Röschenz
„Er hat seine unkatholische Einstellung selbst dokumentiert“
Der Bischof von Basel veröffentlichte gestern eine Erklärung zum Entzug der Sendung des Pfarradministrators von Röschenz. Die Erklärung folgt nach dem Treffen des Bischofs mit Vertretern der Pfarrei Röschenz. Von Bischof Kurt Koch.
(kreuz.net, Solothurn) Die römisch-katholische Kirche ist eine Weltkirche, die in und aus Ortskirchen – den Bistümern – besteht, denen jeweils ein Bischof vorsteht.

Das Bistum seinerseits lebt in den Pfarreien und anderen kirchlichen Gemeinschaften.

Eine Pfarrei ist dabei „eine bestimmte Gemeinschaft von Gläubigen, die in einer Teilkirche auf Dauer errichtet ist und deren Seelsorge – unter der Autorität des Diözesanbischofs – einem Pfarrer als ihrem eigenen Hirten anvertraut ist“ (CIC Can 515).

Gemäß diesem Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche muß zwischen einem Pfarrer/Pfarradministrator und seinem Bischof ein Verhältnis gegenseitigen Vertrauens bestehen.

Jeder Seelsorger kann nur im Auftrag, das heißt, in der Sendung („Missio“) durch seinen zuständigen Bischof in der Seelsorge tätig sein.

In einer sehr feierlichen Form versprechen die Priesteramtskandidaten unmittelbar vor ihrer Weihe dem Bischof, daß sie ihren Dienst in der Kirche nur und stets in seinem Auftrag ausüben werden.

Die „Missio“ ist deshalb die Bekundung eines Vertrauensverhältnisses:

Der Bischof bekundet, daß der Priester das Vertrauen des Bischofs hat, eine Pfarrei zu leiten. Der Priester bekundet, daß er seine Seelsorge im Auftrag des Bischofs wahrnimmt.

Wenn ein Priester öffentlich erklärt, er verstehe seine Aufgabe explizit nicht mehr im Auftrag des zuständigen Bischofs, dann löst er das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen Bischof und Priester von seiner Seite her und damit einseitig auf.

Er bricht sein einmal gegebenes Versprechen. Er trennt sich selbst von seinem zuständigen Bischof, und er stellt damit seinen zuständigen Bischof öffentlich vor die vollendete Tatsache, daß die „Missio“ durch den Bischof für ihn nichts mehr bedeutet.

Wäre der Priester konsequent, müßte er erkennen, daß er seine Aufgabe nicht mehr innerhalb der römisch-katholischen Kirche wahrnehmen kann, und er müßte dem Bischof von sich aus die Missio zurückgeben.

Verbleibt der Priester hingegen in seiner doppelbödigen Situation, bleibt dem zuständigen Bischof – nach Gesprächen mit dem Priester – keine andere Möglichkeit als die, die Missio des Priesters nun auch seinerseits zurückzunehmen.

Bei diesem Akt handelt es sich nicht um eine Strafmaßnahme, sondern um den Ausdruck dafür, daß der Bischof seinerseits den Willen des Priesters ernstnimmt und die Missio zurücknimmt.

Dieser Tatbestand ist bei Pfarradministrator Franz Sabo eindeutig gegeben.

Ohne je das Gespräch mit mir als dem zuständigen Bischof gesucht zu haben, wie es das Evangelium vorsieht – vgl. Mt. 18. 15-20 –, hat er im Herbst 2003 in der „Basler Zeitung“ und anschließend im Sonntagsgottesdienst in den Pfarreien Röschenz und Wahlen eine Frontalattacke gegen mich geführt.

In den anschließenden Gesprächen, die auf meine Initiative hin stattgefunden haben, hat er erklärt, daß ihn die Missio durch den Bischof überhaupt nicht interessiert, daß er vielmehr nur im Auftrag der Pfarrei Röschenz arbeiten wolle.

Damit hat er unmißverständlich bekundet, daß er seinen Auftrag nicht mehr im Sinne der römisch-katholischen Kirche versteht und ausübt.

Trotz dieses schwerwiegenden Sachverhaltes habe ich Pfarradministrator Sabo weiterhin im Amt belassen in der Hoffnung, daß er mit der Zeit zu mehr Einsicht kommen würde.

Als er sich gegen Ende 2004 wiederum in der gleichen Weise öffentlich zu Wort gemeldet hatte und kein Anzeichen einer besseren Einsicht festzustellen war, mußte ich diese unhaltbare Situation zu Beginn des Jahres 2005 meinerseits beenden.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung war nicht die Kritik, die Pfarradministrator Sabo an mir und meinen Mitarbeitern geübt hat.

Kritik ist auch in unserer Kirche möglich und angebracht, wenn sie mit Anstand und gegenseitigem Respekt vorgetragen wird – was bei Pfarradministrator Sabo freilich nur in schwachem Maß der Fall war.

Ausschlaggebend war vielmehr die Tatsache, daß Pfarradministrator Sabo selbst mit dem Bistum und dem Bischof vollends gebrochen hat. Darauf hatte ich als Bischof keine andere Möglichkeit, als den von ihm vollzogenen Bruch nun meinerseits zu bestätigen.

Eine solche Entscheidung könnte nur rückgängig gemacht werden, wenn der betreffende Priester seine Meinung ändern und den zuständigen Bischof bitten würde, ihn wiederum zu beauftragen, weil er als römisch-katholischer Priester gar nicht anders als im Auftrag des zuständigen Bischofs arbeiten kann.

Seit der Bekanntgabe meiner Zurücknahme der Missio an Pfarradministrator Sabo war aber kein Zeichen in dieser Richtung wahrzunehmen. Er hat sich vielmehr noch verschärft in aller Öffentlichkeit von Bistum und Bischof verabschiedet und damit seine unkatholische Einstellung vollends dokumentiert.

Auch vom Kirchenrat der Kirchgemeinde Röschenz ist mir keine Initiative bekannt, Pfarradministrator Sabo zu bewegen, in das notwendige Vertrauensverhältnis mit dem Bistum und dem Bischof zurückzukehren. Bei ihm war vielmehr nur vorbehaltlose Parteinahme für Pfarradministrator Sabo wahrnehmenbar.

Aufgrund dieser Situation bleibe ich bei meiner Entscheidung, daß – in Rücksicht auf die staatskirchenrechtlichen Vorgaben – Ende September 2005 Pfarradministrator Franz Sabo die Missio entzogen werden muß.

Ab diesem Zeitpunkt wird die Erzdiözese Bamberg, in der der Priester Sabo inkardiniert ist, wieder für ihn sorgen.

Diese Terminierung gilt nur unter der Bedingung, daß von heute an sowohl Pfarradministrator Franz Sabo als auch der Kirchenrat von Röschenz zu einem Verhalten zurückkehren, in dem Anstand und Respekt erkennbar sind.

Solothurn, 28. Mai 2005

+ Kurt Koch

Bischof von Basel
      
6 Lesermeinungen
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#6   Agiafortuni   20:54:23 | Dienstag, 31. Mai 2005
Das Geschwätz um den vermeintlichen Pfarrer Sabo
Quo usque tandem Catilina tu abutere patientia nostra.
Ein unbescholtener Priester wie Erzbischof Lefebvre wurde vom Frevler Paul VI auf unverschämte Art und Weise zurückgewiesen. Das dumme Geschwätz eines Pfarrers Sabo nimmt jedoch ständig in Kauf. Wohin soll das führen oder hält man sich auch hier an die Anweisungen eines anderen Frevlers nämlich Karl Rahner, welcher sich die Erklärung anmasste: es sei besser einen glaubenstreuen Katholiken von heute zu verlieren als einen Häretiker von morgen nicht zu gewinnen
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#5   Laurentius2   11:49:03 | Montag, 30. Mai 2005
Ja, das wäre wirklich schön, aber …
… es gibt auch keine echte Einheit ohne die Wahrheit.
Und dazu folgendes:
1. wenn Wahrheit sich in der katholischen Lehre aufgrund göttlicher Offenbarung im kirchlichen Lehramt entfaltet
2. diese geoffenbarte Lehre jedoch an den meisten Fakultäten offen geleugnet wird von denjenigen, denen die Priester- und Lehrerausbildung anvertraut ist, und diese dabei sogar kirchliche Karriere machen (Bsp: Prof.Kasper, der Dogmen als dumm bezeichnete)
dann darf man
3. an der Einheit dieser sichtbaren Kirche doch logischerweise Zweifel äußern, ohne ein Spalter zu sein, oder nicht ?
Wie man diesen Widerspruch von deutscher Theologie und römischem Lehramt noch mit einer (!?) katholischen Kirche in Einklang bringen will, ist mir ein absolutes Rätsel (s. Schweiz, der Fall Haas, wo das ganze noch drastischer als in D deutlich wird).
Welcher Seelsorger oder Laie löst dieses Rätsel für mich, dann bin ich auch wieder ganz brav und modern !
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#4   methusalix †   13:06:31 | Sonntag, 29. Mai 2005
Dank an Dr. Otterbeck
Herzlichen Dank an Dr. Otterbeck, für seine klaren Worte zur Geschichte verschiedener Ketzereien! Wir sind ALLE immer noch in EINER Kirche, auch wenn die einen manch andere gerne hinausdrängen würden, oder bereits ausserhalb der Kirche sehen.
Bei so vielen gegensätzlichen Strömungen und Vereinigungen, besteht die Gefahr, dass wir uns auf den verhängnisvollen Weg der Protestantisierung der katholischen Kirche begeben.
Ich bete so manchen Rosenkranz dafür, dass uns der Laden nicht demnächst auseinanderfliegt.
Gelobt sei Jesus Christus!
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#3   Athanasius   11:42:13 | Sonntag, 29. Mai 2005
Sie verkünden Unsinn Herr Doktor
Die Häresie des Modernismus wird heute überall doziert und in der Kirche verbreitet.
Das II. Vatikanum wurde davon übernommen.
Ihre naiven und „beruhigenden“ Aussagen sind völlig falsch und naiv. Weshalb hat Pius XII. (1939-1958) gegen den Modernismus gekämpft in:
1. Humani Generis
2. Humanum Genus
3. Mediator Dei (Liturgie)
4. Mystici Corporis
5. Ecclesia Catholica
und in 1954 den antimodernistischen Papst Pius X. heiliggesprochen???
Heute erleben wir überall den Neo-Modernismus, der exakt die gleichen Stellungen verteidigt wie der alte MOdernismus, nur jetzt in der Praxis, da noch an den Fakultäten.
Lesen Sie mal „Pascendi DOminici Gregis“ (1907) selbständig durch und vergleichen die Stellungen mit den Leitmotiven der heutigen Kleriker. Und lesen Sie bitte nicht dahinschleimende alles-gut Nachrichten.
Stecken Sie aber den Kopf ruhig in den Sand, wenn Sie es weiter wollen.
Die „bösen irrealistischen Traditionalisten“ werden’s schon klären.
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#2   Dr. Otterbeck   08:45:49 | Sonntag, 29. Mai 2005
Modernistische Anfänge?
Lieber Herr Konrad,
zwar ist es sehr schwierig, hier auf knappen Zeilen unmissverständlich zu formulieren. Doch wir sollten miteinander überlegen, wie der Wortgebrauch „modernistisch“ durch einen präziseren zu ersetzen ist. Sie wissen sicherlich, dass die mit Modernismus bezeichnete Häresie längst und völlig restlos widerlegt ist. Der kath. Kampf des 19. Jahrhunderts dagegen war zwar scheinbar vergeblich, doch hat das neue Weltbild der Naturwissenschaft (1905) und spätestens der 1. Weltkrieg die „humanistische Perspektive“ so gründlich ausgehebelt, dass wir für das heutige Problem ein neues Wort finden müssten; m.E., „antikonziliar“, denn das II. Vatikanum wollte nicht den Modernismus künstlich beatmen –- wenn auch viele es noch so sehen, sondern im Gegenteil, von der Offenbarung beredtes Zeugnis geben. Das lehnen Traditionalisten wie „Modernisten“ gleichermaßen ab, befangen im europ. Grabenkrieg der „guten alten Zeit“ (1815-1914).
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#1   Konrad   08:38:15 | Sonntag, 29. Mai 2005
Fall Sabo
Danke für diesen Text: ein mutiger und klar denkender Bischof, der m.E. die einzige Hoffnung in der geistig darniederliegenden Eidgenossenschaft ist. Von leicht modernistischen Anfängen hat er sich zu einem glaubwürdigen, kraftvollen und gütigen Hirten der Kirche entwickelt. Beten wir für ihn!
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