenbruch der Kirche konkret. Zur Zeit arbeitet das Bistum Fulda an einem massiven Abbau der Pfarreien. Stellungnahmen dagegen unterdrückt der Bischof höchstpersönlich. Sogar in weltlichen Medien. Ein Leserbrief von Günther Brand aus der katholischen Tageszeitung „Die Tagespost“.
(kreuz.net, Fulda) Der „Tagespost“ ein von Herzen kommendes Dankeschön, daß sie das heiße Eisen „Kooperative Pastoral“ angepackt hat! Wer sich näher damit beschäftigt, merkt die große Brisanz dieser Thematik.

Seitdem über die geplanten Pastoralverbünde im Bistum Fulda kritisch berichtet wird, spürt man, wie umstritten diese sind. Mittlerweile wird auch deutlich, daß es sich um eine Angelegenheit handelt, die in etwas abgewandelter Form mehrere deutsche Diözesen betrifft.

Mit welchem Nachdruck man die neuen Strukturen einführen möchte, werde allerdings besonders im Bistum Fulda deutlich: Die öffentliche Berichterstattung hatte mit Beginn des ‘Pastoralen Prozesses’ zunächst in der Bistumszeitung Bonifatiusbote begonnen.

Vereinzelt berichteten dann regionale Tageszeitungen im Bereich der Diözese über verschiedene Aktionen des ‘Pastoralen Prozesses’, insbesondere über die sogenannten Impulstage, zu denen Geistliche und haupt- und ehrenamtliche Laien eingeladen wurden.

In der Öffentlichkeit entstand der Eindruck, die Vorhaben der Diözese seien notwendig und sinnvoll.

Alle möglichen Leute durften auf den Impulstagen mitreden, diskutieren und Fragen stellen: Die Schaffung neuer Strukturen sei absolut erforderlich und nicht mehr aufzuhalten.

Währenddessen brodelte es seit langem unter der Oberfläche.

Nicht wenige Geistliche aus allen Teilen des Bistums diskutierten die geplanten Veränderungen und äußerten ihren Unmut, ebenso die Gläubigen, soweit sie die Pläne durchschauten.

Der von den Initiatoren des ‘Pastoralen Prozesses’ gewünschte Dialog kam in Gang. Je größer sich aber der Nachdruck von Seiten des Bistums äußerte, desto stärker entwickelte sich der Widerstand hinter vorgehaltener Hand.

Kaum einer wagte allerdings öffentlich Bedenken zu äußern.

Kritische Eingaben landeten – so die Schilderungen – meist auf den Schreibtischen von besonders Beauftragten des Generalvikariates für den ‘Pastoralen Prozeß’. Eingaben wurden zwar zur Kenntnis genommen, Fragen aber nur unzureichend oder überhaupt nicht beantwortet. Beschwichtigend und vertröstend fühlten sich zahlreiche Geistliche und Laien abgefertigt und in ihrer Kritik unverstanden.

Schließlich sollte es doch einen Dialog geben.

Bis heute wissen viele Gläubige in der Diözese noch gar nicht, was ‘Pastoraler Prozeß’ bedeutet, geschweige denn, welche Ziele beabsichtigt sind. Grund dürfte mangelnde Aufklärung und teils sehr geringe und einseitige Öffentlichkeitsarbeit sein.

Nachdem sechs pfarrliche Gremien aus dem thüringischen Teil der Diözese Fulda zusammen mit ihrem Pfarrer ihre Bedenken zu den Strukturveränderungen in der Südthüringer Zeitung geäußert hatten, hat sich eine mittlerweile bundesweite Mediendiskussion in Presse und Internet entzündet.

Allerdings soll diese wohl wieder unterdrückt werden.

Inzwischen ist durch ein Redaktionsmitglied der Fuldaer Zeitung bekannt geworden, daß nach einem Gespräch mit Bischof Algermissen dort keine Leserbriefe mehr zu dieser Thematik veröffentlicht werden.

Auffällig ist weiterhin, daß sich niemand von den Geistlichen und Gläubigen des thüringischen Dekanates Geisa mehr in der Öffentlichkeit äußert.

Was ist dort passiert?

Es bleibt die Hoffnung, daß die beabsichtigten Reformen in Fulda und das Problem der „Kooperativen Pastoral“ im allgemeinen wenigstens in der „Tagespost“ und hoffentlich auch in anderen Medien nicht totgeschwiegen werden.

Leserbrief von Günther Brand: Die Tagespost vom 21. Mai 2005
Pastorale Verbünde und Prozesse in den deutschen Diözesen: Zur Kooperativen Seelsorge
      
5 Lesermeinungen
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#5   Laurentius2   12:05:41 | Montag, 30. Mai 2005
Das Problem ist …
… der neue Bischof Algermissen und seine liberalen Systemveränderer. Unser hochverehrter Erzbischof Dyba hätte mit Sicherheit alles vermieden, was eine Schwächung der Pfarrer verursacht hätte. Aber hier ist es nach dem plötzlichen Tod des Erzbischofs unter nicht ganz widerspruchsfreien Umständen zu einem scharfen Bruch gekommen. Leider darf ich hier nicht alles schreiben, was ich über die Behandlung romtreuer Pfarrer erfahren habe. Nur ein augenfälliges Beispiel: So darf am Grab Dybas keine volksfromme Verehrung praktiziert werden [ Quelle: Domgeistliche in Fulda]. Bilder und Blumen werden regelmäßig weggeräumt !
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#4   turnschuhfan   20:08:06 | Sonntag, 29. Mai 2005
Gemeinden fusonieren …
Warum kann man nicht auch in Fulda Gemeinden fusionieren. Durch geringe Taufzahlen, Glaubigenmangel lassen sich doch Gemeinden fúsionieren, ODER?
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#3   Toby   18:01:24 | Sonntag, 29. Mai 2005
@ Maximilian
Und was ist dann der Sinn der ganzen Umstrukturierungsaktion in Fulda ???
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#2   Konrad   08:43:36 | Sonntag, 29. Mai 2005
@Maximilian
In Köln gibt es Pfarreienfusionen, Pfarreiengemeinschaften, Pfarreienverbünde – diese drei Formen – wo ist genau der Unterschied zu Fuldas „Pastoralverbünden“. Es ist mit Nuancen überall dasselbe in Deutschland: man versucht die Seelsorge mit möglichst wenig Priestern aufrecht zu erhalten. Ausländische (z.B. polnische) Priester fühlen sich oft inzwischen unwillkommen und hinweggemobbt.
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#1   Konrad   17:24:30 | Samstag, 28. Mai 2005
Kooperative Pastoral
und Pfarreizusammenlegungen gibt es nicht nur in Fulda, sondern auch in der Kölner Kirchenprovinz unter Leitung des Metropoliten Meisner. Sogar eine diesem gewidmete Doktorarbeit existiert darüber: Christoph Ohly, Kooperative Pastoral, EOS-Verlag St. Ottilien 2002.
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