18:30:23 | Freitag, 4. März 2011
War vor hundert Jahren Königin Luise von Preussen der Inbegriff der Frau, strahlend in ihrer Mütterlichkeit, so ist es heute die abenteuerliche, bettenwechselnde, kinderlose Filmdiva mit dem seelenlosen Puppengesicht. Von Edgar Julius Jung († 1934)

Kann man das Geschwisterchen schon hören?
© Sami Taipale, CC(kreuz.net) Die Ehe als soziale Versorgungseinrichtung wollen auch die Frauenbefreier nicht aufgeben.
Auf der einen Seite stehen deshalb die Bestrebungen der Frauenbewegung nach Verbesserung der ehe-rechtlichen
und güterrechtlichen Stellung der Frau, auf der anderen die Anpassung der Frau an das männliche Geschlechtswesen:
die Entwicklung zur Polyandrie.
Die Ehe fängt, wie in Nordamerika, an, aus einer Vereinigung auf Lebenszeit
zu einem Vertrage zwecks flüchtiger Vergnügungsspiele zu werden.
Die Ehe und die gesellschaftliche
Ehrbarkeit wird verlangt, aber schon Scheidung und eine neue Ehe ins Auge gefaßt.
Ein kurzfristiger
Vertrag auf gegenseitiges Vergnügen, leicht eingehbar und leicht löslich, und womöglich gar keine Kinder –
wenn aber solche, dann deren Unterbringung in großen Erziehungsanstalten, unter Umständen Staatserziehung:
Das ist der Schlußstein dieser Entwicklung. Verwirklicht ist sie schon in Sowjetrußland.
Merkwürdigerweise
kommt das russische Gesetz fast in allen Punkten den von der deutschen Frauenbewegung gestellten Reformforderungen
nach.
Es zeigt sich hier überraschend der westlich liberale Charakter des Bolschewismus, entgegengesetzt
den asiatischen Formen seiner Regierung.
So meldet die „Kommunistische Akademie“ in Moskau:
„Die Zahl
der Scheidungen ist groß und noch im Steigen begriffen. Die Scheidungen werden in der Mehrzahl der Fälle
von den Frauen herbeigeführt. Den Rekord in dieser Beziehung hält eine Frau in Leningrad, die innerhalb
dreier Jahre 16 Ehemänner gehabt hat. Fälle von drei bis vier Ehescheidungen in drei Jahren sind häufig.“
Wenn darauf hingewiesen wird, daß trotz dieses liberalen russischen Eherechtes die Geburtenzahlen in
Rußland nicht zurückgegangen sei, so ist dies eine gänzliche Verkennung einmal des sozialen Aufbaues
in Rußland – Überwiegen hochkonservativen Bauerntums –, zum andren der Triebkräfte, die in der Gesetzgebung
ihren sakralen Charakter behalten.
Der russische Bauer kümmert sich nicht darum, was wurzelloses Proletariat
durch noch wurzellosere Intellektuelle in Gesetzesform anordnet. „Mütterchen“ Rußland ist eben noch
das Land erdgebundener Mütterlichkeit.
Anders der liberale Westen, den auch in Deutschland die Frauenbewegung
zum Siege führen will.
Die kurzfristige Ehe, auf welche die liberalistische Entwicklung hindrängt,
beruht nicht auf der Mütterlichkeit der Frau.
Die moderne befreite Frau, die natürlich den Muttertrieb
nicht von heute auf morgen austilgen kann, befriedigt ihn ersatzmäßig: der verzärtelte Hund, das abgöttisch
geliebte einzige Kind, ziehen die gesamten Mutterkräfte auf sich.
Der Aufwand, der für solche Kinder
getrieben wird, ist geradezu verbrecherisch. Sie ersticken in Liebkosungen, in Umsorgung, in Geschenken,
in Luxus.
Diese Frauen haben keine Kinder mehr, die zu tüchtigen Menschen erzogen werden sollen, sondern
nur noch affenhaft abgerichtete Prinzen und Prinzessinnen.
War vor hundert Jahren der Inbegriff und das
Vorbild der Frau die Königin Luise, strahlend in ihrer Mütterlichkeit, so ist es heute die abenteuerliche,
bettenwechselnde, kinderlose Filmdiva mit dem seelenlosen Puppengesicht.
Ein Blick in die illustrierten
Zeitschriften zeigt die Gesellschaftsideale des individualistischen Zeitalters: den Multimillionär, den
Verbrecher, den Boxer und die Filmdiva.
Aus „Die Herrschaft der Minderwertigen, ihr Zerfall und ihre
Ablösung durch ein Neues Reich“ (1930), dem Hauptwerk des konservativen deutschen Juristen, Politikers
und Publizisten Edgar Julius Jungs († 1934).
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#29
kristall 21:10:48 | Samstag, 5. März 2011
#28
BelNumDon 21:07:48 | Samstag, 5. März 2011
#26
kristall 17:42:01 | Samstag, 5. März 2011
#24
kristall 17:33:49 | Samstag, 5. März 2011
#22
Soramonas 14:13:44 | Samstag, 5. März 2011
#19
kristall 09:15:17 | Samstag, 5. März 2011
#16
Atzmon 23:53:23 | Freitag, 4. März 2011
#14
Atzmon 21:50:00 | Freitag, 4. März 2011
#11
kristall 19:51:12 | Freitag, 4. März 2011
#10
Vogel 19:48:17 | Freitag, 4. März 2011
#9
kristall 19:44:16 | Freitag, 4. März 2011
#8
Vogel 19:40:43 | Freitag, 4. März 2011
#7
Besorgt 19:32:55 | Freitag, 4. März 2011
#6
Vogel 19:32:27 | Freitag, 4. März 2011
#5
kristall 19:30:10 | Freitag, 4. März 2011
#3
kristall 19:22:00 | Freitag, 4. März 2011
#2
Vogel 19:17:44 | Freitag, 4. März 2011
#1
kristall 18:59:05 | Freitag, 4. März 2011