19:35:16 | Donnerstag, 21. April 2011
In Deutschland melden sich vor allem über das Internet immer mehr Katholiken zu Wort, die nicht länger bereit sind, das tatenlose Zuschauen der Obrigkeit angesichts der Verwüstung des Glaubens hinzunehmen.

Die Webseite des bekannten deutschen ‘Netzwerks katholischer Priester’.
(kreuz.net) Über der Kirche und über den Priestern haben sich in den vergangenen Monaten dunkle Wolken
zusammengezogen.
Das erklären die drei Sprecher des ‘Netzwerks katholischer Priester’ – Pfarrer Guido
Rodheudt aus dem Bistum Aachen, Pfarrer Hendrick Jolie aus dem Bistum Mainz und Pfarrer Uwe Winkel aus
dem Bistum Fulda – in einer Stellungnahme zur Karwoche.
Die Folgen sind nicht absehbarDie Stellungnahme
bezieht sich zuerst auf den Mißbrauchs-Hoax:
„Trotz anderslautender Beteuerungen von offizieller Seite
werden die verheerenden Folgen der Mißbrauchsfälle sowie des unbeholfenen Agierens der Verantwortlichen
vor den Medien erst jetzt langsam sichtbar.“
Das priesterliche Amt erleide mancherorts einen erdrutschartigen
Vertrauensverlust.
Dessen Folgen seien für die seelsorgliche Arbeit „überhaupt noch nicht absehbar“.
Und: „Daß in einem Klima des Mißtrauens, der offenen Feindseligkeit und des Generalverdachts priesterliche
Berufungen nicht wachsen können, muß nicht eigens erwähnt werden.“
Chance für die Seelsorge?Die
Stellungnahme spricht von einer „katastrophalen Situation“.
Deshalb ist für das ‘Priesternetzwerk’ nicht
verwunderlich, daß der Zölibat unter Beschuß gerät – um so mehr, als zahlreiche Oberhirten im Strudel
der Skandale „Lockerungsübungen“ an der Zölibatsverpflichtung vollführt hätten.
Das ‘Priesternetzwerk’
erinnert an eine Stellungnahme von Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg, dem Vorsitzenden der Deutschen
Bischofskonferenz.
Im August 2008 bezeichnete er den Priestermangel als „Chance für die Seelsorge“.
Dabei beklagte er auch, daß das kirchliche Leben sich in der Vergangenheit sehr auf den Priester konzentriert
habe.
Es sei höchste Zeit, daß in der pastoralen Arbeit nicht nur männliche Priester, sondern auch
Frauen tätig seien.
Das ‘Priesternetzwerk’ kommentiert: „Hier wird der Popanz einer patriarchalen Klerikerkirche
beschworen.“
Gründe zur SorgeDas ‘Priesternetzwerk’ sieht darum mit Sorge auf den von den Bischöfen
angestoßenen vierjährigen Dialogprozeß.
Dafür führt die Stellungnahme vier Beispiele an:
• die
Tatsache, daß Pater Hans Langendörfer, der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, das
Theolunken-Pamphlet
als „gutes Signal“ apostrophierte, das angeblich „Defizite und Reformerfordernisse“ aufdecken würde.
• die Tatsache, daß die Theolunken seit Jahrzehnten an Universitäten lehren, die auch von jenen Bischöfen
beaufsichtigt werden, die über ihr Pamphlet empört sind.
• die Tatsache, daß die deutschen Bischöfe
im März in einem „Wort an die Gemeinden“ die katholischen Kritiker des Memorandums als jene abkanzeln,
„die alles beim Alten lassen wollen und sogar meinen, die Misere der Kirche liege darin, ihrem eigenen
Erbe und Selbstverständnis gegenüber nicht treu genug zu sein.“
• die Tatsache, daß Erzbischof Zollitsch
eine offizielle, durch den Nuntius vermittelte Bitte des ‘Priesternetzwerkes’ um ein Gespräch über Wochen
ignorierte und dann mit dürren Worten ablehnte: „Ist das der Geist des vielbeschworenen Dialogs?“
Treuherzige
HoffnungenIm Zusammenhang mit dem Dialogprozeß stellt das ‘Priesternetzwerk’ mit Blick auf die deutschen
Bischöfe die Fragen:
Wer der Glaubenszerstörung tatenlos schaute, die glaubenstreuen Priestern im Stich
ließ, nicht den Mut hatte, in der Bischofskonferenz gegen deutsche Sonderwege zu protestieren, „wird
er sich widersetzen können, wenn er sich mit den »Reformforderungen« einer medial aufgeputschten Menschenmenge
konfrontiert sieht?“
Das ‘Priesternetzwerk’ erklärt dazu treuherzig:
„Unsere Hoffnungen richten sich
angesichts dieser Misere einmal mehr auf den Heiligen Vater, der unser Vaterland im September besuchen
wird.“
Denn die Situation der deutschen Katholiken ist – so das Netzwerk – nicht durch eine vage „Förderung
des innerkirchlichen Gesprächs über die Suche nach Gott“ oder durch „emotional abgerüstete Kirchenvisionen“
zu verbessern.
Den Katholiken reicht esDas ‘Priesternetzwerk’ nimmt kein Blatt vor den Mund:
„Der
Katholizismus in Deutschland ist in einer Weise gespalten, daß selbst besonnene Kommentatoren offen von
einer schismatischen Situation sprechen.“
Weder unter den Priestern noch unter den Gläubigen bestehe
ein Konsens darüber, was eigentlich katholisch ist: „Ist das den Erstverantwortlichen noch nicht aufgefallen?“
Doch trotz dieses „Schreckensszenario“ übersieht das ‘Priesternetzwerk’ nicht, daß es auf breiter Front
einen katholischen Widerstand gibt:
„Neben einigen profilierten Journalisten haben sich insbesondere
über das Internet Gläubige aus allen Schichten und Ständen zu Wort gemeldet, die das tatenlose Zuschauen
der Obrigkeit angesichts der Verwüstung des Glaubens nicht länger hinzunehmen bereit sind.“
Damit ist
für das ‘Priesternetzwerk’ klar, „daß den Mainstream-Medien die Deutungshoheit über kirchliche Entwicklungen
entzogen wurde.“
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