Politik
Der Westen träumt von einer Intervention in Libyen
Angesichts der Bedeutung seines Erdöls und Erdgas für einige EU-Länder ist Libyen als einzige Partei in der Lage, gegen andere wirkungsvolle Sanktionen zu verhängen. Von Susil Gupta.
Muamar Gaddafi im Februar 2009
Muamar Gaddafi im Februar 2009
© gemeinfrei
(kreuz.net/ antikrieg.com) Die Krise in Libyen gerät zu einer internationalen Peinlichkeit.

Nicht aufgrund von Muamar Gaddafis clownhaften Possen, sondern weil diese Krise auf spektakuläre Weise zeigt, wie sehr die Macht des Westens im Lauf des vergangenen Jahrzehnts abgenommen hat.

Obwohl die USA das mächtigste Land der Erde sind und über einen militärischen Apparat verfügen, der größer ist als der aller anderen Länder zusammen, hat dieses Land es nicht geschafft, seine Lösungen im Irak, in Afghanistan und in Pakistan durchzusetzen.

Weit davon entfernt, daß die USA die Ayatollahs auf die Knie zwingen kann, gewinnt der Iran tagtäglich strategisches Terrain.

Kein Geld

Die Finanzkrise hat die Macht der westlichen Finanzen gelähmt.

Die Zentralbanken des Westens waren gezwungen, in China und in den erdölreichen Ländern um Kredite zu betteln.

Die arabische Revolte dieses Jahres hat jetzt den exklusiven Zugriff zunichte gemacht, den die angloamerikanische Herrschaft früher einmal in der Region besaß.

Jetzt verspricht Libyen, die Machtlosigkeit des Westens zu offenbaren.

Laurence Pope – Ex-Politikberater beim ‘United States Central Command’ und Ex-Botschafter in Tripoli – erklärte vor der französischen Tageszeitung ‘Le Monde’ in einer ernüchternden Beurteilung, daß „Washington in einer Situation steckt, in der es nur schlechte Optionen gibt und solche, die noch schlechter sind.“

Humanitäre Bombardierungen?

Wie waren die Reaktionen in Europa?

Die europäische Linke und die liberale Bourgeoisie bleiben sehr interventionistisch. Sie glauben an „humanitäre Bombardierungen.“

Darum fordern sie lautstark eine kräftige Intervention der NATO – wie im Balkan gehabt.

Ein Leitartikel in der linksgerichteten britischen Tageszeitung ‘Guardian’ unterstützt den Aufruf des liberalen britischen Politikers Lord Owen (72).

Er forderte, daß „militärische Vorbereitungen getroffen werden und die notwendigen diplomatischen Schritte – vor allem mit den Russen und Chinesen – eingeleitet werden, um die Autorität der UNO für eine solche Aktion zu bekommen.“

Sollte die Krise weiter gehen, so der ‘Guardian’, „müßte eine Bodenintervention überlegt werden.

Die ägyptische Armee verfüge über die Ausstattung. Andere arabische Länder könnten mitmachen und westliche Kräfte könnten helfen.“

Ja, bis Weihnachten würde alles vorbei sein.

Keine Optionen

Es liegt auf der Hand, daß die Kriegsenthusiasten ihre Vorschläge nicht durchdacht haben.

Es ist eine Tatsache, daß es keine realisierbaren Möglichkeiten einer militärischen Intervention gibt.

Das ist sogar dann der Fall, wenn die größeren Mächte sich auf einen Interventionsplan einigen könnten – wovon diese aber sehr weit entfernt sind.

Sehen wir uns die Optionen an.

Ein Flugverbot ist zwecklos

Die Verhängung einer Flugverbotszone würde ausgedehnte Überwachungsflüge durch fremde Luftwaffen erfordern.

Diese Maßnahme würden nur wenig bewirken, weil die Lufthoheit keine Schlüsselposition in Gaddafis Strategie einnimmt.

Dadurch würde allerdings eine Atmosphäre eines größeren Krieges entstehen und Gaddafi einen propagandistischen Vorteil bekommen.

Das Rezept für eine Katastrophe

Auch die Schaffung einer militärischen Absperrung oder eines Cordons sanitaire um Ostlibyen, um die Positionen der Aufständischen zu schützen, wäre keine gute Idee.

Eine solche Absperrung würde die Situation auf einen Zwei-Parteien-Krieg zuspitzen. Das würde nur in die Hände Gaddafis spielen.

Es ist für jene, die Gaddafi stürzen wollen, von Vorteil, einen Grabenkrieg oder abgegrenzte Territorien zu vermeiden.

Letzter würden sie daran hindern, alle Ebenen der Gesellschaft zu durchdringen und Gaddafis bröckelnde Machtbasis weiter zu untergraben.

In jedem Fall wäre eine derartige westliche Intervention undurchführbar.

Kein Befehlshaber des Westens würde auf kurzfristigen Abruf Truppen auf einen Kriegsschauplatz entsenden, der seinen Soldaten unbekannt, aber einem Gegner – der nur schlecht von befreundeten Kräften unterschieden werden kann – gut bekannt ist.

Das ist ein Rezept für eine Katastrophe.

Ein Funke für die arabische Welt

Was wäre mit der Entsendung von „Friedens-Truppen“ der Afrikanischen Union, um die Kampfparteien zu trennen.

Ausgehend von dem Ruf derartiger Truppen aus der Vergangenheit ist das eine Möglichkeit, jeden Libyer auf die Seite Gaddafis zu bringen.

Eine solche Entsendung würde nach dem Vorschlag des ‘Guardian’ aus Truppen aus arabischen Ländern bestehen.

Das wäre eine Methode, um alle Libyer hinter Gaddafi zu vereinen – und den gesamte Mittleren Osten mit den Wechselfällen eines Bürgerkrieges in Libyen zu entzünden.

Sanktionen muß man durchsetzen

Wäre Bombardieren eine Lösung? Wen sollte man bombardieren? Gaddafis Versteck?

Abgesehen von einem Mangel an sinnvollen Ziel könnten westliche Bombenwerfer andere auf die Idee bringen, Ziele zu bombardieren, die in der Tat großen strategischen Wert haben – Erdölquellen und Pipelines.

Dann wenigstens Sanktionen?

Libyens ausgedehnte Grenzen sind völlig durchlässig und von Völkern und Stämmen bevölkert, die darauf aus sind, Geschäfte zu machen.

Um die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats werden sie sich keinen Deut scheren.

Angst vor libyschen Sanktionen

Im Gegenteil, angesichts der strategischen Bedeutung von libyschem Erdöl und Erdgas für einige europäische Länder ist Libyen als einziges Partei in der Lage, gegen die anderen wirkungsvolle Sanktionen zu verhängen.

Der Erdölpreis ist bereits auf 110 Dollar gestiegen.

Man wird sehen, wie die Italiener in den kommenden paar Wochen aufheulen werden, sollte die Krise noch länger anhalten.

Es verwundert nicht, daß der britische Premierminister David Cameron und der französische Präsident Nicolas Sarkozy ihrer Verärgerung freien Lauf lassen – gleichzeitig aber nur auf die Spitzen ihrer Schuhe schauen.
      
16 Lesermeinungen
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#16   Mufelius †   21:24:42 | Donnerstag, 3. März 2011
Den Rebellen liefern was sie brauchen…
erinnert mich fatal an die Unterstützung der heldenhaften Taliban in Afghanistan durch die Amis im Kampf gegen die „gottlosen Russen“ …
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#15   Antonio Michele Ghislieri   21:22:19 | Donnerstag, 3. März 2011
Dabei ist al-Gaddafi nicht weniger irre
als es Abraham Lincoln.
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#14   FXaver   21:01:57 | Donnerstag, 3. März 2011
Egal was die USA / Israel tun…
Nach dem Urteil der ortsansässigen Verschwörungsspinner… können die USA / Israel es sowieso nur falsch machen. Intervenieren sie ist das ein Beweis für deren „Doppelmoral“. Intervenieren sie nicht auch.
Eine dritte Option wird in den Medien kaum diskutiert und genau die läuft wohl momentan an. Die Nato liefert den Rebellen was sie so brauchen: Stinger-Raketen für die Luftabwehr zum Beispiel. Dazu Waffen, Treibstoff und Munition. Gleichzeitig wird der Nachschub Gaddafis behindert, wo es geht. In einigen Wochen werden die Rebellen dann wohl siegen.
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#13   Kraut   16:22:32 | Donnerstag, 3. März 2011
Nicht ganz abwegig
Bei Ihnen sind wohl auch „die Juden“ schuld, wenn Sie Sodbrennen haben…
Wem unterliegen die Mehrheitsanteile des Monsterkonzerns Monsanto…?
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#12   Cybuzar   16:21:13 | Donnerstag, 3. März 2011
Michael Jackson?
Mag sein, aber für mich sieht er eher wie Helge Schneider aus. :-S
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#11   Blackmore   16:17:39 | Donnerstag, 3. März 2011
Herr Petrus II,
verzeihen Sie die deutlichen Worte, aber Sie sind ein Verschwörungsschwätzer!
Bei Ihnen sind wohl auch „die Juden“ schuld, wenn Sie Sodbrennen haben…
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#10   Kraut   16:15:51 | Donnerstag, 3. März 2011
Für mich ist Gaddafi der Michael Jackson
unter den Sonnenbrillenfreaks. Kein Diktator legt soviel Wert auf ein auffallendes Äußeres…!
Obiges Bild könnte man jederzeit, natürlich mit vorheriger Zustimmung Herrn Gaddafis (©), für ein CD-Cover einer Gangsta-Rapper-Kapelle verwenden.
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#9   PetrusII   15:51:45 | Donnerstag, 3. März 2011
Libyen? Nein ganz Afrika der ganze nahe Osten
muß brennen. Nur so ist es den Zionisten möglich mit einem Schlag die Weltbevölkerung um 2/3 zu reduzieren. Ein WKIII muß her. Ob er allerdings so aussieht wie die anderen WK? Wer weiß das schon. Afrika muß brennen. Der Flüchtlingsstrom wird Europa überrennen. In Italien und Frankreich wird Bürgerkrieg ausbrechen. Rom wird in Flammen stehen. Entweder stirbt der Papst oder er muß Rom verlassen. Was ist aber, wenn Afrika u. der nahe Osten merkt wer hinter der ganzen Sauerei steckt. Wehe dem Land der alten Väter.
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#8   karljosef   15:37:49 | Donnerstag, 3. März 2011
Kreuz net kann das Gaddafi Foto
für den Aufmacher eines Homoartikels wiederverwenden. Mummar sieht doch wie eine Tunte aus.
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#7   r.ruhrgebietler   15:16:35 | Donnerstag, 3. März 2011
Wer kann den Gadi übertreffen?
die rote merkel, die hosendelle und …
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#6   polenpaule   14:45:43 | Donnerstag, 3. März 2011
Wer kann den Gadi übertreffen?
Das kann nur der gegenwärtige Ersthäresiarch, aber halt der Krakauer war noch besser, weil dümmer und plumper, eben gläubiger konziliar und eine typisch Krakauer…!
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#5   r.ruhrgebietler   14:13:10 | Donnerstag, 3. März 2011
welcher westen?
die freimaurerfreund des algermissen? des lehmann? des ratzinger? des mussinghoff? des dt. episkopats?
der grosse bruder bereitet schon lange den grossen schlag vor und der x-day ist schon lange vorbereitet – diesmal besser als bei irak.
die stümper werden besser! und die fossilen rohstoffe sind nur noch stark begrenzt verfügbar!
handlungsbedarf ist erstes gebot und eine frage der zeit! vielleicht noch vor ostern!
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#4   Mary Cruz   13:00:36 | Donnerstag, 3. März 2011
Clown oder Tyrann?
Die Krise in Libyen gerät zu einer internationalen Peinlichkeit.
Nicht aufgrund von Muamar Gaddafis clownhaften Possen…
Was ist daran clownhaft, wenn tyrannische Machthaber dem Militär befehlen, hunderte unbewaffnete Demonstranten umzubringen?
Die europäische Linke und die liberale Bourgeoisie bleiben sehr interventionistisch. Sie glauben an „humanitäre Bombardierungen.“
Darum fordern sie lautstark eine kräftige Intervention der NATO – wie im Balkan gehabt.
Sie meinen wahrscheinlich die „kräftige Intervention“ -nachdem die Bevölkerung nach fünf Jahren durch die Massaker der serbischen Armee genügend reduziert war, so dass die katholische Bevölkerung um ein Haar unter die Herrschaft der serbischen Moslems geraten wäre!
Die Finanzkrise hat die Macht der westlichen Finanzen gelähmt.
Das hindert die Tyrannen der EU und der USA jedoch nicht daran, weiter an der Reduzierung der Bevölkerung zu „arbeiten“!
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#3   Mufelius †   12:40:44 | Donnerstag, 3. März 2011
Es gibt halt keine „Lösungen“.
So barbarisch das klingen mag, aber das lybische Volk ist auf sich gestellt und muss das alleine hinkriegen, was den gewalttätigen Teil angeht. Selbstverständlich muss die Völkergemeinschaft humanitär helfen wo sie kann, etwa mit Lebensmittel-Versorgungen wo es nötig sein könnte, Aufnahme und Management von Flüchtlingen und dergleichen.
Aber militärisch ist da nichts zu machen und jeder Versuch, da etwas zu machen, wird fehlschlagen – in der einen oder anderen Weise.
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#2   Guiseppe   12:23:52 | Donnerstag, 3. März 2011
Und was sind mögliche Lösungen?
Susil Gupta schreibt, was nicht geht. OK. Und welche Lösungen könnte es geben? Dazu schreibt Susil Gupta NICHTS.
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#1   vitrivius2010   11:32:32 | Donnerstag, 3. März 2011
een aff mit ne sonnbrill
wat is dat fürn aff ???
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