Kirchenverkauf
Kann die Bochumer Oberbügermeisterin den Frevel verhindern?
Ein deutscher Denkmalpfleger äußert sich über den geplanten Abriß der Marienkirche in Bochum: „Es ist ein Frevel, ein Gotteshaus abzureißen.“
(kreuz.net, Bochum) Kann die Bochumer Oberbürgermeisterin, Frau Dr. Ottilie Scholz, einen möglichen Abriß der Marienkirche in Bochum verhindern? Sie kann.

Denn die erste Bürgerin Bochums ist zugleich die Chefin der unteren Denkmalbehörde der Stadt. Sie weiß, daß es für die Kirche kein ordentliches Gutachten zur Aufnahme des Gotteshauses in die Liste der städtischen Denkmäler gibt – und daß man ein solches Gutachten in Auftrag geben könnte und müßte.

Ein solches Gutachten würde die kulturgeschichtliche Bedeutung eines Gebäudes vor Ort, sowie seine städtebauliche- und seine ortsgeschichtliche Bedeutung berücksichtigen.

Vor allem der stadtbildprägende Charakter der Marienkirche wurde bisher von den Denkmalpflegern kaum beachtet.

Doch das ist einer der wichtigsten Punkte. Denn die Marienkirche ist von allen Einfahrtachsen der Stadt sichtbar.

Frau Dr. Scholz kann jederzeit einen unabhängigen Experten beauftragen, ein ordentliches Gutachten anzufertigen.

Bereits 1997 gab es eine Stellungnahme einer Mitarbeiterin der oberen Denkmalbehörde in Münster zugunsten der Kirche. Doch es scheint, daß der Abriß schon damals von der Stadtspitze und der katholischen Stadtkirche beschlossen war.

Es handelte sich somit nur um einen pro forma Akt, um das Grundstück gewinnbringend verkaufen zu können.

„Der Hauptschuldige für die mögliche Schandtat ist die oberste Denkmalbehörde in Münster unter der Leitung des dortigen Chefs“, erklärt der Förderverein Pro Marienkirche Bochum-Mitte.

Münster gilt als historische Hauptstadt Westfalens und liegt zwischen Dortmund und Osnabrück.

Zum Unverständnis anderer Denkmalpfleger rücke der Chef der Münsteraner Denkmalbehörde nicht von seinem Vorurteil – „die Marienkirche ist kein Denkmal!“ – ab. Diese Meinung vertritt er, obwohl es dazu kein ordentliches Gutachten gibt.

Die Bochumer katholischen Priester, die als treibende Kraft hinter dem Abbruch stehen, berufen sich auf die Münsteraner Denkmalbehörde, die eine sogenannte Unterschutzstellung der Marienkirche ablehnt.

„Es ist ein Frevel, ein Gotteshaus abzureißen – außerdem wird der Bau eines Altenheims vorgeschoben. Dieses Gebäude wird es vielleicht gar nie geben“, so ist von mehreren Seiten, sogar aus der Stadt zu hören.

In unmittelbarer Nähe der Marienkirche werden in Kürze drei neue Altenheime entstehen. Somit besteht überhaupt keine Notwendigkeit für den geplanten Neubau.

Sollte sich diese Vermutung als richtig erweisen, werde das ein schlechtes Licht auf die katholische Kirche werfen: „Diese leidet ja ohnehin schon unter dem Image, falsch und verschlagen zu sein,“ meint ein deutscher Denkmalpfleger, der anonym bleiben möchte.

Dann wäre plötzlich klar, daß es nicht um ein Altersheim, sondern um den Verkauf des Grundstücks geht – vielleicht sogar aus Profitgier.

Auch städtebaulich wäre der Abbruch der Kirche eine Katastrophe:

„Bochum hat sowieso kein Gesicht und ist eine fade Industriestadt aus der Nachkriegszeit, die völlig von Opel abhängig war.“

Die Stadt besitzt abgesehen vom Turm der Marienkirche kaum Wahrzeichen.

Der nicht zerstörte Turm der Marienkirche war für die vielen Kriegsgefangenen der einzige Orientierungspunkt in der fast vollkommen zerstörten Stadt. Er ist bis zum heutigen Tag ein Identitätsfaktor.

Der Abriß des Gotteshauses wäre darum ein schwerer Schlag gegen das Stadtbild.
      
1 Lesermeinung
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#1   Konrad   21:42:02 | Samstag, 4. Juni 2005
Marienkirche
Hoffentlich gelingt eine Erhaltung des Turms, davon müssten alle Bochumer zu überzeugen sein. Es gibt allerdings ein Wahrzeichen, auch eine Marienkirche (Wallfahrt jeden 11. des Monats) : das von Kardinal Hengsbach gestiftete Zisterzienserkloster St. Marien in Bochum-Stiepel.
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