Euthanasie
Terri Schiavo war auf dem Weg der Besserung
Der Begründer der Wachkomaforschung sprach in Wien. Er warnte vor der Rückkehr der Liquidationsmaschinerie des Dritten Reiches: „Terri Schiavo hat ihren Hungertod hautnah miterlebt.“
(kreuz.net, Wien) Vor rund zwei Wochen sprach Prof. Dr. Franz Gerstenbrand (81) in Wien zum Thema ‘Wachkoma-Patienten sind keine Sterbenden’.

Dr. Gerstenbrand ist emeritierter Vorstand der Neurologischen Universitätsklinik Innsbruck. Bereits in den 60er Jahren hat er die Wachkomaforschung begründet.

Der Vortrag wurde von der österreichischen Lebensrechtsbewegung ‘Jugend für das Leben’ organisiert. Er fand an der Wiener Universität für Bodenkultur statt.

Der Justizmord an der Wachkoma-Patientin Terri Schiavo im US-Bundesstaat Florida sorgte vor zwei Monaten für weltweite Schlagzeilen.

Zu Beginn seines Vortrages unterstrich Prof. Gerstenbrand, daß Patienten, die am sogenannten apallischen Syndrom leiden, ihrer Umwelt vollkommen ausgeliefert sind.

Apallisches Syndrom ist der medizinische Fachbegriff für das Wachkoma. Ursache dafür ist eine massive Schädigung des Gehirns, beispielsweise nach einem Schädel-Hirn-Trauma, einem Schlaganfall oder einer Gehirnhautentzündung.

Die Symptomatik ist gekennzeichnet durch das Fehlen einer Bewußtseinstätigkeit und von Bewußtseinsinhalten. Der Patient zeigt keine Reaktion auf äußere Reize.

Ausgenommen sind motorische Primitivbewegungen wie Beiß- und Klammerreflexe.

Dr. Gerstenbrand erklärte, daß das Vollbild des apallischen Syndroms in den meisten Fällen vorübergehend ist. Bei entsprechender Behandlung zeigen viele Patienten eine deutliche Besserung.

In rund 60 Prozent der Fälle kommt es zu einer vollkommenen Genesung. Die Sterberate der Erkrankung liegt bei rund 20 Prozent. Ein weiteres Fünftel der Wachkoma-Patienten bleibt pflegebedürftig.

Nach heutigem Pflegestandard können wachkomatöse Patienten durchaus 20- 40 Jahre überleben.

Dies hätte auch für die ermordete Terri Schiavo zugetroffen. Laut Dr. Gerstenbrand befand sich die Frau nicht im Vollbild des Wachkomas. Sie habe auch ein frühes Genesungsstadium durchlebt.

Bei einer entsprechenden Therapie zu Beginn ihres Leidens und einer nachfolgenden Rehabilitation, hätte Terri gute Chancen auf eine Verbesserung ihres Zustandes gehabt.

Der entfremdete Ehemann von Terri Schiavo hat eine Therapie für seine Frau jedoch immer abgelehnt.

Der Tod ist für den Betroffenen eine tragische Angelegenheit, erklärte der Professor mit Bezug auf seine Jugend während der Kriegesjahre. Das treffe auch für den Tod von Terri Schiavo zu: „Sie hat den eigenen Hungertod in ihrem apallischen Zustand hautnah miterlebt.“

Der Mediziner unterstrich die Verpflichtung unserer Wohlstandsgesellschaft, für das Leben der Wachkoma-Patienten zu sorgen: „Diese Menschen wollen nicht sterben.“

Auch wenn die Angehörigen für einen Tod einträten, dürften die lebenserhaltenden Maßnahmen nicht beendet werden. Man könne nie wissen, welche Absichten die Verwandten bewegen, den Tod eines Patienten zu fordern.

Der Beginn der Tötung von Wachkoma-Patienten reißt eine Mauer ein: „Man verfällt in Zustände wie im Dritten Reich.“

Das dürfe in Europa nicht mehr geschehen. „Die Gesellschaft ist verpflichtet, diese Menschen am Leben zu erhalten.“ Man dürfe die Patienten weder ermorden noch darüber eine Diskussion losbrechen.

Sonst wird das Liquidationssystem des nationalsozialistischen Regimes wiederbelebt.
      
2 Lesermeinungen
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#2   methusalix †   01:51:30 | Montag, 6. Juni 2005
Ferndiagnosen…
…sind kriminellen Akten zumindest ähnlich.
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#1   Aliatus   05:59:44 | Samstag, 4. Juni 2005
Ein Krimnalfall eher
Der Fall Schiavo ist eher ein Fall für die Kriminalistik und, wenn man die vom Ereignis abgezogene Rezeption der Medienfiltrate betrachtet, eine introjezierte Tragödie in Kreisen der Kirche.
Möglicherweise wird von einstiger Innerlichkeit, Festigkeit und Härte, zugunsten eines bloßen Gefühls abgelenkt. Ich weiß nicht, wer, aber ich weiß, w a s für die überkanditelten Reaktionen um Schiavos Tod verantwortlich ist.
In der Kirche, die nach dem zweiten Vatikanum bis über die 80er Jahren von Häresien überflutet worden war, hatten (gute!) alte, einfache Leute mittels seltsamer Privatmeinungen (das Falsche dient der Wahrheit) und die guten alten Priester-Schlachtrösser (hehe (ich liebe die!)) für mehr als 30 Jahre das Schiff NICHT nur durch Gebet vorm kentern bewahrt. Ungeordnete Emotionen Einzelner scheinen mir heute sogar ein von manchen – gerade treuen – Klerikern akkzeptierter Gnadenersatz für das abhandengekommene gesunde und entfaltete Gnadenleben im Volk zu sein.
Terri Schiavo: Es ist m.E. nicht zulässig, Bilder einer Person, die meines Wissens nicht kanonisiert ist, in einem durchaus kriminalistisch unaufgeklärten Fall SO zu veröffentlichen, als hätte sie heiligmäßig gelebt oder als hätte sie ein (!) Jahr vor ihrem Übergang so ausgesehen wie gezeigt.
Eine Instrumentalisierung. Leider.
Das sage ich als ganz gewiß treuer (!) Katholik.
Ein Anderes: Ob nicht der Herr Frau Schiavo schon viel eher hätte abholen wollen?
Aliatus
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