EU
Durch und durch heidnisch
Der Erzbischof von Utrecht stellte sich kurz vor dem Referendum zur EU-Verfassung einem Interview. Er werde ‘ja’ stimmen, kündigt er an. Die Niederlande beschreibt er als hoffnungslos liberal. Auszüge.
(kreuz.net, Amsterdam) Der Erzbischof von Utrecht, Adrianus Johannes Kardinal Simonis (73), sprach mit der ‘Times of Malta’ in der Donnerstagsausgabe . Utrecht liegt rund 40 Kilometer südöstlich von Amsterdam im Zentrum der Niederlande.

Erzbischof Simonis ist der einzige Kardinal der Niederlande. Er befindet sich anläßlich eines Karneval-Kongresses in Nadur. Nadur liegt auf Gozo, der zweitgrößten Insel der Republik Malta.

Was führte sie nach Malta?

Der 25. Jahrestag der Gründung der Europäischen Vereinigung der Karneval-Städte. Der Präsident ist ein Holländer. Er hat mich letztes Jahr gebeten zu kommen. Ich werde eine Predigt über die Bedeutung des Karneval halten.

Welche Bedeutung hat der Karneval für Sie?

Der Karneval ist ein christliches Fest. In vielen Ländern wird er vor der Fastenzeit gefeiert. Wenn er vom christlichen Geist inspiriert ist, kann er dazu beitragen, echte Werte zu fördern.

Die Niederlanden gelten als liberals Land…

… sehr liberal.

…die zwei Inseln hier als sehr konservativ. Glauben Sie, daß es zwischen den beiden Ländern eine Gemeinsamkeit gibt?

Ich würde es bevorzugen, zu sagen, daß Malta rechtgläubig ist, nicht konservativ. Dieses Wort hat einen anderen Sinn. Lassen wir es rechtgläubig sein. Wir müssen rechtgläubig sein. Der Liberalismus ist das Ende von allem: auch das Ende vieler Werte. Wenn man rechtgläubig ist und in einem christlichen Sinn glaubt, dann kann man wahre Werte bewahren.

Ist es lediglich ein Empfinden, daß die Niederlande äußerst liberal sind?

Nein. Es ist ein liberales Land. Es gibt Gott sei Dank noch zahlreiche rechtgläubige Menschen. Aber sie sind in der Minderheit.

Ist es schwieriger dort Kardinal zu sein, als irgendwo sonst?

Oh ja, natürlich. Im öffentlichen Leben unseres Landes bedeutet ein Kardinal rein gar nichts. Man wird als eine Art Verwalter betrachtet. In Malta ist man dagegen eine hochangesehene Persönlichkeit.

Was sind die größten Herausforderungen, denen man sich in einer solchen Kultur stellen muß?

Um mit den Worten des neuen Papstes, Benedikt XVI., zu sprechen: Wir versuchen Salz der Erde zu sein, um in einer heidnischen Gesellschaft als wahre Christen zu leben. Ich glaube, das entspricht dem Evangelium.

Glauben Sie, daß ihre Gesellschaft völlig heidnisch geworden ist?

Ja, ich empfinde unser Land als heidnisch.

Was kann man in dieser Situation tun?

Wir versuchen zu den Jugendlichen zu sprechen. Wir wollen, daß sie über die wahren Werte des Lebens nachdenken und sich nicht mit der Oberflächlichkeit der modernen Welt zufriedengeben.

Und was sind die wahren Werte des Lebens?

Die wahren Werte sind Wahrhaftigkeit, Religiösität, Glaube, Gerechtigkeit und echter Friede. Diese sind die wichtigsten. Sehr wichtig ist auch die Reinheit des Lebens. Diesbezüglich ist unsere Gesellschaft völlig heidnisch.

Die Niederlande waren das erste europäische Land, das die Euthanasie eingeführt hat. Was empfinden Sie, wenn in ihrem Land solche Dinge geschehen?

Das ist schrecklich. Die Bischofskonferenz schreibt eine Erklärung nach der anderen. Doch die Leute hören nicht. Die Toleranz ist in unserem Land so weit gediegen, daß manche sagen: „Ich bin mit dem Homo-Konkubinat nicht wirklich glücklich. Doch wenn es andere Leute wollen, dann soll man sie machen lassen.“ Die Toleranz ist zur Gleichgültigkeit geworden.

Glauben Sie, daß man die Kirche verläßt, weil sie es verabsäumt hat, sich zu modernisieren?

Das ist ein Grund. Aber ich glaube, daß die Kirche in ihrer Lehre Recht hat. Sie ist eine Autorität und die Leute freunden sich mit Autoritäten nun mal schwer an. Sie sagen: „Nun ja, der Bischof hat eine Meinung, aber ich habe meine eigene und beide sind gleichwertig.“ Doch das widerspricht dem Evangelium. Denn Jesus sagte zu seinen Aposteln: „Wer Euch hört, hört mich.“

Soll sich die Kirche angesichts einer Welt im Wandel ändern oder bleiben, wie sie ist?

Die Kirche soll sich dort ändern, wo es möglich ist. Aber sie soll sich keinen Millimeter bewegen, wo es unmöglich ist – das heißt – in den ewigen Wahrheiten, die das menschliche Wesen betreffen.

Die Holländer stimmen über die EU-Verfassung ab. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, daß sie – wie die Franzosen – dagegen votieren. Angesichts der Debatte um den fehlenden Gottesbezug…

…das Fehlen Gottes ist eine schreckliche Angelegenheit. Ich selbst werde dennoch für die Verfassung stimmen. Es gibt in ihr einen Platz für die Kirche.

Was denken Sie über diese Verfassung?

Sie ist nur ein Anfang. Ich hoffe, es wird in Zukunft eine bessere Verfassung geben.

Glauben Sie, daß es angesichts der Ausdehnung der EU möglich ist, daß sich so viele Länder eine einzige Verfassung zu eigen machen können?

Ich hoffe, daß das möglich sein wird. Wir brauchen einander. Wir leben in einer Welt der Globalisierung. Europa hat christliche Wurzeln und wir müssen sie unter die Leute tragen. Wir müssen die Menschen von ihren eigenen Wurzeln überzeugen. Gleichzeitig ist es aus der Sicht der Wirtschaft für uns notwendig, europäisch zu sein. In Zukunft werden China und Asien die ganze Welt regieren. Wir müssen eine ökonomische Kraft sein.

Warum glauben Sie, daß die Verfassung dann von den Franzosen abgelehnt wurde und von den Niederländern aller Voraussicht nach abgelehnt wird?

In Frankreich ist es die Idee der Überlegenheit – eine Übertreibung der französischen Identität. Im Fall der Niederlande könnte es ein Minderwertigkeitskomplex sein. Wir haben einen Komplex, weil wir ein kleines Land sind. Die Leute folgen deshalb dem Prinzip: „Wir zeigen, daß wir mächtig sind“. Starrköpfig.
      
7 Lesermeinungen
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#7   methusalix †   01:29:41 | Mittwoch, 8. Juni 2005
Hallo Athanasius…
…würde die historische Korrektheit, die Sie hier in Zusammenhang mit dem Gottesbezug einfordern, nicht auch einen Hinweis auf unsere antiken griechischen Wurzeln (Aristoteles und Co.) notwendig machen und die Aufklärung und die Scholastik und die Existenzialisten a la Sartre? Nein, sie sehen schon, das führt zu nichts als einem „Verfassungswust“, ganz abgesehen von der Vorliebe der Alten Griechen für kleine Jungs. Ich will den Gottesbezug nicht in der Verfassung haben, weil Jeus sagte:„Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist!“ Und die Verfassung ist nun mal des Kaisers, des Souveräns, des Volkes und die heilige Kirche ist Gottes Werk. Dort hat die Kirche das sagen. Wenn wir Gott in die Verfassung nehmen, fordert „der Kaiser“ demnächst einen weltlichen Bezug im Codex Juris Canonici oder der nächsten Enzyclica?
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#6   Athanasius   08:20:27 | Montag, 6. Juni 2005
@Yersinia
Welch ein Unsinn vertreten Sie. Eine Gotteserwähnung würde aus Europa noch gar keinen Katholischen Staat machen, sondern nur historisch korrekt sein.
Wenn das Erwähnen Gottes eine „Beleidigung“ für die Atheisten und Hedonisten ist, was ist denn mit der Nicht-Erwähnung? Eine Beleidigung für Christen?
Sie schreiben und schreiben, sagen aber nichts anderes als die Parteikonferenz der Grünen. Da würden Sie lieber sprechen. Vertun Sie hier ihre Zeit nicht.
Wirklich, es ist schade zu sehen, wie stereotypisch und indoktriniert einige auf diesem Forum sprechen. Leider ist dies so und wird wohl nicht schnell ändern.
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#5   GerdEric   17:26:24 | Sonntag, 5. Juni 2005
Da ja einige hier
der Meinung sind,
die Kirche wäre ja nur die römische-katholische Kirche, nicht aber die „herätischen“ oder abgefallenen Kirchen,
möchte ich gern mal wissen,
wie denn der Artikel lauten sollte,
damit das auch deutliche wird.
Wie soll denn nun der Gottesbezug lauten,
auf dass keine andere „Gemeinaschaft“ diesen Artikel für sich „ummünzen“ könnet/kann?
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#4   Yersinia   09:48:18 | Sonntag, 5. Juni 2005
wozu soll Gott in eine Verfassung?
IMHO ist es ein „sich zu eigen machen“ Gottes – letztlich also Frevel; ganz klar ist es der Versuch, unhinterfragbare Größen in ein politisches Konstrukt zu reklamieren – letztlich also ein mehr oder minder verschleierter Versuch der Herrschaftsbegründung; nein, politische Entscheidungen sollen politische – und damit von Menschen gemachte – Entscheidungen sein; und wie will Europa als Verbund rechtsstaatlicher Demokratien anderen Staaten gegenübertreten, die im Namen ihrer Religion ein diktatorisches Regime ausüben und Menschen knechten – und dies natürlich so nicht dargestellt sehen wollen, sondern eben „im Namen Gottes“ handeln? nicht zuletzt eine Frage: wie sollen sich jene vielen Menschen in so einer Verfassung vertreten fühlen, die ohne Glauben leben oder nicht dem christlichen Glauben angehören? sich dem Verfassungsregime unterwerfen? also doch – nichts anderes als eine Frage von Herrschaft und Unterdrückung, verbunden mit dem Mißbrauch des Namens Gottes!
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#3   Athanasius   08:26:24 | Sonntag, 5. Juni 2005
Ruprecht,
Du hast wohl recht in vielen Sachen, aber diese Verfassung ist noch nicht auf den Müllhafen geworfen.
Die nicht-referendierenden Länder und extrem-liberale Regierungen die wie in Belgien sagten „Unser Volk ist zu dumm hierüber zu entscheiden“, haben die Verfassung alle angenommen.
Giscard d’Estaing und Barroso haben deutlich gesagt sie würden es weiterpressen und sonst eine neue Verfassung und neue Referenda ansteuern.
Aber diese ist noch drin.
Leider.
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#2   kreuzi   02:19:40 | Sonntag, 5. Juni 2005
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Eine Verfassung die das Christentum nicht als Grundlage hat, ist eine schlechte Verfassung, und kann in keinster weise schön geredet werden. In dieser schlechten Verfassung werden der Kirche zwar Sonderrechte eingeräumt, so dass diese ihr Christentum weiterleben kann, es zeigt jedoch, was das für eine Verfassung ist, wenn die Kirche von ihr verschont wird. Darum begüßte ich es das diese Christenfeindliche Verfassung auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist. Die nächte EU Verfassung bitte ohne Ausnahmen für die Kirche, also mit anderen Worten, auf Grundlage des Christentums. Dann wird sie auch soziel gerecht. und die verarmten Mittelschichten können ihr dann auch zustimmen. Denn die aktuelle Verfassung die auch dem Müllhaufen liegt, war ja nichts anderes als eine Hausordnung für den Club der Reichen. Kein wunder, dass kein Platz fürs Christentum da war.
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#1   Athanasius   12:01:25 | Freitag, 3. Juni 2005
Eminenz,
Es gibt nur eine Nota für „die Kirchen“ in einem ökumenischen Rat.
Keinen Raum für das Christentum in Europa an sich, nur eine Institution für Die-von-Vorgestern.
Ich habe Nee gewählt
Doch schön dass unser Kardinal etwas zum Liberalismus sagt. Aber es ist ein Kontrast mit einer Ja-Stimme.
Ihr ergebener Untertan,
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