Jelinek: „Ich persönlich habe eine tiefe Abneigung gegen alle Religionen“
Die für ihre Ausfälle gegen das Christentum bekanntgewordene österreichische Nobelpreisträgerin betrachtet das Christentum „als das stärkere System“.
(kreuz.net, Wien) In einem Beitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ hat sich die österreichische Nobelpreisträgerin
Elfriede Jelinek zur Ermordung des niederländischen Regisseurs Theo van Goghs geäußert und zur Frage,
ob der Terror die offene Gesellschaft bedrohe, Stellung bezogen.
Es sei der größte Tabubruch, einen
Menschen wegen seiner öffentlich geäußerten Meinung umzubringen, ganz egal, wen oder was diese Meinung
gekränkt oder beleidigt habe. Die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst seien Pfeiler unserer Demokratie
und unserer Lebensweise.
Erst kürzlich nannte die Neue Zürcher Zeitung den ermordeten Regisseur Theo
van Gogh einen „Demagogen“ und „üblen und vulgären Verleumder“.
Sie sei sehr für „Political Correctness“
in dem Sinn, daß man im alltäglichen Umgang mit Menschen „nicht einfach alles herauskotzt, was einem
einfällt“, meinte Frau Jelinek in ihrem Beitrag. Das gelte allerdings nicht für die Kunst. Die Kunst
müsse frei sein und bleiben, und sie dürfe alles: „Absolut alles“ außer Dinge die im Strafgesetz verboten
sind, wie zum Beispiel Mord.
„Ich persönlich habe eine tiefe Abneigung gegen alle Religionen, ganz besonders
aber gegen den Islam.“ Die Nobelpreisträgerin vertritt die Auffassung, daß der Islam in der Praxis seinen
eigenen Gott lästere. Zum Thema Fundamentalismus und Islam meinte sie: „Dieser fundamentalistische Terrorismus
soll auf einem irregeleiteten Dschihadismus basieren. Hunderte Muslime haben schon versucht zu erklären,
daß der Dschihad (heiliger Krieg) ganz anders gemeint ist und sich keineswegs aggressiv gegen andere
Menschen oder deren Kultur richtet. Er sei vor allem ein friedlicher Krieg für den Glauben, heißt es
immer wieder. Das erscheint mir aber lächerlich angesichts der politischen Praxis.“
Frau Jelinek machte
diese Aussage auf dem Hintergrund der gegenwärtig laufenden blutigen Niederschlagung des Aufstandes im
irakischen El Falludscha durch die amerikanischen Besatzungstruppen. Die Kampfhandlungen haben bisher
Hunderten von einheimischen Freischärlern und Zivilisten das Leben gekostet.
Zum Christentum meinte
Frau Jelinek, daß es sich „als das stärkere System“ erwiesen habe, „weil im Neuen Testament Gleiches
nicht mit Gleichem vergolten wird. Das ist flexibler als Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Man könne und dürfe
nicht Gleiches mit Gleichem beantworten, sonst verrate man „die Werte der Aufklärung und Toleranz“.
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