10:23:01 | Freitag, 18. Februar 2011
Fragt den Pfarrer von Ottobrunn: Nach dem „modernen Weltverständnis“ kann man Depressionen neu beim Masseur behandeln lassen und den Schulabschluß beim Hausarzt nachholen. Ein Kommentar.

Der Dialog muß sich auf den konzentrieren, der gestern, heute und morgen der gleiche ist.
© Bild: Lawrence
OP, CC(kreuz.net) Die Kirche befinde sich „zunehmend spürbar in einem grundlegenden theologischen Paradigmenwechsel“.
Das schrieb der altliberale Pfarrer Christoph Nobs (47) aus der 20.000-Seelen-Gemeinde Ottobrunn im Landkreis
München am Dienstag in einem Leserbrief für die Tageszeitung ‘Münchner Merkur’.
Der Geistliche liefert
auch eine psychologische Diagnose: „Das weiß die Kirchenleitung und davor hat sie zutiefst Angst“ – die
Armen.
Ein ganz mutiger ModernerSelber huldigt der mutige Modegeistliche der von den Mächtigen propagierten
„aufgeklärten Moderne“.
In deren Folge finde gerade in breiten Bevölkerungskreisen ein „kompletter
theologischer Umbau, Teil-Abriß und Neubau“ statt – umschreibt Hw. Nobs den Glaubens- und Sittenverfall
in Dekadenz-Deutschland.
Das bereitet ihm keine Sorgen, eher die luftzuführenden Organe der Konservativen:
Ihnen stocke der Atem.
Hw. Nobs klagt über die kümmerlichen konservativen Kreaturen.
Sie lebten „teilweise
immer noch mit nicht mehr haltbaren Glaubens- und Kirchenverständnissen, mit mythologischen Welt- und
Gottesbildern, mit Liedern und liturgischen Modulen, die vernunftbegabten Zeitgenossen nicht mehr vermittelbar
sind.“
Den Ausdruck „liturgische Module“ hat sich Hw. Nobs aus der altliberalen Besenkammer ausgelehnt.
Dort liegen jene Utensilien herum, mit denen die altliberalen Kirchenfunktionäre die „vernunftbegabten
Zeitgenossen“ seit dem Konzil im Namen der Zeit aus der Kirche fegen.
Ein Stockwerk zuvielHw. Nobs
sieht die Probleme nicht bei der altliberalen Bankrottwirtschaft, sondern – im dämonisierten Mittelalter.
Es werde bei den bösen Konservativen so getan, empört er sich, „als ob immer noch das mittelalterliche
Drei-Stock-Werk-Weltbild gelte, eine Aufspaltung der Welt und des Menschen in natürlich und übernatürlich,
in Körper und Seele.“
Rückfrage: Von welchen drei Stockwerken war da im Mittelalter die Rede?
Und
was bedeutet es, daß die „Aufspaltung“ des Menschen in Körper und Seele abgeschafft ist? Vielleicht,
daß man Depressionen neu beim Masseur behandeln und den Schulabschluß beim Hausarzt nachholen kann?
Der mutige Fortschritts-Pfarrer gibt den verängstigten und konservativen Bischöfen einen Ratschlag –
und redet dabei im Namen der Menschheit:
„Die Kirchenleitung täte gut daran zu respektieren, daß Menschen
sich heute nicht mehr mit dem Katechismus zufrieden geben, sondern einen freiheitlich- erfahrungsbezogenen
Glauben auf den Grundlagen des heutigen modernen Weltverständnisses leben wollen.“
Jemand müßte Hw.
Nobs darauf hinweisen, daß es angesichts der Zersplitterung des postmodernen Pluralismus nicht unproblematisch
ist, von einem „heutigen modernen Weltverständnis“ zu sprechen.
Morgen ist heute gesternHw. Nobs teilt
mit, daß die modernen Weltversteher und freiheitlichen Erfahrungsgläubigen gerade dabei sind „neue Gottes-
und Kirchenbilder“ zu entdecken.
Diese würden die Theologie vor grundlegend „neue Herausforderungen
stellen, die bisher noch nicht beantwortet werden (durften).“
Deutlicher wird er nicht.
Aber man darf
hoffen, daß er nicht auch von den Geschlechtsorganen redet, die doch erst im kinderlosen Deutschland
der Gegenwart entdeckt wurden.
Hw. Nobs empfiehlt der „Kirchenleitung“, sich auf einen „längst überfälligen
freiheitlichen und offenen theologischen Dialog“ einzulassen.
Dabei sollte die „Kirchenleitung“ auch
die altliberalen Denkschablonen hinter sich lassen.
Das Ziel dieses Dialoges besteht darin, „»im Heute
Gottes« anzukommen mit den heutigen Menschen und der heutigen Welt“ – zieht der Heute-Geistliche den
Leuten die Häute über die Ohren.
Das Problem: Es gibt so viele Heute wie es Leute gibt.
Der gewünschte
Dialog wird sich auf Gott konzentrieren müssen – der gestern, heute und morgen der gleiche ist.
Ein
Salto mortale in die 60er JahreDann kommt ein herber Rückschlag.
Hw. Nobs zieht das Konzilsdokument
‘Gaudium et Spes’ aus dem Zylinder.
Es handelt von der Kirche der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts
und ist stark vom damaligen Kalten Krieg geprägt.
Dieses veraltete und von der Wirklichkeit eingeholte
Dokument bezeichnet der Heute-Geistliche treuherzig als „theologischen Quantensprung nach vorn“.
Erst
jetzt versteht man, was er mit seinem „Heute“ meint – die dekadenten 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Doch diese Zeiten sind zum Glück vorbei, auch wenn es die Randalierer von damals vielleicht nicht gemerkt
haben.
Kein Wunder, daß diese heute-anbetende 68er-Meute heulend ihre Häute davonschwimmen sieht.
Zu Recht spricht Hw. Nobs sich und seinen Heute-Leuten das Urteil:
„Heute gewinnt man gelegentlich den
Eindruck, als konzentriere man sich auf einen Salto mortale rückwärts.“
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