14:06:42 | Montag, 7. Februar 2011
Das Theolunken-Pamphlet für Freiheit, Befreiung und Aufbruch wirkt wie die Parodie auf einen Einberufungsbefehl: Stillgestanden, reformiert euch, weggetreten!

Junge Gläubige wollen beten.
© Catholic Church (England and Wales), CC(kreuz.net) „Noch mehr Frauen am Altar, ergänzt durch verheiratete Priester, gerne auch geschieden, gerne
auch schwul – warum sollte irgendein Bischof diese mit der katholischen Tradition brechende Agenda in
Rom vortragen?“
Diese Frage stellt der deutsche Publizist Alexander Kissler (41) heute in einem Offen
Brief an die Unterzeichner des jüngsten deutschen
Theolunken-Pamphlets.
Der Offene Brief ist auf der
Webseite des Journalisten veröffentlicht.
Eine „beispiellose“ Krise?Kissler erinnert die Pamphletisten
daran, daß ihre Forderungen aus einem Land stammen, „in dem nicht einmal zwei Prozent aller Katholiken
leben, von denen wiederum nicht alle Euch applaudieren.“
Er will ihnen nicht vorwerfen, daß sie Unmögliches
begehren. Im Gegenteil:
„Vielleicht hat Euch zu später Lebensstunde Sturm und Drang gepackt?“
„Das
wäre schön und nicht zu neiden“ – fügt er an.
Er muß die Theolunken aber darauf hinweisen, daß sie
sich „Exerzitien der intellektuellen Selbstkasteiung“ hingeben:
„Ihr stellt euch – bitte entschuldigt
das harte Wort – viel, viel schlichter, als Ihr seid.“
Kissler weiß, daß die Unterzeichner es besser
wissen: „Darum ist Euer Memorandum – entschuldigt bitte abermals – ein Witz, der nicht zündet, eine Maskerade,
die nicht glückt.“
Als Beispiel nimmt der Journalist die im Pamphlet beschworene „tiefe Krise unserer
Kirche“.
Sie wird im Jahr 2010/2011 geortet und gar als „beispiellos“ bezeichnet.
Diese Behauptung erregt
Kisslers Unmut:
„Was waren die Christenverfolgungen der Urkirche, waren die Spaltungen im 11. und 16.
Jahrhundert, war der Kulturkampf, war die bedrängte Zeit im Dritten Reich, war die antikirchliche Staatsdoktrin
der DDR?“
Er fragt sich, ob das Gedächtnis der Pamphletisten nur bis ins Jahr 1990 zurückreicht: „Man
liest und fühlt sich veralbert.“
Wer sich gesund wähnt, hat nur den falschen ArztDie Unterzeichner
machen die von ihnen heraufbeschworene Krise am
Mißbrauchs-Hoax fest.
Den „Ursachen von Mißbrauch,
Verschweigen und Doppelmoral“ sei am besten durch einen „offenen Dialog über Macht- und Kommunikationsstrukturen“
zu begegnen.
Kisslers verdutzte Frage: „Würde das einen kranken, innerlich längst vom Glauben abgefallenen
Menschen davor bewahren, einem anderen Menschen wehe zu tun?“
Der Journalist urteilt, daß Mißbräuche
als willkommener Nagel dienen, um daran ein verstaubtes Bild aufzuhängen – „das Bild von der ramponierten
Kirche, die Ihr, liebe Theologen, mit eigener Hand zurechtbiegen wollt.“
Denn: „Jeder Klempner ist dem
Rohrbruch gut freund. Wer sich gesund wähnt, hat nur den falschen Arzt.“
Pastoralkonzil als Einwickelfolie
Souverän durchschaut Kissler die im Pamphlet evozierte Weltuntergangs-Stimmung:
„Braucht diese Diagnose
nicht das apokalyptische Szenario, das Ihr zeichnet, um nicht sofort als staubtrockener Antrag auf eine
innerkirchliche Verwaltungsreform enttarnt zu werden?“ – fragt er die Theolunken.
Dabei dient das Zweiten
Vatikanum – so Kissler – als „Einwickelfolie“ für die Forderung, von der „modernen Gesellschaft“ zu lernen.
Doch es ist kein Geheimnis: Das Zweite Vatikanum hat jene Verfaßtheit von Kirche bekräftigt, welche
die Pamphletisten überwinden wollen.
Für Kissler wäre es darum ehrlicher, wenn die Theolunken schrieben,
daß es Zeit wäre, sich vom letzten Konzil zu lösen:
„Das wäre ehrlich und mutig und also das Gegenteil
des tatsächlich Gesagten.“
Was ist der Inhalt der Liturgie?Kissler zerlegt die Theorie der Theolunken,
daß Gläubige den Gemeinden fernbleiben würden, wenn sie sich nicht „an der Leitung ihrer Gemeinde beteiligen“
dürften.
„Woher wißt Ihr das?“ – fragt er ungläubig:
„Kommt der Katholik zur Messe, weil er leiten
will?“
Oder: „Ist das der Inhalt der Liturgie: Einübung in Leitungskompetenz?“
Sünder in Anführungszeichen
Kissler kritisiert den „fordernden Ton aus dem Munde reiferer Herrschaften“.
Seine Vermutung: „Spricht
man so, wenn man sich auf der Speckseite des Lebens angekommen wähnt?“
Dann zerpflückt er die Pamphletisten:
„Ihr setzt »Sünder« in Anführungszeichen, reduziert die Bibel auf eine sehr diesseitige »Freiheitsbotschaft« –
wo bleibt übrigens das Alte Testament? –, plädiert für »Befreiung und Aufbruch« als Resultat eines
»Dialogprozesses«, redet aber zugleich im Kasernenton.“
Kissler analysiert scharf: „Es gelte, es müsse,
es dürfe nicht: Das „Memorandum“ wirkt wie die Parodie auf einen Einberufungsbefehl. Stillgestanden,
reformiert euch, weggetreten!“
Die Theolunken als Vorbilder der SelbstkritikNach Kisslers Urteil dürften
die Katholiken weltweit wegen des deutschen Theolunken-Pamphletes keine schlaflosen Nächte bekommen:
„Es ist ja nur eine schiefe Maskerade, ein Witzlein aus Germanien.“
Zugleich sieht Kissler Licht am
deutschen Horizont: „Was aber, frage ich Euch, werdet Ihr nun in Euren Vorlesungen, Übungen, Seminaren
tun?“ – fragt er die Theolunken.
Die überraschende Antwort: Kissler glaubt nicht, daß die Unterzeichner
jetzt mit doppelter Energie und in kirchlichem Auftrag wider die wunschgemäß als „verknöchert“ entlarvte
Kirche wüten werden.
Worauf gründet er seine Gewißheit? „Ihr habt geschrieben, ein »echter Neuanfang«
sei nötig und jede Menge »Mut zur Selbstkritik«.“
Darum ist sich Kissler sicher, daß die Theolunken
zukünftig ganz anders reden werden, als sie es in ihrem Pamphlet getan haben:
„Ihr werdet neu anfangen
in der Disziplin des Dienens und des Glaubens und Euch von niemandem in Eurer Selbstkritik übertreffen
lassen.“
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