Pastoraler Prozeß
Eine Kirche nach eigenem Gutdünken?
Nach dem „Abschied vom Hochwürden“ droht im Bistum Fulda der „Abschied vom Herrn Pfarrer“. Die Diözese wirbt mit Einschüchterungen und Redeverboten für ihre Strukturreform. Doch der Widerstand ist nicht aufzuhalten.
(kreuz.net, Frankfurt) Der „Arbeitskreis von Katholiken im Raum Frankfurt“ ruft zum Widerstand auf. Die Priester sollen sich gegen die „Pastoralverbünde“ im Bistum Fulda stellen, bevor die beabsichtigte Strukturreform in Kraft tritt.

Der „Arbeitskreis“ ist eine Vereinigung von Priestern und Laien. Unter letzteren befinden sich Akademiker, Politiker und Wirtschaftleute aus diversen deutschen Diözesen. Diese Laien wollen ihre Verantwortung für Staat und Kirche wahrnehmen.

Frankfurt ist die größte Stadt im deutschen Bundesland Hessen.

Der im Bistum Fulda zur Legitimierung der beabsichtigten Pastoralverbünde vorgeschobene Priestermangel entspreche nicht den realen Zahlenverhältnissen, heißt es in der Erklärung.

„Der Rückgang von Priesterberufungen wird durch die Einführung von Pastoralverbünden geradezu provoziert.“ Denn die Unterscheidung von priesterlichen „Pastoralverbundsleitern“ und „mitarbeitenden Priestern“ schaffe eine Zwei-Klassen-Priesterschaft.

Es sei nicht die primäre Motivation einer Priesterberufung, Pfarrer zu werden. Dennoch solle das Pfarramt für einen Weltkleriker keine Ausnahme bleiben.

Die Strukturreform führe dazu, daß sich ein Diözesanpriester auf eine Rolle als „Pfarrer in Managerfunktion“ oder aber als „Hilfsgeistlicher“ gefaßt machen müsse.

Das werde für die Berufungen für den Weltklerus nicht förderlich sein, fährt die Erklärung fort.

Die Errichtung von Pastoralverbünden mit bis zu 14.000 Katholiken werde zahlreiche gegenwärtige Pfarrer, die nicht zu „Pastoralverbundsleitern“ bestellt würden, dauerhaft von ihrer Hirten- und Leitungsvollmacht abtrennen.

Viele Gemeinden würden außerdem keinen eigenen Pfarrer mehr als Hirten und Leiter besitzen. Das werde auch zur praktischen Auflösung der Pfarreien führen.

Insgesamt stelle die geplante Strukturreform darum einen Angriff auf die Grund- und Gesamtstruktur der Kirche dar.

Der „Arbeitskreis“ verweist auf negative Erfahrungen anderer Bistümer mit ähnlichen Strukturreformen und hofft, daß der heilige Bonifatius – der Apostel der Deutschen – den Widerstand der Fuldaer Diözesanpriester gegen den drohenden Umbau der Diözese stärken möge.

Nur so könne das Bistum davor bewahrt werden, „eine Kirche nur nach eigenem Gutdünken zu bauen“, wie sich Mons. Heinz Josef Algermissen (62), der gegenwärtige Bischof von Fulda, in einem Glückwunschtelegramm für Papst Benedikt XVI. ausdrückt.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Agiafortuni   23:01:05 | Mittwoch, 8. Juni 2005
Zum Priestermangel
lieber leere Kirchen als zurück zur alten Liturgie
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#3   turnschuhfan   16:04:53 | Dienstag, 7. Juni 2005
Unternehmensberater im Bistum Fulda gesucht
Zur Zeit scheinen im Bistum Fulda mehr Unternehmensberater am Werk zu sein als Priester und Bischöfe. Da bleibt Gott manchmal auf der Strecke. Da ist mehr von Strukturen die Rede, vom Erneuern und Sparen, von Zukunftsperspektiven und Pastoral von 2010, davon, dass man einander helfen solle. Und am Rande auch von Gott…Vielleicht muss es ein Bischof erst erfahren, wenn dem Firmling bei der Firmung das persönliche Horoskop samt einem individuellen Glücksstein überreicht wird, dass irgendwas verloren gegangen sein muss…dass Kirche sich selbst säkularisiert, wenn Gott nicht mehr die Mitte allen pastoralen Bemühens ist…
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#2   Laurentius2   11:46:07 | Dienstag, 7. Juni 2005
Ursache der Krise …
… sind die schlechten Bischöfe. Ich möchte keine Steine werfen, aber eine nüchterne Analyse der Situation führt zu diesem Ergebnis. Leider sind die romtreuen Bischöfe immer noch nicht aufgewacht, wie der letzte Alleingang des Kölner Kardinals gegen die Dogmenhoheit Paul Spiegels beweist. Ab und zu nennt der fromme Kardinal die Dinge beim Namen, seine romtreuen Kollegen lassen ihn jedoch immer wieder im Regen stehen. Das zeigt: Es gibt offenbar Null komma Null Vernetzung unter den guten Hirten. Offenbar noch nicht einmal regelmäßige Telefonate ! Sonst könnte doch sowas nicht passieren. Wie wirksam ein – in diesem Fall wohl eher zufälliges – gemeinsames Vorgehen gegen die deutschen Ärgernis-Hirten Lehmann & Co. ist, zeigt ein Rückblick auf die Kritik am letzten deutschen Katholikentag. Die Kritikfront aus verschiedenen Bischofssitzen konnte gerade noch rechtzeitig von den weltlichen Medien abgewürgt und von den meisten kirchlichen Medien nach der Parole Friede, Freude, Eierkuchen ! eingeschläfert werden, so daß die röm-kath. Steuerzahler für das Abrißunternehmen Lehmann AG weiterzahlen und weiterschnarchen …
Ich werbe für den am kommenden Freitag beginnenden Kongreß „Freude am Glauben“ in Regensburg, an dem ich mit Freunden teilnehmen werde. Das muß ein neuer Kirchentag werden, mit römischen (!) Katholiken. Wenn wir uns vernetzen, haben wir beim kommenden Wettlauf gegen den Ausverkauf unserer Kirche(n) (im doppelten Sinne des Wortes) NOCH EIN WORT MITZUREDEN – SONST NICHT.
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#1   Peccator   10:40:02 | Dienstag, 7. Juni 2005
„eine Kirche nur nach eigenem Gutdünken zu bauen“
das ist genau das, was dieser sogenannte Bischof will, nicht das, was er bekämpft. Dieser Bischof ist eine Beleidigung für die katholische Kirche. Man erinnere sich nur an seine Unverschämtheit, die Kundgebung von Gläubigen zur Weihe Deutschlands an das unbefleckte Herz Mariens auf dem Domplatz zu verbieten. Für all das wird er sich vor Gott verantworten müssen, wobei ich bezweifle, daß er das selbst glaubt.
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