Zum 150.Todestag des italienischen Philosophen und Theologen, Antonio Rosmini Serbati, versammelte sich eine Gruppe von 40 Forschern kürzlich im deutsch-italienischen Studienzentrum Villa Vigoni am Comer See.
(kreuz.net) Das wissenschaftliche Treffen stand unter dem Titel „Rosmini und die deutsche Philosophie“.
Die Teilnehmer prüften die philosophischen und theologischen Bedenken gegen Rosmini. Unter diesen Einwänden
hat die Beschäftigung mit seinem Denken in Deutschland bislang stark gelitten.
Ihre stärkste Basis
hatten diese Bedenken bislang in der Verurteilung, mit der Papst Leo XIII. – 33 Jahre nach Rosminis Tod –
sein philosophisches und theologisches Werk belegte.
Dennoch dürfte keine Persönlichkeit der Neuzeit
im italienischen Katholizismus eine so große Nachwirkung gehabt haben wie Antonio Rosmini († 1855).
Der Denker gehörte zum Beispiel zu den ideellen Wegbereitern des italienischen „Risorgimento“.
Das „Risorgimento“
ist die italienische Bezeichung für die Vereinigung Italiens unter einem von Rom aus gelenkten Zentralstaat.
In seiner konkreten Ausführung degenerierte es freilich zu einem freimaurerisch-piemontesischen Eroberungszug.
Es führte auch zur Auflösung des Kirchenstaates.
Rosmini hat als Priester zwei Ordenskongregationen
gegründet: das Institut der Nächstenliebe, dessen Mitglieder „Rosminiani“ genannt werden, und die Schwestern
der Göttlichen Vorsehung.
Beinahe wäre Rosmini von Pius IX. zum Kardinalstaatssekretär ernannt worden.
Doch dann schlugen die Wogen der Revolution von 1848 über ihm zusammen.
Die Revolution von 1848 war
eine Welle von nationalistischen oder sozialistischen Aufständen in verschiedenen europäischen Ländern.
Die Unruhen, die mit furchtbaren Gewaltausbrüchen verbunden waren, wurden in kurzer Zeit niedergeschlagen.
Rosminis philosophische und politische Ideen gaben weitreichende Impulse für die Aussöhnung von Kirche
und Nationalstaat.
1830 veröffentlichte Rosmini seinen ersten philosophischen Traktat, die „Neue Studie
über den Ursprung der Ideen“. Ihr folgten weitere: die „Prinzipien der Moralwissenschaften“ (1831), die
„Rechtsphilosophie“ (1841-1843), die „Theodizee“ (1845), die „Psychologie“ (1846-1848) und die „Theosophie“
(1859-1874).
Rosmini wollte als Motor der Einheit Italiens die Bestrebungen des italienischen „Risorgimento“
auf diplomatische Weise mit den Positionen von Papst Pius IX. verbinden. Dazu entwarf er Leitlinien für
eine politische Reform im liberalistischen Sinn. Diese sind in zwei Werken aus dem Jahre 1848 niedergelegt:
in den „Fünf Wunden der Kirche“ und in der „Verfassung gemäß sozialer Gerechtigkeit“.
Die beiden Bücher
wurden 1849 auf den kirchlichen Index der verbotenen Bücher gesetzt.
Danach schrieb Rosmini an den seligen
Papst Pius IX.: „Ich will mich in allem auf die Autorität der Kirche stützen, und ich will, daß die
ganze Welt weiß, daß ich nur dieser Autorität folge.“
Im Jahre 1854 bestätigte ein päpstliches Dekret
die Rechtgläubigkeit Rosminis und seine guten Absichten. Ein Jahr später starb der Denker.
Doch 1887
wurden vierzig Aussagen von Rosmini durch das Dekret „Post obitum“ des Heiligen Offiziums verurteilt.
Es warf Rosmini vor, sich in seiner Philosophie den neuzeitlichen Irrtümern der Philosophie Immanuel
Kants († 1804) und Georg Wilhelm Friedrich Hegels († 1831) schuldig gemacht zu haben. Von dort hätten
seine Ideen schädliche Folgen für die Theologie, Politik und das Denken im allgemeinen hervorgebracht.
Vor vier Jahren kam die Wende. Die Glaubenskongregation erklärte unter ihrem damaligen Präfekten, Joseph
Kardinal Ratzinger, daß diese Vorwürfe gegen das Denken von Rosmini gegenstandslos seien.
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