14:22:53 | Montag, 14. März 2011
Die Reibungspunkte wurden nie ernsthaft angesprochen – nicht einmal anerkannt. Von Hw. Richard Gill.

Webseite der ‘Legionäre Christi’ über Berufungen
(kreuz.net) Es gibt in der Legion Christi ein ernsthaftes Problem, das vom größten Teil jener Legionäre
gut verstanden wird, die nicht aus lateinamerikanischen Staaten stammen.
Es geht um das Ausmaß, in dem
die Gemeinschaft von einer „lateinischen Mentalität“ geprägt ist – wie wir das Phänomen mangels eines
besseren Wortes nennen wollen.
Diese Mentalität zeigt Reibungspunkte mit der europäischen und anglo-amerikanischen
Art, den katholischen Glauben zu leben.
Alles wurde verborgen gehaltenDer größte Teil der internationalen
Ordensgemeinschaften erlaubt ein dezentes Miteinander verschiedener Bräuche und Ausdrucksformen.
Doch
wegen Pater Maciels Manie für weltweite Uniformität, Einheit und einen einzigen Block von Regeln für
alle wurden die nationalen und kulturellen Unterschiede auf ein Minimum reduziert.
Die Reibungspunkte
wurden nie ernsthaft angesprochen – nicht einmal anerkannt.
So haben die tragischen Fehler und Unterlassungen
in der Auseinandersetzung mit dem Skandal um Pater Marcial Maciel sichtbar werden lassen, daß die vorwiegend
mexikanische Führung kaum daran interessiert war, die Fakten zur Kenntnis zu nehmen und ans Licht zu
bringen sowie sicherzustellen, daß die Wahrheit offen anerkannt und die Konsequenzen gezogen würden.
Von ihrer Mentalität her tendieren die Lateiner zu einem toleranteren Umgang mit schlechtem Verhalten,
Verderbnis und Unehrlichkeit.
Es ist heute klar, daß sie nicht verstanden, daß die Mitglieder der Kongregation
tatsächlich ein Recht besaßen, die Wahrheit über das Leben des Gründers zu erfahren.
Darum hielten
sie alles verborgen.
Viele sind sauerWährend Pater Maciel an der Macht war, wurde das einfach das
Nebenprodukt eines streng hierarchischen Systems anerkannt.
Doch heute stößt das vielen als plumpe
Form des Paternalismus auf.
Es ist kein Zufall, daß die über die Leitung am meisten verärgerten Legionäre
vor allem aus den USA und Spanien stammen.
Das sind die in der Legion nach den Mexikanern am stärksten
vertretenen Nationalitäten.
In diesen beiden Ländern sind die Berufungen – wie im restlichen Europa –
massiv zurückgegangen.
Von den Legionären, die in den Weltklerus übertraten, waren die meisten US-Amerikaner
oder Spanier.
Die Legion, die einst stolz auf ihre Internationalität war, steht jetzt vor der realen
Perspektive, zu einer vorwiegend mexikanischen Gemeinschaft zu werden.
Die monolithische Einheit bröckelt
Es muß zur Kenntnis genommen werden, daß viel von dem, was Pater Maciel als „von Gott inspiriert“ präsentierte,
in Wahrheit eher Beschränktheiten und Defekte seiner Mentalität waren.
Einen Weg zu finden, um den
verschiedenen Territorien der Legion Autonomie zu verschaffen, die von Pater Maciel so sehr gelobte „monolithische
Einheit“ abzuschwächen und eine gesunde Sorge für Wahrheit und Verantwortung einzuflössen, scheinen
heute offensichtliche Vorgaben zu sein.
Wenn das erreicht werden kann, werden sehr starke Änderungen
im Leben und in der Mentalität der Legion Christi die Folge sein.
Eine andere Möglichkeit wäre die
Schaffung einer radikal verschiedenen Kongregation, autonomer und weniger zentralisiert.
In den Vereinigten
Staaten könnte sie zum Beispiel einen offeneren und transparenteren amerikanischen Stil annehmen.
Sind
Partikularnomen die Lösung?In der Zeit, als die Mentalität von Pater Maciel dominierte, wäre das
in der Kongregation völlig undenkbar gewesen.
Es wäre aber nicht das erste Mal, daß der Heilige Stuhl
in einer Ordensgemeinschaft, die in verschiedenen Ländern unterschiedlich arbeiten muß, die Notwendigkeit
von Flexibilität und Autonomie anerkennen würde.
Eine solche Lösung würde die Legion in den USA in
die Lage versetzen, das Vertrauen der Kirche noch einmal zu gewinnen und ihr – nach dem Wunsch des Heiligen
Vaters – einen wertvollen Dienst zu leisten.
Der Verfasser ist ein ehemaliger Pater der Legion Christi
und gegenwärtiger Diözesanpriester von New York. Sein Beitrag erschien ursprünglich auf der Webseite
des italienischen Vatikanisten Sandro Magister.
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