18:29:14 | Donnerstag, 7. April 2011
Schwamm drüber: Die österreichischen Bischöfe haben jahrelang das Seelenheil von Minderjährigen mit teuflischen Religionsbüchern aufs Spiel gesetzt.

Kardinal Christoph Schönborn von Wien
© Henning Klingen, Pressefoto katholisch.at(kreuz.net) Prinz Gundakar und Prinzessin Marie von und zu Liechtenstein wurden vom kirchlichen Amtsschimmel
zwei Jahre von Pontius zu Pilatus geschickt, während Bischöfe und Vatikan ihre diplomatischen Pirouetten
drehen.
Die beiden Eheleute sind in Niederösterreich wohnhaft und als Eltern für fünf schulpflichtige
Kinder verantwortlich.
Bischöflich approbierte TeufeleienIm Oktober 2008 wandte sich das Ehepaar an
den Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Christoph Kardinal Schönborn.
Sie forderten
ihn auf, glaubensfeindliche Materialien zu eliminieren, die in Österreich – mit bischöflicher Zustimmung –
im katholischen Religionsunterricht verwendet werden.
Es handelt sich um
• die „Serie von Graz“ für
Mittelschulen. Sie umfaßt die Teile „Ich bin bei Dir“, „Mit Dir kann ich wachsen“, „Mit Dir auf dem Weg“,
„Miteinander unsere Welt gestalten“.
• das Handbuch „Freude am Glauben“,
• die Schriftenreihe des
altliberalen Wiener Religionspädagogen Martin Jäggle mit den Unterrichtstexten „Du magst mich“, „Du
machst mein Leben schön“, „Du führst mich“, „Du traust mir was zu“.
Die Antragsteller legten ein Gutachten
von Gertrud Dörner vor.
Darin wurde nachgewiesen, daß die umstrittenen Texte den Glauben verfälschen.
Im April 2009 schmetterte die altliberale österreichische Bischofskonferenz den Rekurs ab.
Das Ehepaar
von und zu Liechtenstein reichte im Mai 2009 bei der Bischofskonferenz einen Rücknahmeantrag ein.
Dieser
wurde im Juli 2009 abgeschmettert.
Der lange Weg nach RomGegen diesen Entscheid rekurrierte das Ehepaar
im Juli 2009 unter anderem bei der Glaubenskongregation.
Der Rekurs wurde im November 2009 aus formalen
Gründen zurückgewiesen.
Prinz Gundakar reichte dagegen im November 2009 Rekurs bei der Apostolischen
Signatur ein.
Diese verwies das Elternpaar im Februar 2010 an die Kleruskongregation.
Noch im gleichen
Monat wandte sich der Prinz an diese.
Unglaublich aber wahr: Im März 2010 – fast anderthalb Jahre nach
ihrem Schreiben an Kardinal Schönborn – wurde der Rekurs angenommen.
Die Apostolische Signatur reichte
das Problem an die Kleruskongregation weiter. Diese machte sich an die Arbeit.
Sie verlangte von Kardinal
Schönborn Akten und Informationen und von der Glaubenskongregation ein vertieftes Studium des Gutachtens
von Frau Dörner.
Zynische BischöfeZynischerweise hatte die Österreichische Bischofskonferenz bereits
im April 2009 eingestanden, daß man „im einzelnen“ Frau Dörners Beobachtungen zu den glaubensfeindlichen
Religionsbüchern zustimmen könne.
Und: „Die entsprechenden Handbücher zeigen, daß diese Probleme
ihren Ursprung in fragwürdigen theologischen Positionen sowie in einer gefährlichen Tendenz haben, das
Glaubensgut abzuwerten.“
Diese Feststellungen sind blanker Zynismus: Denn die bischöflich kritisierten
Bücher wurden von den Bischöfen für den Gebrauch im katholischen Religionsunterricht zugelassen und
effektiv verwendet.
Den Kopf aus der Schlinge gezogenDie Kleruskongregation stellte Kardinal Schönborn
zur Rede.
Der Kardinal erklärte im November 2010 in einem Schreiben, daß die österreichischen Bischöfe
in der Zwischenzeit einen neuen Lehrplan publiziert hätten.
Die inkriminierten Schulbücher würden
darum nicht mehr neu aufgelegt, sondern im ganzen durch neue Schulbuchreihen ersetzt.
Es sei darum „nicht
sinnvoll“, die enthaltenen Irrtümer, welche die Glaubenskongregation richtigerweise feststellt habe,
„für den kurzen Zeitraum der Weiterverwendung dieser Reihen der Volksschul-Religionsbücher zu berichtigen.“
Er werde sich aber bemühen, über die enthaltenen Irrtümer aufzuklären und die Religionslehrer zu
ersuchen, in der Verwendung der Religionsbücher diese enthaltenen Irrtümer nicht wiederzugeben – heuchelte
der Kardinal.
Verantwortungslose WölfeAm 22. Februar 2011 erklärte die Kleruskongregation, daß die
Ursache des Streites beseitigt sei, da die im Rekurs genannten Forderungen „auf annehmbare Weise“ erfüllt
worden seien.
Mit anderen Worten: Die österreichischen Bischöfe haben jahrelang das Seelenheil von
Minderjährigen aufs Spiel gesetzt.
Jetzt haben sie sich in einer Husch-Husch-Aktion selber absolviert.
Die Verantwortung für diesen unerhörten Skandal übernimmt niemand.
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