21:15:43 | Dienstag, 8. Februar 2011
Ein bekannter Publizist hat die Würze der auf ‘kreuz.net’ zusammengetragenen Kritik aufgekocht. Damit es nicht so auffällt, hat er die Suppe mit einem pöbelhaften Seitenhieb auf die Piusbruderschaft versalzen.

© Wanderlinse, Flickr, CC (kreuz.net, München) Das in Deutschland aufgelegte
Theolunken-Pamphlet will die Kirche um ihr Wesen und
um ihren Geist bringen.
Das stellte der Münchner Publizist Peter Seewald heute vor der Linzer Kommerzseite
‘kath.net’ fest.
Am Ende des Pamphletes stehe eine „Allerweltskirche, in der nicht Gott, nicht das Evangelium,
sondern das autonome Gemeindemitglied das Maß aller Dinge ist – dirigiert von den Hohenpriestern des
Zeitgeistes“.
Die Initiatoren hätten aber den Nerv von Millionen von Gläubigen getroffen, „die diese
Diskussion – die wir unzählige Jahre geduldig ertragen haben – endlich satt haben“.
Selbstbeschäftigung
als KerngeschäftDie Unterzeichner behaupten, „die Kirche aus ihrer lähmenden Selbstbeschäftigung
herausführen“ zu wollen.
Seewald bezeichnet diese Aussage als „absolut irre“.
Denn: „Es sind genau
diese Gruppierungen, welche die Selbstbeschäftigung zu einer Manie ausgebildet haben und damit seit 25
Jahren verhindern, daß sich die Kirche in Deutschland der wirklichen Probleme annimmt“.
Der Publizist
staunt über „die Unredlichkeit der Diskussion, die schiefen Argumente, das Ausmaß der Demagogie, die
hier betrieben wird“.
Gleichzeitig hofft er blauäugig auf einen Mobilisierungs- und Solidarisierungseffekt
der lethargischen Kirchentreuen.
Das Pamphlet sei „kein Aufstand der Jungen, sondern eine Rebellion im
Altenheim“.
Es handle sich um eine Verbrüderung der Theolunken mit der Homo- und Abtreibungspartei CDU:
„Als Frontmann ein Parlamentspräsident Lammert, der den Papst zu sich einlädt, um ihm die Mitra über
die Ohren zu ziehen. Was für ein schäbiges Spiel.“
Nur noch morsche ÄsteSeewald erinnert an die
vereinzelten „Agitatoren, die längst ihre Lehrerlaubnis verloren, weil sie Jahr und Tag nichts unversucht
ließen, aus dem Sohn Gottes einen Räuberhauptmann zu machen“.
Das sind für ihn die „wahren Gestrigen“:
„Sie führen nicht in die Zukunft, und sie haben auch selbst keine Zukunft.“
Diese Agitatoren könnten
zwar bezahlte Funktionäre hinter sich sammeln, aber keine größeren Massen, schon gar keine Jugendlichen:
„Als morsche Äste können sie freilich noch Schaden anrichten, wenn sie vom Baum herunterfallen.“
Seewald
kritisiert Kardinal Karl Lehmann von Mainz, weil er den „tapferen Kardinal Walter Brandmüller, der die
Dinge beim Namen nennt“, öffentlich gerügt hat.
Der Publizist bittet die Theologen, „die noch auf dem
Boden der katholischen Verfassung stehen“, zu handeln.
Auch die Bischöfe müßten klarmachen, daß die
Kirche nicht da ist, wo die Gegenpäpste in den Medien hocken:
„Sie ist nicht da, wo die Politstrategen
sind, die kalten Macher; sondern sie ist da, wo die Beter sind, wo Maria ist, wo Petrus ist.“
Niemand
kann zwei Herren dienenUnbeschadet seiner klaren Worte will es sich Seewald mit niemandem verscherzen.
Nicht alle „Zölibatskritiker“ seien Kirchenfeinde beschwichtigt er: „Der Zölibat ist kein Dogma.“
Deshalb sei auch keine andere „Regel“ so intensiv auf den Prüfstand gestellt worden.
Als Beispiel nennt
der Publizist den Papst, der
als unreifer Theologe diese Frage „kritisch“ durchleuchtet habe.
Seewald
will die Priesterehe darum in zehn Jahren wieder auf den Prüfstand stellen. Nur für jetzt sei diese
Frage entschieden:
„Wir können nicht wie Alzheimer-Patienten unentwegt dieselbe Frage stellen.“
Unter
diesem Papst werde die Priesterehe „definitiv“ nicht eingeführt.
Mit Rollstuhlfahrern aufs Spielfeld
Seewald findet das Theolunken-Pamphlet unredlich, intellektuell auf niederstem Niveau und irreführend.
Schon der Ansatz sei fragwürdig. Es würde etwas Reform genannt, das in Wahrheit keine ist:
„Das ist
ein wenig so, als würde man fordern, den Eiffelturm zu schleifen, weil er nicht mehr zeitgemäß ist,
und sich bei Ablehnung dieser »Reform« über den »Reformstau« mokieren.“
Der Publizist erinnert daran,
daß das von dem Pamphlet empfohlene Modell der Protestanten „mit Verlaub, nicht unbedingt ein Erfolgsmodell“
ist.
In Deutschland seien die Evangelischen früher zahlenmäßig immer stärker gewesen, heute ist dem
nicht mehr so: „Seltsamerweise scheint das niemanden nachdenklich zu stimmen.“
Das Eigentor hätte er
sich sparen könnenIm Interview gräbt Seewald seine linke Diktion aus und vergleicht die Altliberalen
mit den „schismatischen Bischöfe der reaktionären Piusbruderschaft“:
„Beide überbieten sich in einem
kindischen Aufstand und in Pöbeleien gegen den Papst.“
Erwartungsgemäß kann er keine Beispiele nenne –
womit der kindische Aufstand und die Pöbelei gegen die Piusbruderschaft auf Seewald sitzen bleibt.
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